Die Zwischenbilanz der ersten Gewinner und Verlierer der Fußball-EM nach Ende der Gruppenphase hält einige Überraschungen parat - hier eine Zwischenbilanz.Gewinner:ITALIEN: Wettskandal, verletzte Spieler – die Vorbereitung auf die EM war alles andere als optimal. Dennoch erreichte Italien mit fünf Punkten aus drei Spielen das Viertelfinale – wenn auch mit großem Zittern. Baumeister des Erfolgs ist Coach Cesare Prandelli. Er hält nicht nur Diva Mario Balotelli im Zaum, sondern überrascht auch mit gelungenen taktischen Kniffen (Daniele De Rossi als Abwehrchef).GRIECHENLAND: Hellas wendete aus sportlicher Sicht das EM-Aus ab. Das Erreichen des Viertelfinales fühlte sich für viele Fans beinahe schon so sensationell wie der EM-Sieg 2004 an. Streicheleinheiten für ein ganzes Land! Die Presse feierte die „Superseele“ des griechischen Teams um Kapitän Georgios Karagounis und misst einem Sieg gegen Deutschland auch politische Bedeutung bei – Grüße an Angela Merkel.IRISCHE FANS: Sie waren titelreif. Die rund 20 000 irischen Fans sorgten während des 0:4 gegen Spanien für Gänsehautstimmung. Selbst TV-Kommentatoren verstummten bei der Folk-Ballade „The Fields of Athenry“. Einige pfiffige Anhänger ließen sich mit einem Banner ablichten, auf dem geschrieben stand: „Angela Merkel Thinks We're At Work“ (Angela Merkel glaubt, wir sind bei der Arbeit).SCHIEDSRICHTER: UEFA-Refereechef Pierluigi Collina konnte mit seinen Unparteiischen zufrieden sein – eigentlich. Ausgerechnet am letzten Gruppenspieltag leistete sich aber erst Wolfgang Stark bei Spanien gegen Kroatien (1:0) einen Patzer, als er ein elfmeterreifes Foul von Ramos an Mandzukic nicht pfiff. Dann erkannte Viktor Kassai bei England gegen Ukraine (1:0) ein klares Tor von Marko Devic nicht an. Auch die Torrichter stehen nach dem nicht gegebenen Treffer der Ukraine gegen England zu Recht in der Kritik.DFB-TEAM: Joachim Löws Mannschaft marschierte mit drei Siegen durch die Vorrunde und stellte damit einen EM-Rekord auf. 14 Pflichtspiele hat die DFB-Elf nun nacheinander gewonnen, obwohl die Vorbereitung auf das Turnier wegen vieler fehlender Spieler teilweise schwierig war. „Wir sind reifer geworden“, erkannte Löw nach dem 2:1 gegen Dänemark. Mario Gomez beeindruckte mit drei Treffern.WAYNE ROONEY: Er kam, sah und siegte. Hoffnungsträger Wayne Rooney führte England bei seinem ersten Auftritt nach einer Rotsperre zum 1:0 gegen die Ukraine und damit in die K.o.-Runde. „So gut habe ich mich noch nie nach einem Tor für England gefühlt“, sagte der Stürmer von Manchester United. Der Treffer bedeutete das Ende einer langen Durststrecke: 673 Minuten hatte „Roo“ zuvor nicht getroffen.Verlierer:ORANJE: Was für eine Blamage! Zum ersten Mal seit 32 Jahren schied die niederländische Mannschaft in der Vorrunde aus. Außerdem holte sie bei einer EM oder WM keinen Punkt – auch eine traurige Bestmarke. Zerstritten, zerfahren, zerknirscht – das Debakel war auf wenige Nenner zu bringen. Und Arjen Robben? Diesmal reichte es selbst für den Tempodribbler nicht einmal zum Vize-Titel.GASTGEBER: Die Erwartungen waren riesig, der Absturz aus sportlicher Sicht bitter. Nach Polen verabschiedete sich auch die Ukraine als Gastgeber aus dem Turnier. Die Bevölkerung trauerte. Rund um Polens Team setzte die Suche nach Schuldigen ein. Im Fokus: Verbandsboss Grzegorz Lato. Bei der Ukraine stand der Schuldige schnell fest: Referee Kassai, der ein klares Tor gegen England nicht gegeben hatte.PRÜGELNDE FANS: In Verruf gerieten vor allem russische und kroatische Anhänger. Die UEFA verurteilte den kroatischen Verband wegen des Fehlverhaltens einiger Fans zu Geldstrafen von insgesamt 125.000 Euro. Nach den Vorkommnissen beim Vorrundenspiel zwischen Polen und Russland muss der Verband der Sbornaja sogar den Abzug von sechs Punkten in der Qualifikation zur EM 2016 fürchten.IRISCHE FUSSBALLER: Die Form ihrer Fans erreichten sie nicht. Die „Boys In Green“ mussten nach drei Pleiten und nur einem geschossenen Tor chancenlos die Heimreise antreten. „Ich bin erschüttert“, sagte Verteidiger Richard Dunne stellvertretend für die sympathischen Außenseiter. Selbst Oldie Giovanni Trapattoni – mit 73 Jahren ältester Trainer der EM-Historie – brachte sein Team nicht auf Kurs.UEFA-BILDER: Joachim Löw löste die Kontroverse unfreiwillig aus. Der deutsche Bundestrainer stupste einem Balljungen beim Spiel gegen die Niederlande (2:1) einen Ball unter dem Arm weg. Die UEFA schnitt die Szene in die Live-Übertragung der Partie, obwohl sie sich bereits vor dem Match zugetragen hatte. Die Europäische Fußball-Union sah sich wieder mit Vorwürfen der Manipulation und Zensur konfrontiert.dpa