Dienstag, 12. Juli 2016

Der Fall Schwazer: „Wir erhalten anonyme Hinweise“

Er habe ihm schon einmal gesagt: Alex, trink nur aus geschlossenen Flaschen. Nun ist für Gerhard Brandstätter das „worst case“-Szenario eingetreten. Alex Schwazer wurde positiv getestet, synthetisches Testosteron in seinem Blut nachgewiesen. Brandstätter ist sich sicher: Da hatte jemand anderes seine Finger im Spiel. Ein Gespräch.

Gerhard Brandstätter
Gerhard Brandstätter

Südtirol Online: Herr Brandstätter, heute (am Montag; Anm.d.Red.) haben Sie den Rekurs gegen die Suspendierung von Alex Schwazer beim Antidopingtribunal in Rom eingereicht. Wann weiß man darüber Bescheid, ob das Eilverfahren, Schwazers letzte Chance auf Olympia, noch diese Woche stattfindet?
Gerhard Brandstätter, Anwalt von Alex Schwazer: Wir haben schon nachgehakt, telefonisch, mit der Bitte um dringende Terminstellung. Wir warten hoffnungsvoll. Ich glaube, man muss sich bewusst sein, dass wir hier vor einem brisanten Problem stehen. Wir haben heute Morgen (Montagmorgen; Anm.d.Red.) noch ein Gutachten von einem unparteiischen, dritten Sachverständigen aus Holland, einem absoluten Fachmann auf seinem Gebiet, bekommen. Er bestätigt: Es gibt überhaupt kein Dopingverhalten des Herrn Schwazer. Das muss neben den ganzen formellen Fehlern, die gemacht worden sind, gewürdigt und in diesem Sinne die Dringlichkeit der Anhörung erkannt werden. Vergessen wir nicht, dass der internationale Verband Monate verloren hat. Die ganze Terminverwaltung scheint doch gegen Alex bzw. gegen seinen Trainer Sandro Donati, der mit seiner Dopingbekämpfung doch viele Interessen verletzt hat, gerichtet zu sein. Umso mehr müsste man jetzt dringend handeln.

STOL: Bis wann muss Schwazers Sperre aufgehoben werden, damit er doch noch in Rio starten kann? Wann ist der allerletzte Termin?
Brandstätter: Wohl der 18. Juli. Schwazer ist für die Olympischen Spiele schon nominiert. Doch ob es nach dem 18. Juli noch die Möglichkeit einer Nachbestätigung gibt, dahingehend war man uns gegenüber nicht klar.

STOL: Jetzt ist die Sportgerichtsbarkeit am Zug. Wie sieht es mit den zivil- und strafrechtlichen Folgen aus?
Brandstätter: Die können sicherlich auch schwerwiegend sein. Strafrechtlich stößt man auf die bereits bekannten Grenzen: Wie kann man so eine Sabotage nach 6 Monaten aufklären? Das ist sicher schwer. Wir haben nun schon die zweite oder dritte Mitteilung erhalten, anonym, von Leuten, die sagen, sie wüssten, was abgelaufen sei, doch sie könnten nichts mitteilen, da sie um ihre Sicherheit fürchteten. Natürlich kann es sich dabei um Mythomanen handeln. Doch können die Leute genauso gut die Wahrheit sagen. Wir geben diese Hinweise an die Staatsanwaltschaft weiter. Zivilrechtlich wird es eventuell auch langwierige Verfahren geben. Doch zu diesem Zeitpunkt interessiert uns vor allem die Sportgerichtsbarkeit.

Interview: Petra Gasslitter

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Lesen Sie das ganze Interview im Tagblatt "Dolomiten" am Mittwoch.

stol