Tschechien schaffte es nur mit Mühe zur EM. Fast wäre Schottland stärker gewesen. Der Glanz der goldenen Generation ist schon lange verblasst. Im Kader stehen einige Profis aus der Bundesliga. Die ganz großen Stars sucht man aber vergebens.Die goldene Generation der Tschechen um Pavel Nedved und Karel Poborsky ist längst abgetreten. Klangvolle Namen sucht man abgesehen von Torwart und Champions-League-Sieger Petr Cech (FC Chelsea), dem rechtzeitig in Form gekommenen Ex-Dortmunder Tomas Rosicky (FC Arsenal) und Stürmer Milan Baros (Galatasaray) vergebens. So ruhen die Hoffnungen vor allem auf diesem erfahrenen Trio. 2004 fehlte bei der EM in Portugal mit Baros als Toptorjäger nicht viel zum Titel, doch seitdem hat der tschechische Fußball an Renommee ziemlich eingebüßt.Auf dem Weg zu dieser EM tat sich das Team von Trainer Michal Bilek schwer. In der Qualifikationsgruppe I landete Tschechien elf Punkte hinter Welt-und Europameister Spanien, hielt mit Mühe die Schotten auf Distanz und errang am Ende noch Platz zwei. In den Playoff-Spielen setzte sich die Auswahl mit den Bundesliga-Legionären Michal Kadlec (Leverkusen), Zdenek Pospech (Mainz), Tomas Pekhart (Nürnberg), Roman Hubnik (Hertha BSC) sowie dem Neu-Wolfsburger Petr Jiracek dann gegen Montenegro (2:0, 1:0) durch.Bilek, WM-Teilnehmer von 1990, setzt zunehmend auf junge Spieler aus der heimischen Liga. So stehen auch einige Profis aus dem Meisterteam von Viktoria Pilsen im Kader. Allmählich scheint sich der große Umbruch auszuzahlen, den Bilek 2009 aus der Not heraus einleitete. Bei der EM in Polen und der Ukraine trifft sein Team in der Vorrunde (Gruppe A) auf Gastgeber Polen, Ex-Europameister Griechenland und Russland. Bis zum Start hat Bilek zwei Testspiele gegen Israel und Ungarn geplant.Sollte Tschechien das EM-Viertelfinale erreichen, könnte es erneut zum Duell mit Deutschland kommen. Obwohl es seit der Auflösung der Tschechoslowakei erst sechs Partien gegen die DFB-Elf gab, ist diese Partie bereits ein Klassiker der jüngeren EM-Geschichte. 1996 gewann Deutschland das Finale in London gegen den Europameister von 1976 durch Oliver Bierhoffs „Golden Goal“. Acht Jahre später in Portugal revanchierten sich die Tschechen und schickten mit ihrer „B-Elf“ das Völler-Team nach der Vorrunde nach Hause.RusslandBei der EM vor der eigenen Haustür wollen die Russen durchstarten. Die vermeintlich leichteste Vorrundengruppe mit Polen, Griechenland und Tschechien darf aus russischer Sicht kein Stolperstein sein. Trainer Dick Advocaat steht in jedem Fall vor seinem Abschied.Der feststehende Rückzug von Startrainer Advocaat soll auf die EM-Darbietungen keinen negativen Einfluss haben. „Ich bin mir sicher, dass diese Neuigkeiten die Vorbereitungen auf die EURO 2012 nicht beeinflussen werden. Wir werden alles geben, um eine gute Leistung abzuliefern“, sagte der 64 Jahre alte Niederländer, als er Anfang Mai seinen Weggang ankündigte. Advocaat wird zum PSV Eindhoven zurückkehren, dort war er bereits von 1995 bis 1998 tätig.Der frühere Trainer von Borussia Mönchengladbach, der Niederlande, von Südkorea, PSV Eindhoven oder auch Zenit St. Petersburg hat vor zwei Jahren die Nachfolge von Landsmann Guus Hiddink übernommen – und will sich nun ordentlich und standesgemäß verabschieden.Ein Coup wie 2008 mit dem Halbfinal-Einzug dürfte nur schwer zu realisieren sein – auch weil Wassili Beresutski ausfallen wird. Der Abwehrspieler von ZSKA Moskau werde sich nicht schnell genug von seiner Hüftverletzung erholen, sagte Advocaat nach dem ersten Trainingslagertag. Doch nach dem Glück bei der Gruppenauslosung will die Sbornaja in jedem Fall auch nach der Vorrunde noch im EM-Turnier mitwirken. Co-Gastgeber Polen, Tschechien und Griechenland heißen die nicht gerade furchteinflößenden Kontrahenten in Gruppe A. „Diese Auslosung machte Gänsehaut“, schrieb die Zeitung „Sport Express“.Obwohl Russland die WM 2010 in Südafrika nach einer enttäuschenden Qualifikation verpasste und Hiddink daraufhin seinen Posten räumen musste, sind die Erwartungshaltungen im größten Land Europas wieder einmal enorm. Die Advocaat-Auswahl will auch schon Werbung betreiben für die Heim-WM 2018.Mit 23 Punkten sicherte sich die Sbornaja den ersten Platz in der Quali-Gruppe B mit zwei Zählern Vorsprung auf Irland. Und das trotz eines völlig missratenen Auftakts. Einem glanzlosen Sieg gegen Andorra folgte eine 0:1-Heimpleite gegen die Slowakei. Kritik wurde laut, das EM-Ticket drohte früh in Gefahr zu geraten.Doch die Auswahl um Kapitän Andrej