Mit der Welt-Anti-Wett-Agentur wird es erst einmal nichts, doch ansonsten ist das IOC im Kampf gegen den internationalen Wettbetrug zu allem entschlossen. Seit zwei Jahren schützen Interpol und Frühwarnsysteme das Premium-Produkt „Olympia“ von außen. Jetzt geht das IOC auch von innen gegen die größte Bedrohung des milliardenschweren Sport-Business' vor."Neue Geißel des Sports"Die Ringe-Organisation hat Nationalen Olympischen Komitees, nationalen und internationalen Fachverbänden ein Regelwerk an die Hand gegeben, mit dem Athleten, Trainer und Funktionäre für illegales Wetten bestraft werden können. Zudem soll eine Konferenz mit zahlreichen Regierungsvertretern Anfang 2011 mithelfen, die „neue Geißel des Sports“, so IOC-Präsident Jacques Rogge, noch effektiver zu bekämpfen.Inzwischen könne sogar darauf gewettet werden, wer „den nächsten Doppelfehler macht oder den ersten Eckball bekommt“ referierte der belgische Boss des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), der den grassierenden Wettbetrug für den Sport genauso schädlich hält wie Doping. FIFA-Präsident Joseph Blatter verglich die unsichtbare Gefahr sogar mit „bösen Dämonen“. Zittern werden die Wettpaten in Asien deshalb noch lange nicht, trotzdem ist für IOC-Vize Thomas Bach „die Abschreckung sehr wichtig“.Auch die internationalen Fachverbände wollen sich dem Problem mit aller Macht stellen und sagten der IOC-Exekutive am Montag in Acapulco ihre volle Unterstützung zu. Seit den Peking-Spielen 2008 müssen sich alle Olympia-Teilnehmer mit der Unterschrift der Athletenvereinbarung verpflichten, bei den jeweiligen Spielen nicht zu wetten. Angst vor Wettskandalen bei OlympiaBisher blieb das Ringe-Spektakel von einem Wettskandal verschont, aber „das wird nicht ewig so bleiben“, befürchtet Rogge. Außerhalb des olympischen Umfeldes ist eine Eindämmung der Seuche ungleich schwieriger – deshalb der neue Leitfaden für die Mitglieder der olympischen Familie.„Doping ist eine sportspezifische Bedrohung. Wetten ist allgemeine Manipulation und Korruption“, betonte Bach. Eine enge Kooperation mit den Behörden sei von größter Bedeutung. „Wir können nicht Telefone abhören oder Menschen verhaften oder einsperren. Nur Regierungen sind dazu ermächtigt“, sagte Rogge.Erste Forderungen nach der Gründung einer Welt-Anti-Wett-Agentur lehnte der 68-Jährige (noch) ab: „Das wird noch eine Zeit dauern.“ Zum Vergleich: 1999 wurde die Gründung der Welt-Anti-Doping-Agentur beschlossen, erst sieben Jahre später nahm die Doping-Kontrollinstanz offiziell ihre Arbeit auf.dpa