Mittwoch, 27. Mai 2015

Korruption: FIFA-Vizepräsidenten unter Festgenommenen

Der Weltfußballverband sorgt abseits der Wahlposse für Schlagzeilen: In Zürich sind am Mittwoch in der Früh sechs Fußball-Funktionäre festgenommen worden und befinden sich in Auslieferungshaft. Sie stehen im Verdacht, Bestechungsgelder in Millionenhöhe angenommen zu haben.

Das Hotel, in dem die Funktionäre aufgegriffen und verhaftet wurden.
Das Hotel, in dem die Funktionäre aufgegriffen und verhaftet wurden.

Gegen die Funktionäre - darunter zwei Vizepräsidenten - wird in New York wegen Annahme von Bestechungsgeldern und verdeckten Provisionen ermittelt. Angenommen haben sollen sie diese von den Neunzigerjahren bis heute.

Vertreter von Sportmedien und Sportvermarktungsunternehmen sollen in Zahlungen an hochrangige Fußballfunktionäre – Delegierte des Weltfußballverbandes FIFA und andere Vertreter von FIFA-Unterorganisationen – in Höhe von über 100 Millionen Dollar verwickelt gewesen sein.

Als Gegenleistung sollen sie an Fußballturnieren in den USA und in Lateinamerika Medien-, Vermarktungs- und Sponsoringrechte erhalten haben.

Die Straftaten seien in den USA vorbereitet und abgesprochen worden, schrieb das Bundesamt unter Berufung auf das Verhaftungsersuchen. Auch seien Zahlungen über US-Banken abgewickelt worden.

Auslieferung in die USA?

Die Verdächtigten werden möglicherweise unverzüglich an die USA ausgeliefert. Voraussetzung für eine sofortige Überstellung ist, dass sich die Festgenommenen in der am Mittwoch geplanten Anhörung bei der Zürcher Kantonspolizei mit der sofortigen Auslieferung einverstanden erklären. Tun sie das nicht, will das die Schweiz die USA auffordern, ein formelles Auslieferungsgesuch zu stellen.

Über die Festnahmen im Zürcher Hotel Baur au Lac berichteten auch zwei Reporter der „New York Times“, die den Polizeieinsatz vor Ort mitverfolgten.

 

 

Über Twitter verbreiteten sie unter anderem Bilder von Polizeibeamten in Zivil, die an der Rezeption Zimmerschlüssel holen. Zudem erkannten die Reporter in mindestens einem der von der Polizei Abgeführten einen FIFA-Funktionär. 

Pressekonferenz am Mittwoch

Die FIFA selbst hat sich in einer ersten Reaktion noch nicht zu den Vorwürfen äußern wollen. Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur hieß es am Mittwoch lediglich, dass man Kenntnis von entsprechenden Medienberichten habe. Laut AFP will die FIFA die Situation klären, bevor sie sich zu den Festnahmen äußert.

Der Verband hat für Mittwochmittag eine Pressekonferenz an seinem Verbandssitz in Zürich angekündigt. 

Blatter nicht unter Verhafteten - Namen bald bekannt

Die Namen der Festgenommenen sollen noch am Mittwoch bekanntgegeben werden.

Laut „New York Times“ soll FIFA-Chef Joseph Blatter nicht zu den Beschuldigten gehören. Der 79-Jährige geht als großer Favorit in die Wahl für eine fünfte Amtszeit beim FIFA-Kongress am Freitag. Einziger Gegenkandidat ist Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien.

Blatter zeigt sich im Vorfeld der Präsidentenwahl von allem unerschüttert (STOL hat berichtet).

APA

stol