Samstag, 04. März 2017

Chinesen entdecken vor Olympia 2022 das Skifahren

Gekonnt gleitet Hao Rui die Piste hinab, die letzten Meter fährt er Schuss. Der 17-Jährige scheint Talent zu haben – im November ist er zum ersten Mal in seinem Leben auf Skiern gestanden. „Seit Ende Jänner arbeite ich als Skilehrer“, erzählt er, während er in der Seilbahnkabine den Berg im Skigebiet bei Zhangjiakou nahe Peking wieder hinauffährt.

Symbolfoto
Symbolfoto - Foto: © shutterstock

Wie Hao entdecken gerade viele Chinesen das Skifahren. Doch noch sind die Skifahrer in der Volksrepublik eine kleine Minderheit: fünf bis sechs Millionen von 1,3 Milliarden. Geht es nach der Kommunistischen Partei, soll sich die Zahl der Wintersportler auf zwei Brettern vervielfachen: auf 300 Millionen Chinesen bis 2030. Vor allem die Olympischen Winterspiele 2022 in China sollen das Geschäft mit dem Skisport in Schwung bringen.

Die Ski-Profis werden sich bei den Winterspielen in den Bergen von Zhangjiakou im Norden Chinas messen. Der höchste Gipfel dort ist gerade einmal 2.000 Meter hoch, diesen Winter schneite es nur wenige Flocken vom Himmel. Doch das soll niemanden vom Skifahren abhalten. Hunderte moderne Schneekanonen säumen die Pisten und bedecken diese mit gleichmäßigem Weiß.

Trockenes Wetter, kalter Winter

Der Franzose Bertrand Camus, einer von zahlreichen Skilehrern aus dem Ausland, hat nichts am Kunstschnee auszusetzen. „Das Wetter hier ist trocken und den ganzen Winter über kalt. Da bleibt der Schnee gut – ganz anders als in den Alpen, wo er immer wieder schmilzt und dann wieder gefriert.“

Eine weitere Hürde für den Skisport in China sind die Kosten. In Wanlong, dem größten Skigebiet bei Zhangjiakou, kostet der Tages-Skipass mindestens 450 Yuan (60 Euro), die Miete für die Ausrüstung 100 Euro. Viel zu viel für jene, die mit dem chinesischen Durchschnittsgehalt von knapp 1.000 Euro auskommen müssen. „Aber durch die wirtschaftliche Entwicklung haben viele Chinesen viel Geld verdient. Und diese Leute begeistern sich für alles, was neu ist“, sagt Skilehrer Camus.

"Hier ist die Luft sauber"

Einer von ihnen ist Wang. Der 30 Jahre alte Zahnarzt aus Peking kommt regelmäßig nach Wanlong. Dann steht er um 5.30 Uhr auf, fährt 200 Kilometer und steht um 9.00 Uhr auf der Piste, noch vor dem großen Ansturm. Demnächst wird Wang noch öfter die Berge hinabsausen.

Er hat sich eine Wohnung in der Stadt Chongli in der Nähe von Wanlong gekauft – nicht nur wegen des Skisports. „Hier ist die Luft sauber, anders als in Peking“, sagt Wang und deutet Richtung Himmel. Der ist an diesem Tag strahlend blau, während die Hauptstadt einmal mehr im dicken Smog versinkt.

Allerorten im Norden des Landes sind neue Ski-Resorts im Entstehen. Die Pisten sind flach und breit wie Autobahnen – schließlich sind die meisten Besucher Anfänger auf Skiern.

apa/afp

stol