Freitag, 26. Februar 2016

Knapp gescheitert: Tamara Lunger kehrt unterm Gipfel um

Nie zuvor haben Bergsteiger den Gipfel des Nanga Parbat, des neunthöchsten Berges der Welt, im Zuge einer Winterbesteigung erklommen. Auch sie hat es nicht geschafft: Tamara Lunger wollte am Freitag den 8125 Meter hohen Gipfel des Todesberges erreichen und Alpingeschichte schreiben. Doch dies schafften andere.

Tamara Lunger wollte als erste Frau überhaupt im Winter am Gipfel des Nanga Parbat stehen.
Badge Local
Tamara Lunger wollte als erste Frau überhaupt im Winter am Gipfel des Nanga Parbat stehen.

Es war ein Kampf bis zum Schluss und ist auch jetzt noch nicht vorbei. Tamara Lunger, die aus Gummer stammende Extrembergsteigerin, machte sich auf, um im Team den Gipfel des Nanga Parbat zu erreichen. Und das im Winter. Noch nie zuvor war das anderen Bergsteigern gelungen. 

Die höchste im Winter je erreichte Quote

1997 mussten polnische Expeditionsteilnehmer auf einer Höhe von 7.875 Metern aufgeben. Diese Höhe hatten Lunger und ihre Begleiter (Simone Moro aus Bergamo, der Spanier Alex Txicon und der Pakistaner Ali Sadpara) gegen 9 Uhr (italienischer Zeit) erreicht. Am Freitag war der Gipfelsturm in Angriff genommen worden. 

Den Aufstieg in einzelnen Etappen mitverfolgen

STOL hat über die einzelnen Etappen des spektakulären Aufstieges am Freitag berichtet. 

Auch über Lungers bewusste Entscheidung. "In der Eiseskälte genügt ein blöder Fehler und man ist möglicherweise bei Gott", schrieb sie noch am 20. Februar. Nun haben sich all die Vorbereitungen und Strapazen aber bezahlt gemacht, die die Bergsteigerin seit Expeditionsbeginn am 6. Dezember 2015 auf sich genommen hat.  

Der Weg zum Gipfel nach pakistanischer Zeit. Minus vier Stunden ergibt die Zeit in Südtirol.Foto: Inverno al Nanga Parbat/simonemorogazzetta.it

Der Aufstieg gestaltete sich mühsam, zeitweise trennte sich die Gruppe gar, denn ein Bergsteiger wählte allein einen anderen Weg. Er erreichte den Gipfel anscheinend vor den anderen, stieg aber nochmals zu den Kollegen ab, um mit ihnen zu gehen. 

(K)ein Gipfelsieg und der Rückweg

Um 12 Uhr dann die Bestätigung: Die Männer Simone Moro, Alex Txicon und Ali Sadpara haben den Gipfel erreicht, hieß es von Igone Mariezkurrena aus dem Basiscamp. Lunger habe kurz unterhalb gestoppt.

Ihr Plan und Wunsch, als erste Frau überhaupt im Rahmen einer Winterbesteigung den Gipfel des neunthöchsten Berges zu erreichen, ist also vorerst gescheitert. Bei einem Erfolg wäre sie zudem die zweite Frau - nach der Schweizerin Marianne Chapuisat 1993  am Cho Oyu - weltweit gewesen, die es überhaupt im Winter auf den Gipfel eines Achttausender geschafft hätte.

Den vier Bergsteigern bleibt nun bis ca. 15 Uhr, um die Rückkehr unter das Gipfeltrapez auf 7500 Höhenmetern zu schaffen, ehe es dunkel wird. Dann folgt der Übergang der Bazhinscharte zum Basislager 4 (7200 m) auf den Spuren, die sie beim Aufstieg hinterlassen hatten. Dies sollte auch nach Einbruch der Dunkelheit möglich sein. Dort sollte das Quartett die Nacht verbringen und wird bereits einen Tag später im Basislager erwartet. 

stol/ker

stol