Dienstag, 02. Juni 2015

FIFA-Präsident Blatter tritt zurück

Joseph Blatter gibt auf! In einer kurzen Rede formulierte er die Worte, die selbst im Sumpf der andauernden Korruptionsvorwürfe an seinen Verband niemand erwartet hatte: Der 79 Jahre alte Schweizer tritt als Präsident des Fußball-Weltverbandes zurück.

Foto: © LaPresse

„Ich habe ernsthaft über meine Präsidentschaft nachgedacht und über die vierzig Jahre, in denen mein Leben untrennbar mit der FIFA und diesem großartigen Sport verbunden gewesen ist“, sagte Blatter in französischer Sprache.

Durch die Wahl am vergangenen Freitag habe er noch einmal das Mandat durch die FIFA-Mitglieder bekommen, „aber ich habe das Gefühl, dass ich nicht das Mandat der gesamten Fußball-Welt habe.

“Daher habe ich entschieden, mein Mandat bei einem außerordentlich Kongress niederzulegen.„

Blatter bleibt gelassen

Blatter wirkte relativ gefasst, auch wenn die Tragweite dieser Entscheidung riesig ist.

Kämpferisch hatte er sich noch bei seiner fünften Wiederwahl gegeben. Zuversichtlich wollte er ungeachtet der Festnahmen und Anklagen gegen hochrangige Funktionäre weitermachen.

Dieser Skandal, bei dem vor allem die US-Justiz ermittelt, war nun aber doch zu viel.

“Ich habe Domenico Scala gebeten, die Einführung und Umsetzung dieser und anderer Maßnahmen zu beaufsichtigen„, erklärte Blatter – Scala ist bisher Chef der Compliance-Kommission.

“Es ist meine tiefe Sorge um die FIFA und ihrer Interessen, die mich zu dieser Entscheidung veranlasst hat„, sagte Blatter am Ende seiner Rede.

“Ich möchte denen danken, die mich immer unterstützt haben in konstruktiver und loyaler Weise als Präsident der FIFA„, betonte Blatter. 1998 hatte er den Posten übernommen.

Nachfolger frühestens im Dezember

Sein Nachfolger als FIFA-Präsident soll voraussichtlich bei einem Sonderkongress des Weltverbands zwischen Dezember 2015 und März 2016 gewählt werden.

Diesen Zeitraum nannte Scala nach Blatters Rücktrittsankündigung.

Gemäß Statuten des Weltverbands seien mindestens vier Monate zur Vorbereitung eines Wahlkongresses notwendig.

Der nächste reguläre FIFA-Kongress ist erst für den 12. und 13. Mai 2016 in Mexiko-Stadt vorgesehen. “Dies wurde eine unnötige Verzögerung bedeuten„, sagte Blatter.

Nur wenige Pressevertreter waren dabei

Seine Entscheidung war ungeachtet der erneuten Zuspitzung der Ereignisse am Dienstag völlig unabsehbar.

Nur wenige Medienvertreter hatten es überhaupt zu der Pressekonferenz in Zürich geschafft, nachdem sie gut eine Stunde vor dem geplanten Beginn erst angekündigt worden war.

Nach einer dreiviertelstündigen Verspätung hatte Kommunikationschef Walter De Gregorio das Wort an Blatter übergeben.

Südafrika wies Bestechung bei WM 2010 zurück

Südafrika hatte im Zusammenhang mit der Zahlung Bestechungsvorwürfe rund um die Vergabe der WM 2010 vehement zurückgewiesen.

Die FIFA erklärte zudem, die Überweisung der zehn Millionen Dollar sei vom damaligen Vorsitzenden des Finanzkomitees, des mittlerweile gestorbenen Argentiniers Julio Grondona, genehmigt und gemäß der eigenen Regularien vorgenommen worden. Dass Valcke von dem Vorgang gewusst habe, sei ein normaler Vorgang, erklärte ein FIFA-Sprecher.

Die Zahlung von zehn Millionen Dollar sei von der Regierung Südafrikas und vom südafrikanischen Fußball-Verband genehmigt worden, um ein Projekt für die Unterstützung der afrikanischen Diaspora in der Karibik zu finanzieren, hieß es in einer Mitteilung.

Unabhängig von neuen Enthüllungen oder Dementis: Das öffentliche Bild der FIFA bleibt verheerend.

dpa

stol