Sonntag, 15. Oktober 2017

„Hertha fordert Trump heraus“: Weltweites Echo auf Kniefall-Protest

Hertha BSC kniet und trägt den Protest amerikanischer Sportler als erstes Team in die Bundesliga. Die Spieler wollen „Nachhilfe“ im Kampf gegen Rassismus geben. Das weltweite Echo ist groß.

Hertha BSC gibt Nachhilfe in Toleranz und folgt dem Beispiel der amerikanischen Footballspieler im Kampf gegen Rassismus.
Hertha BSC gibt Nachhilfe in Toleranz und folgt dem Beispiel der amerikanischen Footballspieler im Kampf gegen Rassismus.

Nach ihrem Kniefall-Protest erhalten die Spieler von Hertha BSC ein weltweites Echo für ihre bemerkenswerte Aktion. Als erstes Bundesliga-Team schlossen sich die Berliner kollektiv dem Protest amerikanischer Athleten an und legten mit starken Worten gegen Rassismus nach. „Auf Knien gegen den Rassismus, auch Hertha fordert Trump heraus“, titelte die italienische Zeitung „La Stampa“. „Die “Take a knee„-Bewegung hat den Atlantik überquert“, schrieb die „Washington Post“.

Idee stammt von der ganzen Mannschaft

Vor dem Anpfiff beim 0:2 gegen den FC Schalke 04 knieten nicht nur die Profis auf dem Platz, sondern auch die Ersatzspieler, das Trainer-Team um Coach Pal Dardai und auch Geschäftsführer Michael Preetz. Die Idee dazu habe die komplette Mannschaft gehabt, berichtete Salomon Kalou anschließend. „Als Hertha kämpfen wir immer gegen Rassismus“, betonte der Ivorer. „Dass wir uns hinknien, ist für uns ein Weg, dieses Verhalten zu bekämpfen. Es sollte nicht im Sport existieren. Nicht in der NFL und nicht im Fußball, in keinem Sport – Punkt. Wir können dabei ein gutes Beispiel abgeben.“

Vor gut einem Jahr hatte sich der Football-Profi Colin Kaepernick erstmals während der amerikanischen Hymne hingekniet, um so gegen Polizeigewalt und die Unterdrückung von Minderheiten in den USA zu protestieren. Zahlreiche US-Sportler folgten diesem Vorbild – und wurden dafür zuletzt mehrfach wüst von US-Präsident Donald Trump beschimpft.

Einige Leute „noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen“

„Wir leben nicht mehr im 18. Jahrhundert, sondern im 21. Jahrhundert. Es gibt aber einige Leute, die ideologisch noch nicht so weit sind“, erklärte der verletzte Innenverteidiger Sebastian Langkamp bei Sky ohne Bezug auf konkrete Personen. „Wenn wir da etwas Nachhilfe geben können, ist das doch gut.“

Als „großartige und wichtige Geste“ bewertete die Deutsche Fußball Liga die Aktion über ihren Bundesliga-Twitteraccount.

dpa

stol