Ohne Gnade fertigte der Rekordchampion aus der Schweiz am Freitag den chancenlosen Franzosen Jo-Wilfried Tsonga ab, der nach dem mühevollen Aufstieg ins Halbfinale offenbar mit den Kräften am Ende war. Im Endspiel am Sonntag wartet auf Federer aber nun ein anderes Kaliber. Der Brite Andy Murray ist wie er in bestechender Form und hat auf dem Weg in sein zweites Major-Finale nur einen Satz abgegeben.6:2,6:3,6:2 nach 88 Minuten waren am Freitag die nüchternen Zahlen, die nachdrücklich ausdrücken, wie überlegen der 15-fache Grand-Slam-Triumphator Federer gegen den Finalisten von 2008 war. „So zu gewinnen, ist besonders schön. Manchmal spielt der Gegner so, wie man es will“, sagte Federer. Souverän machte er das, was nötig war und gestattete seinem Gegenüber nicht den Hauch einer Chance. Kaum eine knifflige Situation hatte der Eidgenosse zu überstehen.Schon nach einer Stunde führte Federer in seinem 23. Grand-Slam-Halbfinale in Serie mehr als vorentscheidend mit 2:0 Sätzen. 28 Minuten später verwandelte der Basler den zweiten Matchball zum ungefährdeten Sieg. Tsonga erspielte sich in einem einseitigen Match keine einzige Breakmöglichkeit. Nun greift Federer nach dem vierten Titel in Melbourne nach 2004, 2006 und 2007.Doch Federer ist gewarnt, der 22-jährige Murray hat von zehn Duellen sechs gewonnen - die beiden jüngsten allerdings verloren. Auch der bisher einzige Vergleich in einem Major-Finale ging bei den US Open 2008 in drei Sätzen klar an den Weltranglistenersten. „Andy ist ein armer Kerl“, sagte Federer im Sieger-Interview auf dem Center Court der Rod Laver Arena. „Ich weiß, er will den ersten Titel für die Briten holen in...ich glaube, es sind 150.000 Jahre.“Während er in Wimbledon bestürmt wird, ist es in Melbourne vergleichsweise ruhig um den Schotten.„Man spürt den Druck hier fast gar nicht“, meinte Murray, für den es am Sonntag auch um zwei Millionen Dollar Preisgeld geht. „Hier lese ich keine Zeitungen und auch im Fernsehen kommt nichts über mich. Himmlisch, es ist wirklich ganz anders als in Wimbledon.“Körperlich fühlt sich Murray vor dem Angriff auf seinen ersten Major-Titel in bester Verfassung. „Eines kann ich versprechen“, meinte der Weltranglistenvierte, „für das Finale bin ich frisch und topfit - geistig und körperlich.“ Die Nerven sollen im zweiten Grand-Slam-Finale gegen Federer diesmal nicht das Problem sein. „Alles war so neu für mich und alles ist so schnell gegangen.“apa/dpa/reuters