Montag, 12. September 2016

Große Lücken im Anti-Doping-System der Paralympics

Das Internationale Paralympische Komitee hat ganz offen Lücken in seinem Anti-Doping-System bei den Paralympics in Rio de Janeiro eingeräumt. „Das war heute Morgen ein Thema bei der Sitzung unseres Boards. Wir müssen sehen, welche Lehren wir für die Zukunft daraus ziehen“, hat IPC-Präsident Philip Craven am Montag gesagt.

IPC-Präsident Philip Craven (im Rollstuhl) bemängelt das Anti-Doping-System bei den Wettkämpfen.
IPC-Präsident Philip Craven (im Rollstuhl) bemängelt das Anti-Doping-System bei den Wettkämpfen. - Foto: © APA/AFP

Hintergrund ist eine Flut von Rekorden bei den Weltspielen des Behindertensports. 117 Weltrekorde wurden allein an den ersten vier Wettkampftagen in Rio aufgestellt. Die Befürchtung ist, dass sich nicht alle Bestmarken nur mit der Weiterentwicklung der Prothesentechnik und deutlich verbesserten Trainingsbedingungen für die Athleten erklären lassen.

Drogenkontrollen erfolgen stichprobenartig

Weil dem IPC im Vergleich zum olympischen Sport das Geld und vor allem das Personal fehlt, gibt es während der gesamten Paralympics nur 1500 Doping-Tests für mehr als 4300 Athleten. Die Proben werden stichprobenartig genommen. So wurde Weitspringerin Vanessa Low nach ihrem Sieg am Samstag zum Beispiel getestet, Radsportler Kai Kruse nach seiner Bronzemedaille einen Tag später nicht. Verpflichtende Tests für alle Medaillengewinner gibt es bei den Paralympics nicht.

Athleten können sich Kontrollen entziehen

Da es im Behindertensport weniger internationale Wettkämpfe gibt, können sich viele Athleten auch leicht der Kontrolle des IPC entziehen. „Alle chinesischen Athleten unterliegen dem Kontrollsystem der chinesischen Anti-Doping-Agentur. Aber wer kontrolliert wird, liegt nicht in unserer Hand“, sagte IPC-Sprecher Craig Spence.

dpa

stol