Bilder sagen oft mehr als Worte. Philipp Lahm durfte bei Werbeaufnahmen mit dem Bundestrainer und fünf Teamkollegen am Montag schon einmal das EM-Trikot überstreifen – und stolz trug er dabei die schwarz-rot-goldene Kapitänsbinde am Oberarm. Keine Frage: Sein Buch „Der feine Unterschied“ mag viel Staub aufgewirbelt und Fußball-Persönlichkeiten wie Rudi Völler maßlos verärgert haben – an Lahms Führungsposition im DFB-Team wird es wohl nichts ändern, auch wenn selbst Joachim Löw „einige Passagen nicht gefallen“ haben.Schon vor dem Treffpunkt des 23-köpfigen DFB-Kaders für das Qualifikationsspiel gegen Österreich am Montagabend in Düsseldorf hatten Löw, Lahm & Co. ihre Tätigkeiten wieder ganz auf das große Ziel EM ausgerichtet. „Ausschließlich“ dem Punktspiel am Freitag in Gelsenkirchen soll die Konzentration gelten, hatte Löw betont.Die Ablenkung von der sportlichen Aufgabe will er so gering wie möglich halten, auch wenn die sportliche Leitung nach DFB-internen Beratungen auf höchster Ebene ein Gespräch mit dem Mannschaftsrat über den internen Verhaltenskodex anberaumt hat. „Gibt wichtigere Themen als Lahms Buch“Löw und Teammanager Oliver Bierhoff sehen sich gezwungen, „die Sensibilität im Umgang mit Interna aus dem Mannschaftskreis“ zu thematisieren. Dass Lahm Kapitän bleibt, wurde schon vorab verkündet. Es gebe „wichtigere Themen“ als dessen Buch, bemerkte Vizekapitän Bastian Schweinsteiger, während Lahm in einem „Sport.1“-Interview Bereitschaft signalisierte, mit dem von ihm „geschätzten“ Völler gerne „einen Kaffee trinken zu gehen“.Der Rummel um Lahm soll möglichst rasch abebben, denn es geht Löw in dieser Woche vor allem um die vorzeitige Buchung des Tickets zur EM-Endrunde 2012 in Polen und der Ukraine. Den Bundestrainer dürfte am meisten ärgern, dass sein Kapitän für ein Politikum gesorgt hat, mit dem er sich nun wieder bei jedem öffentlichen Auftritt herumschlagen muss – so wie mit der lästigen Kapitänsdebatte um den inzwischen aussortierten Michael Ballack in den letzten Monaten. Prestigeduell gegen ÖsterreichEin Sieg im Prestigeduell gegen den Nachbarn Österreich würde die ohnehin geringen Restzweifel an der EM-Teilnahme beseitigen. Mit 21 Punkten führt Deutschland die Gruppe A mit großem Vorsprung an. Nur die Türkei (10 Zähler) könnte mit vier Siegen die DFB-Auswahl rechnerisch noch von Platz eins verdrängen. Lahm & Co. müssten parallel in allen drei Partien gegen Österreich, in der Türkei (7. Oktober) und gegen Belgien (11. Oktober) patzen.Die Zahlenspielerei will Löw schnellstens beenden, auch wenn er auf Mittelfeldspieler Sami Khedira und Torjäger Mario Gomez wegen Muskelverletzungen verzichten muss. „Es ist unser erklärtes Ziel, mit einem Sieg gegen Österreich alles klar zu machen, damit unsere Europameisterschafts-Planungen definitiv beginnen können“, äußerte der Bundestrainer. Gomez ersetzte er durch den Stuttgarter Cacau. EM-Vorbereitungen laufenIm Hintergrund laufen die EM-Vorbereitungen jedoch längst auf Hochtouren. Löw und Lahm waren am Montagvormittag gemeinsam mit Schweinsteiger, Lukas Podolski, Thomas Müller, Manuel Neuer, André Schürrle und Co-Trainer Hansi Flick in der Sportschule Oberhaching bei München für Werbeaufnahmen des DFB-Ausrüsters Adidas im Einsatz. Produziert wurde bereits die EM-Kampagne. Im Mittelpunkt stand das neue Trikot, das die DFB-Auswahl erstmals am 11. November in Kiew gegen EM-Gastgeber Ukraine in einem Länderspiel tragen soll.„Optisch sind wir schon gut auf die EM vorbereitet“, berichtete Lahm. Auffällig am neuen Dress ist die glänzende schwarze Hose. Das traditionell weiße Trikot hat einen V-Ausschnitt, die drei Streifen in den Farben schwarz, rot und gold laufen diagonal über die Brust.In diesem Trikot möchte Lahm am 1. Juli 2012 nach dem Finale in Kiew als Kapitän den EM-Pokal in Händen halten. „Mein Ziel ist es, bei den nächsten beiden Turnieren einen Titel zu gewinnen“, schreibt der 27-Jährige im Epilog seines Buches mit Blick auf die EM 2012 und die WM-Endrunde 2014 in Brasilien. „Die Mannschaft platzt vor Begabung“, schreibt er auf der letzten Seite.dpa