Die enttäuschten Mienen von Karl-Heinz Rummenigge, Karl Hopfner und Uli Hoeneß auf der Tribüne erinnerten nach dem Patzer von Hoffnungsträger Manuel Neuer beim 0:1 gegen Gladbach sehr an schmerzhafte Stunden aus der vergangenen Saison. Geht das schon wieder los? Borussia Dortmund brilliert, der FC Bayern stottert zum Saisonstart erneut. Dass dazu noch sechs Warnschüsse von Champions-League-Gegner FC Zürich abgefeuert wurden und der nächste Liga-Gegner von Dauer-Widersacher Felix Magath trainiert wird, passte zum Fehlstart.„Wir dürfen nicht an Horrorszenarien denken, dass es eine Saison wie letztes Jahr wird“, mahnte Torschützenkönig Mario Gomez. Auch wenn die Bayern als Tabellenzwölfter gleich wieder in der Situation sind, die man unbedingt vermeiden wollte. „Wir müssen leider jetzt schon wieder nach dem ersten Spieltag feststellen, dass wir der Spitze hinterherlaufen müssen“, brachte Rummenigge den ärgerlichen Eröffnungsspieltag auf den Punkt.Beim BVB mochte man die Momentaufnahme nicht überbewerten. „Ich glaube nicht, dass man nach dem ersten Spieltag schon so viel sagen kann. Bayern ist immer noch der Titelfavorit Nummer 1“, sagte der vor seinem Länderspiel-Debüt stehende Dortmunder Ilkay Gündogan vor der Partie gegen Brasilien. Man nehme die Niederlage wahr, aber das ändere nichts an der Rollenverteilung. „Unsere Zielsetzung werden wir nicht so schnell ändern“, sagte der Mittelfeldspieler, der mit den Dortmundern wieder ins internationale Geschäft will.Im Kreise des DFB-Teams traf Gündogan auch auf Manuel Neuer, den der Fehler vom Vortag auch noch am Montag gewurmt haben dürfte. „Da sehe ich natürlich blöd aus“, hatte der Nationaltorwart nach seinem Missgeschick erklärt. Wie Jean Marie Pfaff vor 30 Jahren nach Einwurf von Uwe Reinders war auch ihm im ersten Liga-Auftritt für den FCB ein dicker Patzer unterlaufen.Zwar fand Trainer Jupp Heynckes die Leistung des Rekordmeisters bei der Heimpleite gegen Borussia Mönchengladbach „gut anzusehen“ – aber auch „nicht so zwingend“. Zu schematisch und ohne Überraschungsmomente zeigte sich das Team im Angriff. Wirklich Zeit zur Aufarbeitung der erst dritten Bayern-Heimpleite zum Saisonauftakt hat der 66-Jährige nicht. Wegen Länderspielen sind seine Profis erst von Donnerstag an wieder an der Säbener Straße zurück.Während Dortmunds Coach Jürgen Klopp seinen Vollgas-Fußball mit dem Meister-Team fortsetzt als hätte es gar keine Sommerpause gegeben, steht Heynckes noch am Anfang seiner Mission. „Wir haben gewusst, dass viel Arbeit vor uns liegt“, betonte der neue Bayern-Trainer. Immer wieder hatte sich seine Elf im „Spinnennetz“ der Gladbacher verfangen, so Heynckes. Anders als dem BVB fehlt den Münchnern (noch) die auch von Kapitän Philipp Lahm vermisste „Kreativität“. Sky-Experte Franz Beckenbauer sprach gar von „Hilflosigkeit“ – der Wechsel von Ballbesitz-Fußball à la van Gaal zum Tempo-Kick funktioniert nicht auf Knopfdruck.Dazu hält auch die mit Neuer und Jerome Boateng verstärkte Abwehr noch nicht über 90 Minuten. Wenigstens war die Balance zwischen Offensive und Defensive deutlich besser als im Vorjahr, und bis zum Gegentor von Igor de Camargo (62.) waren auch einige gute Ansätze zu sehen. „Das Tor nehme ich auf meine Kappe“, betonte Neuer. Vergeblich hatte er Jerome Boateng nach dem langen Ball von Roel Brouwers auf eine Abwehraktion wartenlassen. Vorwürfe aus dem Team gab es nicht. „Wir wissen, dass Manuel uns noch viele Punkte retten wird in der Saison“, sagte Gomez. Aber selbst ohne den Neuer-Fauxpas: Ein 0:0 hätte die Situation der Bayern nicht viel besser aussehen lassen.Allerdings kann die Lage auch noch schlechter werden, denn das Aufeinandertreffen in Wolfsburg gegen den einstigen bayerischen Dauer-Renner Hasan Salihamidzic und Magath birgt Brisanz. Zumal Magath via Sky schon süffisant klang, als er sich „nicht so groß überrascht“ über die Bayern-Niederlage zeigte. „Klar ist: So ein Start hinterlässt beim FC Bayern Spuren“, sagte der Wolfsburger Meistertrainer. Und vier Tage nach der Liga-Aufgabe steht dann das Hinspiel in der Champions-League-Qualifikation gegen den FC Zürich an. Der gewann am Wochenende im 225. Stadtderby gegen den Grasshoppers Club mit 6:0 (1:0).dpa