Für Dietrich Mateschitz scheint Sebastian Vettel „im Moment die Nasenspitze knapp voran zu haben“, eine Teamorder wird es vom Red-Bull-Besitzer im Titelkampf der Stallrivalen aber keineswegs geben. „Es soll und wird derjenige gewinnen, der weniger Fehler macht und der Schnellere ist“, sagte der österreichische Milliardär der Nachrichtenagentur dpa. 14 Punkte trennen seine beiden Piloten: der Australier Mark Webber führt vor der aus mehreren Gründen mit Hochspannung erwarteten Formel-1- Premiere in Südkorea die WM-Wertung an, Vettel will seinen Rückstand als Dritter weiter verringern.Mateschitz fordert Teamspirit„Ob Marks Vorsprung für den WM-Titel reichen wird, wird man sehen“, sagte Mateschitz und schickte seinen beiden Piloten auch einen kleinen Appell mit auf die Reise ins Formel-1-Ungewisse nach Yeongam. „Wichtig ist, dass beide wissen, dass sie den jeweils anderen brauchen, um Weltmeister zu werden und dass sie letztlich auch für das Team und somit um die Konstrukteursmeisterschaft fahren“, erklärte der Österreicher.Der Routinier Webber auf der einen Seite, 34 Jahre alt und so dicht vor dem Titel, wie in all seinen Formel-1-Jahren seit seinem Einstieg 2002 nicht. Auf der anderen Seite der Shootingstar, 23 Jahre jung, gern auch mit Attributen wie lausbübisch oder verschmitzt versehen. Oftmals wurde schon gemutmaßt, dass Vettel besser ins Image-Konzept des Getränkeherstellers passen würde. Mateschitz betont aber klar den Teamgedanken, einen Wunsch-Weltmeister gibt es nicht. „Sollten wir die Fahrerwertung gewinnen, freuen wir uns nicht nur mit beiden gleichermaßen mit, sondern beide würden es sich auch gleichermaßen verdient haben“, sagte er.Red Bull vor dem großen WurfSein Red-Bull-Team, beim Einstieg 2005 von Kritikern und Formel-1- Traditionalisten eher als Party-Mannschaft belächelt, kann in diesem Jahr den großen Wurf schaffen: Titel in der Fahrer- und auch in der Konstrukteurswertung. Dort liegt Red Bull mit 426 Punkten an der Spitze. McLaren-Mercedes mit seinen beiden Weltmeistern Lewis Hamilton und Jenson Button brachte es in bis dato 16 von insgesamt 19 Rennen in diesem Jahr auf 381 Zähler.Wer hier gewinnt, darf sich neben Titel und Prestige auch über reichlich Geld freuen: Die Auszahlung der Fernsehgelder wird über die Platzierung in der Teamwertung geregelt. Mateschitz unterstrich, dass es wichtig sei, dass Webber und Vettel wüssten, dass sie „letztlich auch für das Team und somit um die Konstrukteursmeisterschaft fahren“.Fünf Fahrer ringen noch um WM-Krone Spätestens am 14. November in Abu Dhabi herrscht Gewissheit, davor steht noch der Große Breis von Brasilien auf dem Programm. Auf dem neuen Kurs in Südkorea, der erst auf den letzten Drücker fertiggestellt wurde und nun vor seiner weltweit beachteten und beobachteten Bewährungsprobe steht, kann an diesem Sonntag für Hamilton (192 Punkte) und Titelverteidiger Button (189) der WM-Kampf gegebenenfalls schon beendet sein. Gehen beide leer aus und Webber siegt, sind sie raus, der Rückstand wäre bei danach 50 noch zu vergebenden Punkten nicht mehr aufzuholen.Deutlich besser liegt Fernando Alonso (206). Fürchtet Mateschitz denn nicht, dass der zweitplatzierte Spanier mit der Erfahrung von zwei Titeln und aktuell ebenfalls 14 Punkten Rückstand auf Webber (220) als lachender Dritter am Ende WM-Erster sein könnte? „Dies kann natürlich immer passieren, nicht mehr jedoch nach der 'Papierform'. Technische Defekte oder unverschuldete Unfälle können aber bekanntlich niemals ausgeschlossen werden“, entgegnete Mateschitz. „So gesehen müssen wir kein Glück haben, wir dürfen einfach kein Pech haben.“dpa