In der Meisterschaft schon in der Hinrunde vom FC Barcelona abgehängt, in der Champions League an Borussia Dortmund gescheitert und im Pokalfinale am Stadtrivalen Atlético: Für Real Madrid und seinen Trainer José Mourinho geriet die auslaufende Fußballsaison zu einem Fiasko.Die Tage des Portugiesen beim spanischen Rekordmeister scheinen gezählt. Nach Informationen des Sportblattes „As“ soll die Trennung nach dem letzten Spieltag in zwei Wochen verkündet werden. Andere Medien halten einen Abschied bereits in den kommenden Tagen nicht für ausgeschlossen.„In dieser Spielzeit habe ich versagt"„In dieser Spielzeit habe ich versagt, das war die schlechteste Saison meiner Karriere“, hatte Mourinho mit versteinerter Miene nach Reals 1:2-Niederlage nach Verlängerung im Pokalfinale gegen Atlético eingeräumt.Die „Copa del Rey“ (Königspokal) sollte ein Trost nach einer enttäuschenden Spielzeit sein. Aber nicht einmal damit klappte es am Freitagabend. Nun steht allein der spanische Supercup als Erfolg zu Buche, aber der zählt nicht zu den großen Titeln.„Mehr Streitigkeiten als Titelgewinne“, fasste das Sportblatt „Marca“ die bewegte Mourinho-Ära bei den Königlichen zusammen. Der Trainer hatte sich mal mit der Vereinsführung angelegt, mal mit den Spielern, den Fans, den Schiedsrichtern oder der Europäischen Fußball-Union (UEFA). Im Vergleich zu den Konflikten ist die Zahl der Titel überschaubar: In drei Jahren gewann Mourinho mit Real nur einmal den Pokal, einmal die Meisterschaft und einmal den Supercup.Das ist in der jüngeren Vereinsgeschichte die magerste Bilanz, die ein Real-Trainer in drei Jahren erzielte. Dabei hatte Vereinspräsident Florentino Pérez für Mourinho seine „rechte Hand“ Jorge Valdano als Generaldirektor geopfert, dem Portugiesen mehr Machtbefugnisse eingeräumt als je zuvor einem Trainer und in drei Jahren 180 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben. Nun gilt es in Madrid als beschlossene Sache, dass Mourinho zum FC Chelsea zurückkehren wird.Trennung gilt als beschlossenDie erwartete Trennung hatte sich vor mehreren Monaten angekündigt. Einzelne Vorstandsmitglieder hatten bereits nach dem missglückten Saisonstart dafür plädiert, den Trainer vorzeitig zu entlassen.Dazu konnte sich der Clubchef jedoch nicht durchringen, denn Pérez hatte sich immer persönlich hinter Mourinho gestellt, den er als einen Erfolgsgaranten und den „besten Trainer der Welt“ betrachtete.Hinter den Kulissen wuchsen jedoch die Spannungen zwischen „Mou“ und den Spielern. Der Trainer überwarf sich nicht nur mit Kapitän Iker Casillas und Sergio Ramos, sondern auch mit seinen Landsleuten Cristiano Ronaldo und Pepe. In der dramatischen Schlussphase des Pokalfinales, in dem Mesut Özil den Pfosten traf und zwei Riesenchancen ausließ, spielten die Weißen praktisch ohne Trainer. Mourinho hatte mit einer Schiedsrichterbeschimpfung seine Hinausstellung provoziert. Sein Assistent Aitor Karanka stand wie verloren an der Seitenlinie, die Kommandos von der Bank gaben nun Casillas und Pepe, die der Trainer ins zweite Glied verbannt hatte.Die Niederlage im Pokalfinale verbitterte Mourinho so sehr, dass er keine Anstalten machte, sich als fairer Verlierer zu geben. „Ich glaube, Atlético hat den Pokalgewinn nicht verdient“, raunzte er.Der Trainer stieg nach dem Abpfiff auch nicht auf die Ehrentribüne empor, wo König Juan Carlos die Medaillen an die Endspielteilnehmer verteilte.Torschütze Ronaldo, der wegen eines Tritts in das Gesicht des Atlético-Kapitäns Gabi die Rote Karte erhalten hatte, mied den Monarchen ebenfalls.Atlético brach mit dem Erfolg im Finale einen Bann: Die Rot-Weißen feierten den ersten Sieg über den großen Nachbarn seit fast 14 Jahren. „As“ witzelte: „Mourinho hat einen Rekord aufgestellt. Er ist der erste Trainer seit 14 Jahren, der mit Real gegen den Stadtrivalen verloren hat.“dpa