Mittwoch, 27. Mai 2015

Größter FIFA-Skandal: Elf Funktionäre gesperrt

Die FIFA wird vom größten Skandal ihrer Geschichte erschüttert. Ermittler nehmen sieben Funktionäre fest. In der Zentrale werden WM-Dokumente beschlagnahmt. Nach Zögern greift der Weltverband durch und Chef Blatter äußert Bedauern. Die UEFA erwägt radikale Maßnahmen.

Foto: © LaPresse

Die FIFA steht unmittelbar vor ihrem Wahlkongress vor der größten Zerreißprobe ihrer skandalumtosten Geschichte, die sogar die Zukunft von FIFA-Chef Joseph Blatter plötzlich infrage stellen könnte.

Nach einem dramatischen Tag in Zürich mit mehreren Festnahmen und Durchsuchungen in der Zentrale des Fußball-Weltverbandes wurden am Mittwochabend elf aktuelle oder ehemalige Funktionäre provisorisch gesperrt – unter ihnen auch die Blatter-Stellvertreter Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo, die zuvor von den Schweizer Behörden auf Antrag der US-Justiz in Abschiebehaft genommen worden waren.

Blatter will am Freitag wählen

Während die Blatter-Gegner der UEFA nach einer Sondersitzung in Warschau eine Verschiebung des FIFA-Kongresses forderten, verteidigte Blatter in einem schriftlichen Statement sein Krisenmanagement. Eine Absage der Präsidentschaftswahlen am Freitag, bei der er für eine fünfte Amtszeit gewählt werden will, sind für den 79-Jährigen keine Option.

„Das ist eine schwierige Zeit für den Fußball, die Fans und für die FIFA als Organisation. Wir haben Verständnis für die Enttäuschung, die viele zum Ausdruck gebracht haben...“, wird Blatter in einem schriftlichen Statement der FIFA zitiert.

UEFA zeigt Rot

Seine europäischen Gegner haben die unverhoffte Gunst der Stunde offenbar erkannt und proben den Aufstand. Der Kongress samt Wahlen müsse um sechs Monate verschoben werden, hieß es in einem Statement unter der Überschrift „UEFA zeigt dieser FIFA die Rote Karte“. Es käme auch ein Boykott infrage.

„Beim anstehenden FIFA-Kongress besteht die Gefahr einer Farce. Deshalb werden sich die europäischen Verbände genau überlegen müssen, ob sie überhaupt am Kongress teilnehmen sollen, um ein System zu verwarnen, welches – insofern es nicht gestoppt wird – den Fußball letztendlich töten wird“, hieß es in einer Pressemitteilung.

Im Morgengrauen hatten Schweizer Sicherheitsbehörden unabhängig voneinander an zwei Orten in Zürich Ermittlungen wegen möglicher Vergehen innerhalb des FIFA-Apparats vorangetrieben. Und erneut kamen Beschuldigte aus dem engsten Machtzirkel um Blatter.

dpa

stol