Samstag, 18. Juli 2015

Dibaba knackt Uralt-Weltrekord

Fast 22 Jahre lang hielt der 1500-Meter-Weltrekord allen Angriffen stand – am Freitagabend stürmte Genzebe Dibaba die Bastion: Die Äthiopierin triumphierte in Monte Carlo in 3:50,07 Minuten. Damit ist die 24-Jährige nun die große Favoritin bei der WM in Peking.

Foto: © LaPresse

Nun hat auch die „Kleine“ den ganz großen Coup gelandet: Mit ihrem sensationellen 1500-Meter-Weltrekord ist Genzebe Dibaba endgültig aus dem Schatten ihrer älteren Schwestern Tirunesh und Ejegayehu getreten. Ein Jubelsturm brach am Freitagabend im Stade Louis II. in Monte Carlo los, als die 24 Jahre alte Äthiopierin beim Diamond-League-Meeting im Ziel die Arme hochriss.

Sie konnte es noch nicht fassen: In 3:50,07 Minuten blieb Dibaba 39 Hundertstelsekunden unter der fast 22 Jahre alten Fabelzeit der Chinesin Qu Yunxia. Deren Weltrekord vom 11. September 1993 galt bei Experten als auf lange Sicht uneinnehmbare Bastion.

„Ich glaube, Tirunesh wird glücklich sein, ganz Äthiopien wird glücklich sein“, sagte Genzebe Dibaba nach ihrem Sturmlauf. „Ich bin die erste 1500-Meter-Weltrekordlerin aus Äthiopien – das ist erstaunlich.“ An Selbstvertrauen mangelt es der Afrikanerin jedenfalls nicht. „Ich wusste von Anfang an, dass ich den Weltrekord brechen kann“, sagte sie, „und ich bin in der Lage, mich noch zu verbessern. Vielleicht unter 3:50.“

Die zweimalige Hallen-Weltmeisterin über 1500 (2012) und 3000 Meter (2014) ist nun die Gold-Favoritin bei der Leichtathletik-WM Ende August in Peking. Dort will sie die 1500 und die 5000 Meter laufen. Ihr großes Talent hat Genzebe Dibaba mit mehreren Hallen-Weltrekorden längst bewiesen.

Neun Tage vor Monaco rannte sie in Barcelona schon Afrika-Rekord – die 3:54,11 waren aber noch weit weg vom Weltrekord. Doch nun steigerte sie sich in Monaco um gut vier Sekunden. In diesem Jahrtausend war zuvor noch keine Läuferin unter 3:55 geblieben. Doch mit der sechs Jahre älteren Tirunesh kann sich Genzebe (noch) nicht messen: Ihre flotte Schwester war dreimal Olympiasiegerin und holte bei internationalen Meisterschaften Gold im Dutzend.

„Die Tempomacherin hat einen hervorragenden Job gemacht“, lobte Genzebe Dibaba nach dem Lauf der Superlative. Die zweitplatzierte Sifan Hassan stellte in 3:56,05 Minuten einen niederländischen Rekord auf, hinter ihr stürmte Shannon Rowbury (USA) in 3:56,29 zum Nordamerika-Rekord. Drei weitere Läuferinnen blieben unter der Vier-Minuten-Marke.

Die Chinesin Qu Yunxia gehörte in den 90er Jahren zur Armee des berüchtigten Trainers Ma Junren, der einst das „Geheimnis“ seiner schnellen Truppe verraten hatte: Schildkrötenblut. Doping stritt er stets ab. Dabei gehörten sechs seiner Schützlinge zu den insgesamt 27 Athleten, die von den Chinesen kurz vor den Olympischen Spielen 2000 in Sydney aus dem Verkehr gezogen wurden.

dpa

stol