Sonntag, 17. April 2016

Kartfahren in Südtirol: Die Geschwindigkeit voll unter Kontrolle

Es geht um das Gespür für das Fahrzeug. Die Kontrolle der Geschwindigkeit. Und auch um Adrenalin: Das Gokart gilt als Sprungbrett in den Motorsport – und ist auch sonst ein Riesenspaß. Die Karting-Szene in Südtirol ist zwar präsent, aber immer noch recht bescheiden. „Unbegreiflich“, findet der Präsident des Karting Club Alto Adige Südtirol, Egon Pertoll.

Nicht einmal Schnee und Wind haben die Rennfahrer des KC AAS (Egon Pertoll vorne links) davon abgehalten, das Rennen der DAI-Trophy im Safety Park am 5. April zu bestreiten. Foto: liz
Nicht einmal Schnee und Wind haben die Rennfahrer des KC AAS (Egon Pertoll vorne links) davon abgehalten, das Rennen der DAI-Trophy im Safety Park am 5. April zu bestreiten. Foto: liz - Foto: © STOL

Schumacher, Hamilton, Vettel – die großen Namen der Formel 1 haben eines gemeinsam: Sie alle haben ihre Karriere in einem Gokart begonnen. „Es ist der ideale Einstieg in den Motorsport: Man bekommt ein Gespür für ein Fahrzeug mit vier Rädern und lernt, auch bei hohen Geschwindigkeiten die Kontrolle zu behalten – viel besser als in einem normalen Pkw“, erklärt Clubpräsident Egon Pertoll.

Der Mechaniker aus Eppan steht seit mehr als 10 Jahren an der Spitze des Karting Club Alto Adige Südtirol und ist auch mit 53 Jahren noch immer mit ganzer Leidenschaft dabei. Er organisiert, rekrutiert, repariert, optimiert und experimentiert. „Egon ist das Herz und die Seele der Südtiroler Karting-Szene“, betont Vize-Präsident Roland Baldo. Ohne ihn hätte der Kartingclub nicht so lange durchgehalten – und das hätte wohl das Aus für diesen Rennsport in Südtirol bedeutet.

Volle Konzentration: So kennen und schätzen die Karting-Begeisterten Egon Pertoll. - Foto: Facebook/KC AAS

40 Jahre nach der Entwicklung des ersten Karts in den USA gründeten Michele Critelli und Riccardo Baldo den Karting Club Alto Adige Südtirol, der im vergangenen Jahr sein 20-jähriges Bestehen gefeiert hat. „Wir sind der einzige Kartingclub in ganz Südtirol, der offiziell in Rom eingetragen ist“, erzählt Pertoll. Derzeit zählt der Verein 86 Mitglieder. „Seit die Regeln geändert wurden und es nicht mehr nötig ist, einem Club anzugehören, um an Rennen teilzunehmen, ist die Zahl gesunken. Trotzdem sind wir stolz darauf sagen zu können, dass unser Club immer noch besteht – im Gegensatz zu weit größeren Vereinen mit ehemals 300 Mitgliedern.“

Jugendförderung steht ganz oben auf der Liste

Immer wieder organisiert der Karting Club Alto Adige Südtirol Events und Turniere, unter anderem die „DAI-Trophy“, die seit fünf Jahren stattfindet. „Der Name ‚DAI‘ setzt sich aus den Länderkürzeln von Deutschland, Österreich und Italien zusammen, aber diesen Rahmen haben wir schon lange gesprengt. Mittlerweile kommen Fahrer aus der Schweiz, Liechtenstein, Slowenien, Tschechien und sogar aus Griechenland, um an den Rennen teilzunehmen“, berichtet Pertoll stolz. Nicht nur Erwachsene dürfen dabei zeigen, was sie können, auch Kinder und Jugendliche treten aufs Gaspedal.

