Man könne nicht „ein so hoch entwickeltes (Doping)-System haben, wie das von der US-Agentur beschrieben wurde, ohne dass Dir niemand dabei hilft“, sagte Pierre Bordry, der zu Armstrongs Zeiten Chef der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD war.Auch die französische Politik hält nicht viel von Armstrongs Dopinggeständnis. Sportministerin Valérie Fourneyron kritisierte, dass die „Manipulation weitergeht“. Die Art und Weise der Beichte hält sie für fadenscheinig.„Das war eine perfekt vorbereitete Inszenierung, bei der wir nur ein minimales Geständnis von dem selben Mann bekommen haben, der uns immer Auge in Auge versichert hatte, er habe niemals betrogen.“Tygart sieht kleinen SchrittTravis Tygart ist Chef der US-Anti-Doping-Agentur, die Armstrong aufgrund von Beweisen und Zeugenaussagen gesperrt hat: „Das war ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Armstrong hat endlich zugegeben, dass seine Radsport-Karriere aus einer kraftvollen Kombination aus Doping und Betrug bestand.Wenn er es ernst meint mit dem Wunsch, Fehler der Vergangenheit zu korrigieren, muss er unter Eid ein vollständiges Geständnis seiner Doping-Aktivitäten ablegen.“Livestrong-Stiftung enttäuschtAuch die von Armstrong 1997 gegründete Krebshilfe-Stiftung Livestrong gab eine Stellungnahme zum Geständnis ab: „Wir sind enttäuscht angesichts der Nachricht, dass Lance Armstrong während und nach seiner Rad-Karriere die Menschen getäuscht hat, uns eingeschlossen.Aber mitten in dieser Welle der Enttäuschung sind wir Lance auch dankbar, für seine Hingabe und den Geist, den er eingebracht hat, um Krebspatienten zu helfen. Lance hat sich bei uns entschuldigt und wir haben die Entschuldigung angenommen.“UCI sieht sich bestätigt - Wada enttäuschtPat McQuaid (Präsident des Radsport-Weltverbandes): „Armstrongs Entscheidung, sich der Vergangenheit zu stellen, ist ein wichtiger Schritt auf dem langen Weg, den Schaden wieder gut zu machen, den er verursacht hat.Armstrong hat bestätigt, dass es keine Verschwörung und keine Absprachen zwischen ihm und der UCI gegeben hat. Armstrong hat auch gesagt, dass der Radsport heute ein anderer als noch vor zehn Jahren ist.“John Fahey, der Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur, meinte: „Er hat keine Namen genannt, hat nicht verraten, wer ihn (mit Dopingmitteln) versorgt hatte, welche Funktionäre involviert waren. Falls er auf Erlösung aus war, war er nicht erfolgreich.“Harter Novak Djokovik Tennnis-Spieler Novak Djokovic aus Serbien spricht von einer Schande: „Es wäre lächerlich gewesen, zu leugnen, weil es tausende Beweise gegeben hat. Es ist eine Schande für den Sport, dass es Athleten wie ihn gibt. Er hat den Sport verraten.Er hat viele Menschen mit seiner Karriere, seiner Geschichte verraten. Er verdient es zu leiden. Wie so viele Menschen habe ich das Vertrauen in den Radsport verloren. Die Tennisspieler gehören zu den saubersten Athleten.Es stört mich nicht, 10, 20 oder 30 Mal pro Jahr getestet zu werden. Wenn es für alle gleich ist, passt das.“Jalabert: "Aus Berechnung"Laurent Jalabert, Ex-Radprofi aus Frankreich sah eine Taktik von Armstrong: „Das ist kein komplettes Geständnis. Wenn Armstrong etwas macht, geschieht das aus Berechnung. Ich frage mich, ob dieses Geständnis nicht eine Taktik ist.Er hat vielleicht Projekte, will etwas machen, das ihm am Herzen liegt. Wurde er geschützt, wurde er so kontrolliert wie die anderen? Ich habe nicht geglaubt, dass er eines Tages gesteht. Das war sicher nicht die letzte Etappe.“Jaksche spricht von PflichtaufgabeJörg Jaksche, Doping-geständiger Ex-Radprofi aus Deutschland ist ebenfalls überhaupt nicht überzeugt: „Armstrong hat keine Reue gezeigt. Das war die Pflichtaufgabe, um sein Image aufzupolieren. Vielleicht hat er so viel Geld bekommen, wie er im Prozess gegen sein ehemaliges US-Postal-Team angeboten hat (5 Mio. Dollar, Anm.).“Aldag hofft auf mehr, doch zeigt VerständnisRolf Aldag ist Manager des Teams Omega/QuickStep und gestand 2007 ebenfalls im TV Doping als Ex-Radprofi: „Das war der erste Teil, morgen kommt der zweite und hoffentlich bald der dritte, nicht öffentliche, vor der Polizei, der Justiz, der USADA oder WADA.Das Allerschwierigste ist das Zugeben – ich weiß, wovon ich rede.“apa/reuters/afp/dpa