Eigentlich sieht die Welt von Lance Nethery derzeit rosig aus. Mit den DEG Metro Stars schwebt der Eishockey-Manager auf einer Erfolgswelle und ist am Samstag Gastgeber für das Derby gegen die Kölner Haie. Dabei darf der Kanadier erstmals in dieser Saison mit einem erstligareifen Fan-Andrang rechnen. „Wir hoffen, dass die Halle voll ist“, sagt Nethery – Euphorie schwingt in den Worten aber nicht mit. Denn der 43-Jährige weiß, dass das Prestigeduell gegen Köln eine Ausnahme ist.Bisher war die Düsseldorfer Kulisse in diesem Jahr ein Trauerspiel, Hoffnung auf dauerhafte Besserung gibt es kaum. Vier Monate nach der furiosen Weltmeisterschaft in Deutschland steht Düsseldorf mit dem Problem in der DEL bei weitem nicht allein da. Genereller Trend alarmierendKöln, Hannover, Hamburg, Mannheim, Krefeld – auch dort wird derzeit deutsches Elite-Eishockey vor halbleeren Rängen gespielt, und die Liste ließe sich fortführen. Den Eisbären Berlin gelingt es als einzigem Team in der Deutschen Eishockey-Liga, ihre Halle regelmäßig zu füllen – und in der haben 14 200 Besucher Platz. Berlin ist eine absolute Ausnahme in der DEL, der generelle Trend ist alarmierend.Beispiel Düsseldorf: In der Hauptrunde 2007/08 kamen noch mehr als 6000 Fans zu den DEG-Heimspielen, derzeit sind es etwa 2000 weniger. Auch nach dem Knaller gegen Köln dürften die meisten der insgesamt 13 400 Plätze im ISS Dome wieder frei bleiben. Der Oberrang wird für das Derby geöffnet. Normalerweise verhängt ein schwarzes Tuch die Sitze unter dem Hallendach – wie auch in Köln. Zu den Haien kamen in den vergangenen Jahren beständig mehr als 10 000 Fans, derzeit sitzen in der 18 500 Plätze fassenden Arena noch knapp 9000 Anhänger. Der Schnitt in Mannheim fiel von rund 11 000 auf aktuell etwa 8600.Hallen wurden zu groß konzipiertDEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke hat in der Größe der Arenen das Problem ausgemacht. In einer „Goldgräberstimmung aus dem Boden gestampft“ seien die Hallen geworden, dazu auch noch „eindeutig überdimensioniert“, tat Tripcke – früher noch Fan der modernen Spielstätten – kund. Dass die Clubs deswegen finanzielle Probleme bekämen, sei bei den hohen Mieten kein Wunder, so der DEL-Chef.Vereine sehen schuld bei DELAuf Tripcke scheint DEG-Manager Nethery nicht gut zu sprechen zu sein, der erfahrene Düsseldorfer macht die Liga und deren ständig wechselndes System ohne Auf- und Abstieg mitverantwortlich für die Imageprobleme. Deshalb sollte nun auch vor allem die DEL an Lösungen arbeiten. „Es gibt viele Leute in der Liga, die besser wissen sollten als ich, wie man die Situation verbessert“, meint der Kanadier.An der sportlichen Qualität liege es nicht, „das Produkt auf dem Eis ist einigermaßen in Ordnung“, meint Nethery und zählt auf: Berlin habe die European Trophy gewonnen, Mannheim gegen San Jose aus der NHL überzeugt und die Nationalmannschaft bei der Heim-WM als Vierter überrascht. „Aber wir haben von der WM nicht profitiert“, so Nethery.Nur Berliner Eisbären trotzen dem TrendWas machen die Eisbären richtig? Neben professionellem Marketing und etlichen Ticket-Aktionen ist die Erfolgsformel von Manager Peter John Lee: „Zwei Punkte spielen für die Fans eine große Rolle. Habe ich im letzten Jahr zuhause viele Spiele gewonnen und gewinne ich in der aktuellen Saison meine Heimspiele. Wenn nur ein Punkt davon nicht stimmt, bleiben die Fans aus.“dpa