Mittwoch, 12. Oktober 2016

Kopftuchzwang: Schachspielerinnen drohen mit Boykott der WM im Iran

Vor wenigen Wochen hat der Weltschachverband beschlossen, dass die nächste Weltmeisterschaft der Frauen 2017 im Iran stattfinden wird. Allerdings ist fraglich, wie viele Frauen daran teilnehmen werden, nachdem bekannt wurde, dass die Teilnehmerinnen während der WM ein Kopftuch tragen müssen.

Die Frauen-Schach-WM 2017 im Iran sorgt für Gesprächsstoff.
Die Frauen-Schach-WM 2017 im Iran sorgt für Gesprächsstoff. - Foto: © shutterstock

Das Thema wurde inzwischen von mehreren Medien aufgegriffen, so auch von der "Berliner Zeitung", wo es einleitend heißt: „Dass Schach ein hochpolitischer Sport sein kann, weiß man spätestens seit der Amerikaner Bobby Fischer 1972 gegen den Russen Boris Spasski zum Match des Jahrhunderts in Helsinki antrat und den Kalten Krieg auf 64 Feldern fortsetzte. Nun steht erneut eine Schachmeisterschaft im Zentrum eines weltanschaulichen Konflikts.“ 

Der Weltschachverband hatte Mitte September in Baku (Aserbaidschan) beschlossen, dass die nächste WM der Frauen im Februar 2017 im Iran stattfinden soll. Eine durchaus vertretbare Entscheidung, denn Schach gilt unter der iranischen Bevölkerung als äußerst populär. Außerdem liegen die Ursprünge des "königlichen Spiels" in Persien, denn auch der Name Schach kommt von Schah (= König).

Kopftuchpflicht während Turnier

Doch einige der besten Schachspielerinnen der Welt drohen nun mit einem Boykott des Turniers. Ihnen war mitgeteilt worden, dass sie während des Turniers einen Hidschab tragen müssen. Das Tragen eines Kopftuchs in der Öffentlichkeit ist für alle Frauen im Iran gesetzlich vorgeschrieben. Verstöße werden mit Geld- oder Haftstrafen geahndet.

Die 22-jährige, aus Georgien stammende US-Schachmeisterin Nazi Paikidze sagte gegenüber dem britischen Telegraph: "Es ist völlig unakzeptabel, eines der wichtigsten Frauenturniere an einem Ort abzuhalten, an dem sich Frauen bis heute mit einem Hidschab verhüllen müssen." Zwar verstehe und respektiere sie kulturelle Unterschiede. Aber in einem Land, in dem Frauenrechte derart radikal eingeschränkt seien, könnten Frauen einfach nicht in Sicherheit spielen. Sie werde ganz bestimmt nicht an diesen Weltmeisterschaften teilnehmen.

Iranische Großmeisterin spricht sich für Teilnahme aus

Andere Spielerinnen pflichteten Paikidze bei. Der Kopftuchzwang verletze alles, wofür Sport stehe, sagte die ecuadorianische Schachmeisterin Carla Heredia. Sport sollte frei von jeder sexuellen oder religiösen Diskrimination sein.

Im britischen "Guardian" forderten dagegen iranische Schachspielerinnen ihre Kolleginnen zur Teilnahme auf. "Die Spiele sind wichtig für die Frauen im Iran. Sie geben uns eine Gelegenheit, unsere Stärke zu zeigen", argumentierte etwa die Großmeisterin Mitra Hejazipour. Schließlich sei die Frauen-Schachweltmeisterschaft das größte sportliche Ereignis in der Geschichte des Iran.

stol

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