Sportdirektor von Ravenna verhaftetGegen insgesamt fünf Personen wird derzeit im Rahmen des Wettskandals in Ravenna ermittelt: Unter anderem gegen Sportdirektor Giorgio Buffone (56), der am Mittwoch von Polizeibeamten festgenommen und anschließend in Hausarrest überstellt wurde. Er soll nicht nur direkt auf die Wetten Einfluss genommen haben, sondern vor allem auch – durch seine zahlreichen Bekanntschaften – den Ausgang der Spiele von Ravenna manipuliert haben. Vier Spiele stehen unter direktem Manipulationsverdacht: Die Spiele Verona - Ravenna (4:2) im Februar, Alessandria - Ravenna (2:1) im März, Ravenna - Spezia (0:1) im März und Reggiana - Ravenna (3:0) im April. Buffone wurde bereits Mitte Mai für drei Jahre gesperrt, nachdem vermeintliche Bestechungsvorwürfe bekannt wurden. Damals wurden Ravenna sieben Punkte abgezogen, weshalb Ravenna Calcio nun gegen die Weiß-Roten um den Klassenerhalt spielen muss. Auch Trainer, Präsident und Vize-Präsident unter Verdacht Unter Verdacht stehen aber auch Präsident Gianni Fabbri, Vizepräsident Antonio Ciriello, Trainer Leoanardo Rossi und Tormann-Trainer sowie Ex-Spieler von Ravenna, Nicola Santoni. Bei Präsident Fabbri wurden insgesamt vier Hausdurchsuchungen durchgeführt: am Vereinssitz, in seinem Büro und in seinen beiden Eigentumswohnungen. Ob Beweismaterial sichergestellt wurde, ist derzeit nicht bekannt. Entscheidung am grünen Tisch? Noch ist unklar, was passiert, sollten sich die Verdachtsmomente gegen Ravenna und die übrigen Vereine erhärten: Wenn einem Verein Manipulationen nachgewiesen werden können, ist ein Zwangsabstieg nicht ausgeschlossen. Damit könnte das weitere Schicksal des FC Südtirol auch am grünen Tisch entschieden werden. Allerdings: Den Weiß-Roten reicht gegen Ravenna ein Unentschieden, um in der dritten Liga zu bleiben. Ravenna hingegen muss siegen, um nicht in die vierte Liga abzusteigen. Petrucci: „Gesamte Fußball ist beschmutzt“ „Diese Subjekte haben den gesamten Fußball beschmutzt“, klagte der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees von Italien, Gianni Petrucci. Sport-Staatssekretär Rocci Crimi bezeichnete die Machenschaften der Wettbetrüger als „Schande“ und kündigte eine „schonungslose Verfolgung der Schuldigen“ an. Die Nationalspieler zeigten sich vor ihrem EM-Qualifikationsspiel am Freitag in Modena gegen Estland betroffen. „So etwas hat uns gerade noch gefehlt“, meinte „Azzurri“-Coach Cesare Prandelli.„Der Fußball in Handschellen“, titelte die „Gazzetta dello Sport“ am Donnerstag. Der Corriere della Sera klagte: „Schmutziges Spiel.“ Fünf Jahre nach der Liga-Manipulationsaffäre um Juves Ex-Manager Luciano Moggi erschüttert ein neuer Skandal von nie dagewesener Dimension den „Calcio italiano“. Neben Ex-Nationalspieler Beppe Signori stehen auch Stars wie der Ex-Profi und jetzige TV-Kommentator Stefano Bettarini sowie Cristiano Doni (Atalanta Bergamo) unter Verdacht.Skrupellose Vorgehensweise schockt Sportwelt Nicht nur die Verwicklung der vielen Stars, sondern auch die Skrupellosigkeit der Bande schockieren die Fußballwelt. Dem ehemaligen Torwart Marco Paolini vom Drittligisten Cremona wird vorgeworfen, seinen Mitspielern im Spiel am 14. November gegen Paganese Beruhigungsmitteln in die Wasserflaschen geschüttet zu haben.Der 27-jährige Fußballer, der vor kurzem zu Benevento wechselte, senkte so die Leistungsfähigkeit seiner Teamkollegen und schloss hohe Wetten gegen sein eigenes Team ab. Einige Mitspieler mussten mit Vergiftungserscheinungen behandelt werden, Paolini flog auf und löste damit die Ermittlungen aus. „Das ist ekelhaft“, verurteilte Juve-Star Andrea Pirlo im Trainingslager der „Squadra Azzurra“ Paolinis Vergiftungsaktion.„Beweise sind schwerwiegend und unwiderlegbar“ Dass die Bande sogar die Gesundheit der Spieler aufs Spiel setzte, wird das Strafmaß verschärfen. Den Wettbetrügern drohen mehrere Jahre Haft, zumal der Leiter der Ermittlungen in Cremona, Sergio Lo Presti, bereits von einer „kriminellen Organisation“ sprach und sie damit in der Nähe der Mafia rückte. Die in sechs Monaten zusammengetragenen Beweise seien „schwerwiegend und unwiderlegbar“. Gemäß Richter Salvini hat die aus drei Zellen bestehende Bande bis zu fünf Partien gleichzeitig manipuliert. Der Versuch, das Serie-A-Spiel zwischen Inter Mailand und US Lecce am 30. März zu manipulieren scheiterte allerdings. Allein Signori soll in diesem Fall 150.000 Euro verloren haben. „Habt Mitleid“, flehte der 43-Jährige vor seinem ersten Verhör. Sein Anwalt erklärte später: „Signori hat nichts mit der Sache zu tun“.Die ins Zwielicht geratenen Aufsteiger aus Bergamo und Siena beteuerten, dass bei ihnen alles mit rechten Dingen zuging. Bergamos Trainer Stefano Colantuono bezeichnete den Manipulationsverdacht gegen sein Team als „Witz“ und die Vorwürfe gegen Doni als „absurd“. Auch Stefano Bettarini wies alle Anschuldigungen zurück. „Ich muss jetzt meinen Ruf schützen“, sagte der Ex-Fußballer, der 2004 schon einmal wegen unerlaubter Wetten zu einer fünfmonatigen Sperre verurteilt worden war. Auch Doni stand 2001 schon einmal unter Manipulationsverdacht, wurde aber freigesprochen.Abete fordert Schadensersatz Italiens Fußballverband kündigte eigene Ermittlungen und gerichtliche Schritte gegen die Betrüger an: „Wir werden Schadenersatz fordern“, sagte FIGC-Präsident Giancarlo Abete. Verbraucherschützer forderten eine Rückerstattung der Wetteinsätze für die betroffenen Partien, was die Wettbüros jedoch ablehnen.Alle Details zum Wettskandal, die unter Manipulationsverdacht stehenden Spiele und die Namen der Verhafteten lesen Sie hier. joi/dpa