Der langjährige Kapitän des FC Südtirol, Hans-Rudi Brugger, übte in diesen Tagen scharfe Kritik an Sportdirektor Luca Piazzi und forderte dessen Abgang. STOL hat mit Walter Baumgartner, Präsident des FCS, über das geplante Stadion, die Pro und Contra, sowie über die sportlichen Brennpunkte in seinem Verein gesprochen. Südtirol Online: Der Stadionbau in Leifers wurde mit knappester Mehrheit im Landtag durchgesetzt. Erleichtert? Walter Baumgartner: Ja, eigentlich schon. Es ist doch so, dass wir bereits seit langer Zeit dabei sind, dieses Projekt zu verwirklichen. Es brauchte nur noch einen entsprechenden Artikel vonseiten des Landtages. Dieser wurde nun beschlossen. Folglich steht der Verwirklichung des Projektes nichts mehr im Wege. STOL: Der Landtag hat zwar grünes Licht gegeben. Allerdings: Die Liste der Stadion-Gegner ist lang und das Stadion – trotz Landtag-Beschluss - noch lange nicht gebaut. Für Sie scheint der Bau aber fixe Sache zu sein. Baumgartner: Ich gehe davon aus und bin überzeugt, dass das Stadion gebaut wird. Im Wahlprogramm der SVP Leifers wurde es noch gutgeheißen. Zusätzlich stand es im Programm der Opposition. Die politische Überzeugung war eigentlich immer vorhanden. Deswegen kann ich mir nicht vorstellen, dass nun, nachdem die Voraussetzungen seitens des Landtages geschaffen wurden, das Projekt von Leifers nicht weitergeführt wird. Dass es unterschiedliche Meinungen gibt, liegt in der Natur der Sache. Das ist bei jedem Vorhaben der Fall. STOL: Der FC Südtirol ist abgestiegen. Gegnerische Stimmen behaupten, der Verein verdiene sich kein neues Stadion. Was sagen Sie dazu? Baumgartner: Der FCS ist ein Südtiroler Verein - der einzige Profiverein zwischen Innsbruck und Verona. Der Verein hat trotzdem keine Trainingsmöglichkeiten und kein Stadion, dass vom Verband als geeignet betrachtet wird. Keine geeignete Anlage für den FC Südtirol bedeutet, dass es früher oder später vorbei sein wird. Egal, ob ein Verein in der Amateurliga oder in der Oberliga spielt, man braucht eine Infrastruktur. STOL: Das heißt konkret… Baumgartner: Man sollte nicht aufgrund des mangelnden kurzfristigen Erfolges dem Verein die Infrastrukturen verwehren. Abgesehen davon, der FCS besteht nicht nur aus der ersten Mannschaft, sondern ist als ein Projekt mit 13 Jugendmannschaften und als Fußballschule zu betrachten. Der Erfolg eines Vereins wird nicht auf Einzelergebnisse zurückgeführt, sondern auf das gesamte Projekt. Hier kann sich der FCS wirklich sehen lassen, auch über die Grenzen hinaus.STOL: Falls das Projekt verwirklicht wird. Ist der Zuspruch in der Bevölkerung überhaupt da? Baumgartner: Ich glaube schon. In Leifers ist es auch eine städtebauliche Initiative, es verbindet Steinmannwald mit dem Zentrum von Leifers. Durch das neue Freizeitangebot wird der Großteil der Bevölkerung sicherlich dafür sein. STOL: Ein großes Stadion mit leeren Tribünen? Wie wollen Sie die Plätze füllen? Baumgartner: Das kommt alles mit dem sportlichen Erfolg. Mit der ganzen Initiative werden wir auch wieder mehr Zuschauer haben. Die Begeisterung ist ohnehin schon da, die Leute gehen nur noch nicht so zahlreich ins Stadion. STOL: Derzeit rumort es in Ihrem Verein auch intern recht ordentlich. Der langjährige Kapitän Hans Rudi Brugger stellte vor kurzem ein Ultimatum: „Entweder geht Piazzi oder ich“. Was sagen Sie dazu? Baumgartner: Wenn ein Kapitän solche Aussagen macht, dann sagt dies alles aus, auch über ihn selber. STOL: Heißt das, dass Brugger gehen muss? Baumgartner: Ich sage dazu nichts. STOL: Was passiert mit Zomer? Steht er in der kommenden Saison bei Ravenna im Tor? Baumgartner: Das wird intern geregelt. STOL: Aber man darf davon ausgehen, dass er beim FC Südtirol nicht mehr zwischen den Pfosten steht? Baumgartner: Das ist wahrscheinlich, wird aber entsprechend intern geregelt. Interview: Michael Andres