Die Jugendförderung steht ganz oben auf der Prioritätenliste des Karting Club Alto Adige Südtirol. - Foto: Facebook/KC AAS

„Der Karting Club Alto Adige Südtirol hat vor allem ein Ziel: Wir wollen Kindern und Jugendlichen den Zugang zum Motorsport ermöglichen und sie fördern. Dazu stellen wir Karts und Know-How zur Verfügung. Selbstverständlich ist es auch eine Frage der Sicherheit: In einem Gokart auf der Rennstrecke lernen die Kleinen das Fahren in einer sicheren Umgebung. Nicht umsonst ist einer unserer Leitsprüche: ‚Das Fahren auf vier Rädern beginnt mit uns‘.“

Körperlich und mental eine Herausforderung – für Groß und Klein

Das ideale Alter, um in den Sport einzusteigen, liegt bei 6 Jahren. Ein Kinderspiel – oder besser gesagt ein Kindersport – ist das Kartfahren aber keineswegs. Im Gegenteil: „Als der erfahrene Eppaner Bergrally-Fahrer Rudi Bicciato zum ersten Mal in ein Kart ein- und nach etwa 20 Minuten wieder ausstieg, war er ganz überrascht“, erinnert sich Pertoll mit einem fröhlichen Lachen. „Er meinte, die Mendelstraße fünf Mal auf und ab zu fahren sei ein Klacks dagegen.“

Der Clubpräsident weiß genau, wie anstrengend der Sport für den Körper ist, wenn die Fliehkräfte mal nach links, mal nach rechts zerren. Und auch mental verlangt das Kart einiges vom Fahrer ab: Man muss blitzschnell reagieren, mit dem Kopf fahren und große Disziplin an den Tag legen. „Im Kart lernt man Präzision, man lernt, auf den Millimeter genau zu fahren: Ich könnte einen auf der Rennstrecke liegenden Zigarettenstummel in zehn Runden zehn Mal treffen“, so der Mechaniker.

Ein eingeschworenes Team: Egon Pertoll mit seiner Startnummer 901, dahinter sein Mechaniker Roland Kulcar. - Foto: Facebook/KC AAS

Hohe Geschwindigkeit, große Fliehkräfte, ein offenes Fahrzeug – das alles klingt ziemlich gefährlich. Ist es aber nicht, betont der Mann, der von seinen Freunden und Rennkollegen „Magic Egon“ genannt wird: „Beim Kartfahren befindet sich der Fahrer nahe am Boden, das steigert die Sicherheit erheblich. Zudem gibt es zahlreiche Auslaufstrecken, und auch bei größeren Crashs ist die Verletzungsgefahr relativ gering. Da ist Skifahren gefährlicher.“

Safety Park in Pfatten hat großes Potential – das kaum genutzt werden kann

Mit dem Safety Park in Pfatten hätte die Gokart-Szene in Südtirol einen Aufwind erleben können. Doch leider kam nicht alles so wie erhofft: „Es ist uns nicht gestattet, unter der Woche zu fahren, wir dürfen die Strecke nur am Wochenende voll nutzen“, bedauert Egon Pertoll. Ein Jammer, immerhin werde damit eine tolle Anlage verschwendet. „Südtirol hätte in der Rennszene so großes Potential. Weder in Nordtirol noch im nördlichen Trentino gibt es angemessene Strecken, die nächste Rennpiste liegt in Ala südlich von Rovereto. Es gäbe zahlreiche Fahrer, die nach Pfatten kämen, wenn man die Anlage ordentlich nutzen dürfte.“

Einen Lösungsansatz hätten Pertoll und Baldo bereits – und er liegt näher, als man denkt. „Der Inhaber des Kart-Geschäfts am Safety Park sollte die Leitung der Kartbahn übernehmen. Er kommt selbst aus dem Motorsport und hat ausreichend Erfahrung, wie man die Piste ordentlich zum Laufen bringen könnte.“ Denn nicht nur das Pistenpotential bleibt so auf der Strecke: „Südtirol hat viele Jungtalente, die sehr gute Chancen hätten, im Motorsport weit zu kommen – einige unserer Clubmitglieder fahren mittlerweile in der Formel 3. Aber leider sind die Möglichkeiten, zu trainieren, immer noch zu wenige – und das, obwohl eine ideale Infrastruktur vorhanden wäre.“

Elisabeth Turker

stol