Freitag, 26. Februar 2016

Gipfelsturm: Schafft Lunger heute das bisher Unmögliche?

Es ist eine der härtesten Touren der Welt - jene auf den 8125 Meter hohen Todesberg Nanga Parbat. Noch nie wurde er im Winter bestiegen. Am Freitag hat nun die Südtiroler Extrembergsteigerin Tamara Lunger zum Gipfelsturm angesetzt.

Du sollst es sein, scheint Tamara Lunger sagen zu wollen. Sie meint damit wohl den Gipfel des Nanga Parbat.
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Du sollst es sein, scheint Tamara Lunger sagen zu wollen. Sie meint damit wohl den Gipfel des Nanga Parbat.

Mit 8125 Metern ist der Nanga Parbart in Pakistan der neunthöchste Berg der Welt und neben dem K2 der einzige der 14 Achttausender, der noch nie im Winter bezwungen wurde. Seit 1988 gab es über 30 Versuche.

Nun will es die aus Gummer stammende Tamara Lunger in Begleitung von Simone Moro aus Bergamo über die Kinshofer-Route versuchen. Am 6. Dezember 2015 hatte die Expedition ihren Anfang genommen (STOL hat berichtet). 

"In der Eiseskälte genügt ein blöder Fehler und man ist möglicherweise bei Gott", schrieb Lunger noch am 20. Februar. Nicht zuletzt daher haben sich Lunger und Moro mit dem Spanier Alex Txicon und dem Pakistaner Ali Sadpara zusammengeschlossen. "Um die Chancen zu erhöhen", so Lunger kürzlich. 

Der Aufstieg hat begonnen ... 

Am Freitag um 8 Uhr früh Ortszeit (4 Uhr in Italien) hieß es von Igone Mariezkurrena aus dem Basislager: "Es besteht kein Funkkontakt, aber der Datenverlauf zeigt, dass sie sich mit einem guten Tempo bewegen. Mit dem Fernglas kann man schon sehen, wie sie sich dem Gipfeltrapez nähern, dem Berg auf dem Berg."

Hier der Aufstieg nach pakistanischer Zeit. Minus vier Stunden ergibt die Zeit in Südtirol. - Foto: Inverno al Nanga Parbat/simonemorogazzetta.it

Um 7.30 Uhr italienischer Zeit scheint die Position von Alex Txicon auf 7700 Metern auf. Demnach bewegt sich die Gruppe mit einer Geschwindigkeit von 100 Höhenmetern pro Stunde fort. Je höher sich die Gruppe an die 8000-er Marke annähert, um so schwieriger wird es, diesen Rhythmus bei schwindendem Sauerstoffgehalt in der Luft beizubehalten. 

Die Gruppe hat sich getrennt

Das letzte Stück ist mit durchschnittlich 45 Grad Neigung sehr steil. Letzter Standort der drei Bergsteiger Lunger, Moro und Txicon vom Basislager aus gesehen ist ein Kanal unterhalb des Gipfels (siehe Bild). 

Foto: Inverno al Nanga Parbat/simonemorogazzetta.it

Bergsteiger Ali Sadpara hat demnach anscheinend entschieden, sich alleine und rechts von der Gruppe auf den Weg zu machen. 

Um 8.30 Uhr hat das Trio eine Höhe von 7.800 Metern erreicht. Es fehlt nicht mehr viel bis zur je von einem Menschen bei einer Winterexpedition erreichten Quote von 7.875 Höhenmetern. Diese wurde 1997 von polnischen Bergsteigern erreicht, bevor sie wegen zu großer Kälte aufgeben und umkehren mussten. 

Foto: Inverno al Nanga Parbat/simonemorogazzetta.it

Um 10.30 Uhr wurde die Gruppe schließlich auf dem Kamm, der zum Gipfel führt, geortet. Um ihn zu erreichen hatten die Bergsteiger einen Umweg in östliche Richtung gemacht - sprich sich vom Gipfel entfernt. Ob alle vier Bergsteiger wieder zusammen sind, lässt sich nicht sagen. 

Kurz vor dem Ziel...

Um 12 Uhr dann die Nachricht: Die drei Männer Simone Moro, Alex Txicon und Ali Sadpara hätten den Gipfel um 11.37 Uhr erreicht, Tamara Lunger sei noch etwas unterhalb. 

Ein Wettlauf auch gegen die Zeit

Den vier Bergsteigern bleibt nach dem Gipfelsieg bis ca. 15 Uhr Zeit, um die Rückkehr unter das Gipfeltapez auf 7500 Höhenmetern zu schaffen, ehe es dunkel wird. Dann folgt der Übergang der Bazhinscharte zum Basislager 4 (7200 m) auf den Spuren, die sie beim Aufstieg hinterlassen hatten. Dies sollte auch nach Einbruch der Dunkelheit möglich sein. 

stol/ker

stol