Arschawin, Pawel Pogrebnjak oder Roman Pawljutschenko steigerte sich kontinuierlich und buchte die Reise nach Polen und in die Ukraine endgültig am letzten Spieltag mit einem 6:0 gegen Andorra. „Nach der guten EM-Qualifikation glaube ich, dass meine Spieler an einem guten Tag jeden schlagen können“, sagte Advocaat optimistisch.GriechenlandOtto Rehhagel ist in Griechenland Geschichte. Doch sein Geist wirkt weiter. Mit perfekter Defensive wollen die Außenseiter Fußball-Europa wieder erobern – wie einst unter dem deutschen Coach 2004. Eine Spielplan-Parallele zum EM-Triumph vor acht Jahren weckt Hoffnungen.Rehhagel ist seit dem frühen WM-Aus vor zwei Jahren Geschichte, doch seine Philosophie hat in der Nationalmannschaft noch immer bestand. „Griechenland hat keinen Messi, also hat die Taktik bei uns allererste Priorität“, sagte der neue Nationalcoach Fernando Manuel Costa Santos. Der Portugiese klang dabei wie sein deutscher Vorgänger, der den griechischen Fußball fast zehn Jahre lang geprägt und mit dem EM-Triumph 2004 als 100:1-Außenseiter Kultstatus erlangt hatte.Doch Santos ist auf einem guten Weg, aus Rehhagels Schatten zu treten. Schließlich qualifizierte sich sein Team ungeschlagen für die EM. Parallelen sind unverkennbar: Bei sieben Siegen und drei Unentschieden erwiesen sich die Hellenen abermals als Minimalisten mit Vorliebe für die Defensive – wie zu Rehhagels Zeiten. Gerade einmal 14 Tore schossen sie in zehn Qualifikationspartien. So wenig wie kein anderes Team, das beim Turnier dabei ist.Unter der Regie von Santos ging nur eine von 18 Partien verloren. Diese Erfolgsbilanz veranlasste den Verband, den Vertrag mit dem 57-Jährigen bereits im April über die EM-Endrunde hinaus zu verlängern. Der Fußball-Lehrer soll das Team auch zur WM 2014 nach Brasilien führen.Als gutes Omen werten die Griechen, dass sie – wie schon beim EM-Coup von 2004 – die Eröffnungspartie gegen den Gastgeber bestreiten. Damals legten sie mit dem 2:1 über Portugal den Grundstein zum späteren Turniererfolg.Junge Bundesligaspieler wie Sokratis Papastathopoulos (Bremen) und Kyriakos Papadopoulos (Schalke) stehen für den Generationswechsel. Gleichwohl mag der Coach auf erfahrene Stars nicht verzichten. Mit einer gesunden Mischung aus Alt und Jung will der Außenseiter wieder für Furore sorgen. „Meine Spieler sind für ihre guten Leistungen seit dem Sommer 2010 mit der Qualifikation für die EM belohnt worden. Allerdings ist unser Job damit noch nicht erledigt“, sagte Santos.PolenPolen will bei der Europameisterschaft 2012 vor heimischem Publikum für Furore sorgen. Die Erwartungshaltung in die Mannschaft von Franciszek Smuda ist groß: Dank einer auf dem Papier günstigen Gruppenauslosung mit Russland, Griechenland und Tschechien hoffen die Fans zumindest auf den Einzug ins Viertelfinale. Doch im Gegensatz zu den meisten Landsleuten brach der Teamchef nach der Auslosung nicht in Jubel aus.Auf keinen Fall wollen die „Bialo-czerwoni“ (Weiß-Roten) das Schicksal von 2008 erleiden. Vor vier Jahren waren die Polen bei ihrem EM-Debüt in Österreich ebenso wie die ÖFB-Auswahl in einer Gruppe mit Deutschland und Kroatien nach der ersten Turnierphase gescheitert. Nun sollen es vor allem die Legionäre aus der deutschen Bundesliga richten.So stellt Meister Dortmund mit Robert Lewandowski, Jakub Blaszczykowski und Lukasz Piszczek drei Fixkräfte, Sebastian Boenisch agiert bei Werder Bremen. Der erst 22-jährige Torhüter Wojciech Szczesny steht hingegen bei Arsenal in Englands Premier League im Gehäuse. Nur wenige Spieler kommen aus der heimischen „Ekstraklasa“.Auf der Trainerbank sitzt mit dem Schlesier Smuda seit Oktober 2009 auch ein Coach mit Deutschland-Vergangenheit. Der 63-Jährige warnte vor der zu großen Erwartungshaltung: „Die Gruppe ist ausgeglichen, aber es besteht kein Anlass zur Euphorie“, sagte Smuda, der mit seinem Team während der EM in der Hauptstadt Warschau wohnen wird. „Es ist wichtig, die Atmosphäre des Großereignisses zu spüren“, kommentierte Smuda die etwas ungewöhnliche Wahl.Für ganz Polen ist das Heim-Turnier die Chance, international wieder positiv auf sich aufmerksam zu machen. Zu oft warfen Korruptions-Skandale sowie Hooligan-Ausschreitungen Schatten auf die sportlichen Leistungen des WM-Dritten von 1974 und 1982. Etwas kurios mutete indes die Aufregung um den weißen Adler auf den Trikots der Nationalelf an. Entwürfe ohne das polnische Wappentier hatten parteiübergreifend für Empörung und heftige Fan-Proteste gesorgt, ehe Verbandschef Grzegorz Lato zurückruderte.dpa