Anders als in den Vorjahren verzichteten alle Beteiligten auf vollmundige Aussagen. Stattdessen stehen hüben wie drüben die Personalprobleme im Mittelpunkt. Trotz der Ausfälle von Mario Götze und Jakub Blaszczykowski und der Sorgen um die angeschlagenen Profis Ilkay Gündogan und Marcel Schmelzer verzichtete BVB-Coach Jürgen Klopp auf Selbstmitleid: „Leicht kann jeder. Wir müssen ein bisschen zaubern.“Selbst die vor Revierderbys übliche Suche mancher Medien nach Zündstoff blieb lange erfolglos. Einzig die eher beiläufig und schon am Mittwoch geäußerte Kritik von Clemens Tönnies an der „emotionalen Körpersprache“ von BVB-Trainer Jürgen Klopp wurde am Tag vor dem Anpfiff dankbar als Aufreger aufgegriffen. Doch bei Hans-Joachim Watzke hielt sich die Aufregung in Grenzen: „Wir sind in Dortmund mit den Methoden von Jürgen Klopp zweimal Meister geworden. Ich weiß nicht, ob Clemens Tönnies schon eine Meisterschaft mit Schalke gefeiert hat“, konterte der BVB-Geschäftsführer kühl.Die Borussia hat derzeit genug mit sich selbst zu tun. Der Ausfall von Stammspielern erschwert dem Meister am Samstag (15.30 Uhr) die ohnehin knifflige Aufgabe. Zwar sorgte die Borussia zuletzt wiederholt für höchsten Unterhaltungswert, brachte sich aber zu häufig um den verdienten Lohn. Bei bereits neun Zählern Rückstand auf den vermeintlich größten Titelkonkurrenten Bayern München ist ein Sieg gegen den Erzrivalen aus Gelsenkirchen Pflicht. „Wir müssen uns und werden uns noch steigern. Ich gehe davon aus, dass wir damit am Samstag anfangen werden“, sagte BVB-Kapitän Sebastian Kehl den „Ruhr Nachrichten“ ungeachtet der Personalmisere.So einfach wie in den vorigen beiden Jahren mit drei Siegen und einem Remis dürfte es für den Titelverteidiger im Duell mit den Gelsenkirchenern jedoch nicht werden. Schließlich schickt sich der FC Schalke an, das Erfolgsrezept des Nachbarn erfolgreich zu kopieren. Junge Spieler wie Joel Matip, Lewis Holtby und Julian Draxler machen Hoffnung auf eine Zukunft auf Augenhöhe mit dem BVB. Was noch fehlt, ist der Nachweis, im direkten Duell mit Spitzenteams bestehen zu können. Und dieser Nachweis soll im ausverkauften Dortmunder Stadion erbracht werden. „Ich hoffe, dass der Abstand kleiner geworden ist und wir das auch zeigen können“, sagte Trainer Huub Stevens.Wie Klopp kann auch der Niederländer nicht auf Bestbesetzung zurückgreifen. Hoffnungen auf eine rechtzeitige Genesung des an Windpocken erkrankten Kyriakos Papadopoulos erwiesen sich als Wunschdenken. Zudem bleibt offen, ob Draxler nur 17 Tage nach seinem Unterarmbruch ein Comeback feiert. Am Donnerstag nahm der 19-Jährige mit einer Spezialschiene das Teamtraining auf. Wer das Tor hüten soll, will Stevens kurzfristig entscheiden. Das angerissene Außenband bereitet Rückkehrer Timo Hildebrand keine Probleme mehr. Deshalb droht Lars Unnerstall ein Platz auf der Ersatzbank.Noch mehr Veränderungen dürfte es in der Dortmunder Startelf geben. Für Götze und Blaszczykowski stehen Kevin Großkreutz und Ivan Perisic als Alternativen bereit. Statt Schmelzer könnte Chris Löwe die linke Position in der Viererkette besetzen. „Wir werden eine gute Truppe aufs Feld schicken“, versprach Klopp.Viel Zeit, den Personalnotstand zu beheben, bleibt nicht. Beide Teams bekommen es nur vier Tage später in der Champions League mit renommierten Teams zu tun. Ein Sieg im Revierklassiker soll den Dortmundern helfen, sich positiv auf den Hit gegen Real Madrid an gleicher Stätte einzustimmen. Auf einen ähnlichen Effekt setzen auch die Schalker vor ihrer Reise nach London. „Ich hoffe, dass Schalke körperlich an seine Grenzen gebracht wird“, kommentierte Arsenal-Coach Arsène Wenger schmunzelnd.dpa