Nachdem Vizepräsident Rainer Koch als erste Führungskraft Konsequenzen aus den Vorwürfen gegen den früheren Bundesliga-Referee gezogen und seine Zuständigkeit für die Schiedsrichter abgegeben hat, erklärte ein Verbandssprecher am Donnerstag: „Wir prüfen den Fall.“ Den konkreten Vorwurf einer Nötigung oder Belästigung bestätigte er nicht. Erste Vernehmungen mit wichtigen Beteiligten hat es aber schon gegeben, weitere sollen folgen. Amerell hatte die Vorwürfe gegen seine Person bereits am Mittwoch zurückgewiesen.Volker Roth, der Vorsitzende des DFB-Schiedsrichterausschusses, war bereits am 17. Dezember des Vorjahres davon unterrichtet worden, dass ein junger Bundesliga-Referee von Ausschuss-Mitglied Amerell belästigt worden sein soll. Koch hatte nach eigenen Angaben jedoch erst am 3. Februar von den schweren Vorwürfen erfahren; das Vertrauensverhältnis war erschüttert: Der DFB-Vizepräsident sah eine Fortsetzung seiner Zuständigkeit für das gesamte Schiedsrichterwesen nicht mehr möglich.„Nach den DFB-Statuten ist der Präsident zu informieren und nicht der Vizepräsident. Genau das habe ich getan“, sagte Schiedsrichter- Chef Roth am Donnerstag im Fachmagazin „kicker“. Einen Termin, an dem er DFB-Präsident Theo Zwanziger die Information über die Vorwürfe gegeben hat, nannte Roth nicht. Laut der Tageszeitung „Die Welt“ sei schon auf der außerordentlichen DFB-Präsidiumssitzung vor einer Woche die Frage diskutiert worden, wie lange die Vorwürfe intern bereits bekannt seien. Sie sind offenbar erst später über einen weiteren Schiedsrichter-Funktionär in die DFB-Zentrale nach Frankfurt gelangt. Der Verband und Zwanziger hätten auf diese Informationen „umgehend reagiert“, betonte ein DFB-Sprecher.Den Namen des jungen Schiedsrichters, der sich an den Verband gewandt hatte, nannte der DFB auch am Donnerstag noch nicht. Amerell, der sich „aus gesundheitlichen Gründen“ von seinen Aufgaben im DFB- Schiedsrichterausschuss entbinden ließ, nannte die Vorwürfe „haltlos und aus der Luft gegriffen“. Zudem schaltete der frühere Bundesliga- Referee, der dem Schiedsrichterausschuss als Vertreter des Regionalverbandes Bayern angehörte, einen Anwalt ein. DFB-Präsident Zwanziger verwies in der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstag) auf eine „Sachverhaltsaufklärung“ des Verbandes: „Das ist schwierig, deshalb wollen wir nicht zu früh Leute belasten oder entlasten. Im Moment steht der Persönlichkeitsschutz über allem.“ Zwanziger kündigte zudem weitere Vernehmungen an, mit denen Verbands- Justiziar Jörg Englisch beauftragt worden sei.dpa