Freitag, 15. Mai 2015

"Keine Gelder für diese vier Lesben" - Eklat im italienischen Fußball

Felice Belloli, Präsident des italienischen Amateurfußballverbandes, ist ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Grund dafür ist ein diskriminierendes Zitat Bellolis aus einer Sitzung zum Thema Frauenfußball. Belloli leugnet zwar, den Satz gesagt zu haben, mehrere Zeugen und das Sitzungsprotokoll bezeugen das Gegenteil.

Italiens Fußballerinnen protestieren gegen den Lesben-Sager mit dem verspäteten Beginn der Serie-A-Spiele vom Wochenende.
Italiens Fußballerinnen protestieren gegen den Lesben-Sager mit dem verspäteten Beginn der Serie-A-Spiele vom Wochenende. - Foto: © APA/EPA

"Schluss! Man kann nicht immer nur davon reden, Gelder an diese vier Lesben zu vergeben." ("Basta, non si può sempre parlare di dare soldi a queste quattro lesbiche.") So wird Felice Belloli im Protokoll der Sitzung der Frauenfußball-Abteilung des Verbandes vom 5. März zitiert.

Belloli hat in einem Radio-Interview am Freitag die Aussage geleugnet: "Ich habe das nicht gesagt. Das ist ein Putschversuch gegen mich. Ich trete nicht zurück. Ich stelle mich allen möglichen und erdenklichen Ermittlungen."

"Ich habe den Satz gehört und protokolliert."

Patrizia Cottini, die Sekretärin der Frauenfußball-Abteilung des Verbandes, hat das Sitzungsprotokoll verfasst und bleibt dabei. In einem Interview mit der "Gazzetta dello Sport" sagt Cottini: Herr Belloli hat den Satz gesagt, ich habe ihn gehört und protokolliert. Meine Arbeit besteht nicht darin, eine Meinung auszusprechen; ich beschränke mich darauf, das aufzuzeichnen, was ich höre - und das habe ich auch am 5. März getan."

Auch die Ex-Fußballerin Sonia Pessotto, Vorstandsmitglied der Frauenfußball-Abteilung, bestätigt der Nachrichtenagentur Ansa gegenüber Bellolis Zitat: "Ich war dabei. Den Satz über die ,vier Lesben' hat Belloli gesagt. Er muss von seinem Amt zurücktreten."

"Der Satz ist gehässig und inakzeptabel."

Italien Fußballverbandspräsident Carlo Tavecchio, dessen Sprüche auch schon ein paar Mal für Aufregung gesorgt haben, spricht der Ansa gegenüber auch eine klare Sprache: "Sollte Belloli diese Worte gesagt haben, wäre dies ein schwerwiegender Fall. Der Satz ist gehässig und inakzeptabel."

 

Der Twitter-Eintrag von Martina Navratilova.

Der neuerliche Skandal in Italiens Fußball geht bereits um die Welt. Die ehemalige Weltklasse-Tennisspielerin und bekennende Homosexuelle Martina Navratilova hat via Twitter ihre Meinung kundgetan: "Beschämend - er muss sich sicherlich entschuldigen, außer Zweifel."

Aus Protest gegen den diskriminierenden Sager werden Italiens Fußballerinnen mit 15-minütiger Verspätung zu den Meisterschaftsspielen vom Wochenende antreten. 

  

stol