In diesem Jahr sind dagegen die großen Fußball-Nationen – Titelverteidiger Spanien, Deutschland, Portugal und Italien oder England – unter sich. Gewonnen haben die vermeintlich Kleinen wie die beiden Gastgeber abseits des Rasens, denn in puncto Organisation verblüfften Polen und die Ukraine.Großveranstaltung ein Erfolg „Unser Fazit: Total positiv. Die Organisation und die Stadien sind klasse“, lobte etwa der deutsche Verbandspräsident Wolfgang Niersbach die EURO-Veranstalter. Der DFB-Chef nannte auch die Gastfreundschaft in beiden Ländern „überwältigend“ und betonte: „Ich finde, dass diese erste Großveranstaltung in Osteuropa im Fußball ein Erfolg ist.“Ein Erfolg, der in jahrelangen Vorbereitungen hart erkämpft werden musste und der nach all den Berichten im Vorfeld über polnische Hooligans oder ukrainische Rechtsradikale nicht zu erwarten war.Selbst nach dem frühen Scheitern beider Gastgeberteams kippte die Stimmung nicht. Schwere Krawalle blieben mit Ausnahme des politisch heiklen Duells zwischen Polen und Russland aus. Grobe Pannen oder Peinlichkeiten haben sich die Ausrichternationen nicht geleistet.So durften kurz vor Beginn der letzten EM-Woche mit den Halbfinal-Krachern zwischen Portugal und Spanien am Mittwoch in Donezk und Deutschland gegen Italien oder England am Donnerstag in Warschau (jeweils 20.45 Uhr/live ORF eins) auch Polens Sportministerin Joanna Mucha und Turnierdirektor Martin Kallen aufatmen.„Wir sind stolz und glücklich“, sagte Kallen am Wochenende bei einem Pressetermin in der polnischen Hauptstadt, der den Charakter einer Bilanz-Pressekonferenz eines expandierenden Welt-Unternehmens trug. „Wir haben alle offenen Punkte zu einem erfolgreichen Ergebnis gebracht und können jetzt das Turnier genießen“, betonte Mucha.Polnische Auswahl zerbrach am DruckGenießen ja, aber leider ohne die eigene Mannschaft. In die Phalanx der Big Four konnten weder die Gastgeber noch andere Außenseiter eindringen. Die polnische Auswahl zerbrach am Druck und den (zu) hohen Erwartungen im Land.Remis gegen Griechenland und Russland, Niederlage gegen Tschechien – den sportlichen Herausforderungen der Gruppenphase waren die Polen nicht gewachsen.Die Ukraine erwischte mit Schweden, Frankreich und England die weitaus schwierigere Gruppe. Das Scheitern ist keine Schande, allerdings wäre gegen nicht gerade überirdisch auftretende Franzosen und Engländer mehr drin gewesen als ein 0:2 und ein 0:1.In ihrem Schicksal stehen Polen und Ukrainer nicht alleine da. Die rasch zum Geheimfavoriten aufgestiegenen Russen wollten unbedingt so überraschen wie vor vier Jahren mit dem Halbfinale. Ergebnis: Aus in der der Gruppenphase.Österreichs WM-Quali-Gegner Irland sammelte Punkte hauptsächlich für seine begeisterungs- und leidensfähigen Fans, die den EM-Titel verdient gehabt hätten.Die unbekümmerten Dänen spielten in der schwierigen Gruppe B erfrischend gut mit, mussten am Ende aber doch Deutschland und Portugal den Vortritt lassen.Klassenunterschied im Viertelfinale Im Viertelfinale bekamen die Zuschauer in ungleichen Duellen zwischen den Deutschen und den spielerisch limitierten Griechen (4:2) ebenso einen Klassenunterschied präsentiert wie zwischen Cristiano Ronaldos Portugiesen und den harmlosen Tschechen (1:0).Anders als 2008 in Österreich und der Schweiz mit Russland und der Türkei oder 2004 mit dem späteren Europameister Griechenland bleibt die Runde der letzten vier in diesem Jahr eine geschlossene Gesellschaft der Großen.Für den Präsidenten der Europäischen Fußball-Union (UEFA) ist dies kein Problem. „Eines ist mir wichtig: Ganz allgemein haben wir bewiesen, dass es möglich ist, als schwierig geltenden Ländern solch ein Ereignis zuzutrauen“, erklärte UEFA-Chef Michel Platini. „Was das Sportliche betrifft, wiederhole ich mich gerne: Ich respektiere immer das Ergebnis auf dem Platz. Wenn jemand ausscheidet, heißt es, dass andere besser waren. Das Spiel gewinnst du auf dem Platz.“ apa