Sonntag, 03. Juli 2016

Joachim Löw: Jetzt wollen wir natürlich mehr

Joachim Löw kann von sich behaupten, jener Trainer zu sein, mit dem die deutsche Elf den „Italien-Fluch“ beendete. Doch das ist dem Coach nicht genug.

Einschwören auf den Showdown: Jogi und seine Jungs.
Einschwören auf den Showdown: Jogi und seine Jungs. - Foto: © APA/AFP

Haben Sie einen solchen Elfmeter-Krimi schon erlebt?
Joachim Löw, Trainer der deutschen Nationalmannschaft: Es war ein dramatisches Spiel bis zum letzten Schuss. Ich habe so etwas schon das eine oder andere Mal miterlebt, etwa 2006 bei der WM in Deutschland gegen Argentinien. Es war ein Spiel, das taktisch auf einem unheimlich hohen Niveau war. Ich denke, dass wir feldüberlegen waren. Der Handelfmeter zum 1:1 war eine unglückliche Aktion. Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass die Italiener aus dem Spiel heraus ein Tor gegen uns erzielen.

Sie haben das Elfmeterschießen recht ruhig und gelassen verfolgt. Direkt danach waren Sie verschwunden. Was ging in Ihnen vor?
Löw: Bei einem Elfmeterschießen kann man als Trainer nicht viel tun. Das ist gerade für die Spieler eine hohe Nervenbelastung. Nach dem Ende habe ich mich gefreut. Ich bin in die Kabine gegangen und wollte ein bisschen Ruhe. Es war ja 120 Minuten lang hektisch genug.

Wie viel Mut hat es Sie gekostet, in der Abwehr auf eine Dreierkette umzustellen? Und welche Rolle hat dabei das ebenfalls nach Umstellungen verlorene EM-Halbfinale 2012 gegen Italien gespielt?
Löw: Ich weiß, dass darüber damals diskutiert worden ist. Aber es war dringend notwendig, auch die Mannschaft ein bisschen zu verändern. Die Italiener sind etwas anderes als die Slowaken. Sie spielen mit zwei Mann auf den Seiten ganz hoch und mit zwei zentralen Stürmern. Vier gegen vier zu spielen, ist gegen sie gefährlich. Ihre Automatismen spielen sie super, aber sie sind leicht berechenbar. Deswegen mussten wir das Zentrum zumachen.

Also war es für Sie keine schwierige Entscheidung?
Löw: Für mich war das nach dem Spiel Italien gegen Spanien klar. Da war das mein erster Gedanke.

Frage: Würden Sie nach einer solchen Nervenschlacht sagen, dass das schon ein Meisterstück war? Oder ist es für eine deutsche Mannschaft als Weltmeister noch nicht genug?
Löw: Wenn man im Halbfinale steht, heißt das Ziel, auch das Finale zu erreichen. Wir müssen jetzt schauen, dass unsere Spieler gut regenerieren. Das Spiel steckt in den Körpern. Jetzt wollen wir natürlich auch mehr. Wir haben Italien am Ende ein bisschen glücklich niedergerungen, aber wir waren die überlegene Mannschaft. Wir hätten den Sack zumachen können, als Mario Gomez alleine vor Buffon war. Aber der Torwart hat auch glänzend gehalten. Das wäre die Entscheidung gewesen. Was die Mannschaft kämpferisch geleistet hat, war wirklich großartig.

dpa

stol