Frank Kramer muss diese Erfahrung bei der TSG 1899 Hoffenheim machen. Die Kraichgauer überwintern vier Jahre nach der Herbstmeisterschaft in der Bundesliga auf dem Relegationsplatz, und der Interimstrainer hat in seiner kurzen Bewährungszeit am letzten Vorrundenspieltag noch Borussia Dortmund vor der Brust. „Es geht nicht um Personen, ich mache mir um mich überhaupt keine Gedanken“, versicherte Kramer nach seiner missratenen Erstliga-Premiere bei der 0:2 (0:1)-Niederlage am Freitagabend beim Hamburger SV. „Die Gedanken gehen nur an Dortmund, nicht über die Pause hinaus.“Kramer, zuletzt U-23-Coach der TSG, würde als Nachfolger von Markus Babbel natürlich gerne auch im Januar noch auf der Trainerbank der Kraichgauer Platz nehmen. Doch der einstige Gymnasiallehrer für Sport und Englisch muss in Hennef seine Ausbildung zum Fußballlehrer zu Ende bringen – das wäre eine zusätzliche Belastung für die gebeutelten Hoffenheimer. Auch wenn Manager Andreas Müller betonte, dass Kramer bis März nur neun Tage Anwesenheitspflicht beim Lehrgang hätte. „Die Niederlage bedeutet nicht, dass die Arbeit von Frank Kramer nicht gut genug war“, sagte Müller in der „Bild am Sonntag“.„Der Verein hat turbulente Monate, fast eineinhalb Jahre hinter sich. Es tut dem Team nicht gut, wenn ständig Trainer gewechselt werden und man immer wieder neue Aufgaben bekommt“, erklärte US-Nationalspieler Daniel Williams und klagte: „Keiner ist sich sicher, wie es weitergeht. Der Verein hat alle Möglichkeiten, ein gutes Konzept aufzubauen. Da sollte man jetzt mal einen Weg konsequent gehen und nicht gleich nach ein paar Niederlagen wieder irgendetwas wechseln.“Der 40 Jahre alte Kramer sah beim desolaten Auftritt der Hoffenheimer in Hamburg einen kleinen Aufwärtstrend – andere hielten die Vorstellung für nicht bundesligareif. „Mit so einer Leistung definitiv“, sagte Müller zur Feststellung von Marvin Compper. „Wir rutschen richtig unten rein, wenn es so weitergeht. Wir müssen etwas ändern“, meinte der Kapitän. „Sie haben kompakt gestanden“, sagte Kramer zur Leistung des Tabellen-16., gestand jedoch ein: „Sie waren schon gewillt, aber die letzte Überzeugung fehlt, daraus Kapital zu schlagen.“Müller stellte fest, dass das Team nach den Negativerlebnissen der vergangenen Wochen „sehr verunsichert“ ist. Zwar seien im taktischen Bereich einige Dinge probiert worden, doch: „Die Mannschaft muss das auch umsetzen, was der Trainer vorgibt, das haben wir in keiner Phase des Spiels zu hundert Prozent erfüllt.“Williams sagte über Kramer: „Ich finde, er hat auch einen Plan. Den müssen wir einfach erstmal umsetzen. Dass es nicht innerhalb von ein paar Tagen geht, ist klar. Aber er findet die richtigen Worte und er führt sehr viele Einzelgespräche. Das brauchen wir momentan.“ Innenverteidiger Compper bescheinigte seinem Team und sich selbst „zu viele und zu blöde Gegentore“. 38 sind mit Abstand Liga-Höchstwert.dpa