Montag, 30. November 2015

Olympia: Hamburger lehnten Bewerbung 2024 ab

Fiasko für den deutschen Sport: Die Hamburger haben den Traum von Olympia in ihrer Stadt überraschend platzen lassen. In einem Referendum am Sonntag stimmte die Mehrheit (51,6 %) sensationell gegen eine Bewerbung um die Sommerspiele 2024. Deutschland erlebte damit seine zweite olympische Pleite binnen zwei Jahren. 2013 hatten München und Umgebung in einer Volksbefragung gegen Winterspiele 2022 votiert.

Das Abstimmungsergebnis kann auch als politische Schlappe für Bürgermeister Olaf Scholz gewertet werden.
Das Abstimmungsergebnis kann auch als politische Schlappe für Bürgermeister Olaf Scholz gewertet werden. - Foto: © APA/EPA

Bereits kurz vor Auszählung aller Wahllokale räumte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) die Niederlage der Befürworter ein. Zu diesem Zeitpunkt lag das Lager der Gegner mit 51,6 Prozent der Stimmen uneinholbar vorn. Da hilft auch nicht, dass die Kieler mit großer Mehrheit (65,57 Prozent) für Segel-Wettbewerbe auf der Förde stimmten.

„Es scheint so, dass der olympische Gedanke und Deutschland im Moment nicht zusammen passen“, sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), sichtlich gezeichnet. Nachdem die Ausrichtung des größten Sportspektakels erneut durchgefallen ist, hat sich Deutschland damit vorerst ins Abseits katapultiert.

Im Frühjahr waren noch 64 Prozent für Olympia

Zuletzt hatte den Olympia-Planern nach anfänglicher Euphorie der Gegenwind kräftig ins Gesicht geblasen. Im Frühjahr wollten noch 64 Prozent Olympia an die Elbe holen. Doch die Begeisterung bröckelte zusehends. Flüchtlingskrise, Terroranschläge in Paris, abgesagtes Fußball-Länderspiel in Hannover, DFB-Affäre, FIFA-Skandal, flächendeckendes Doping in der russischen Leichtathletik – das alles sorgte für Nachdenklichkeit, Verunsicherung und Abkehr von sportlichen Idealen.

„Wir haben einen Stimmungswandel in der Stadt bemerkt“, sagte Florian Kasiske aus dem jubelnden Lager der Initiative NOlympia. „Die Menschen sehen, dass es Sachen gibt, wo das Geld besser angelegt ist.“

Größte Bedenken hatten in der Hansestadt zuletzt wegen der ungeklärten Finanzierung geherrscht. Nach Berechnungen des rot-grünen Senats sollten die Sommerspiele in Hamburg rund 11,2 Milliarden Euro kosten. Die öffentliche Hand sollte davon etwa 7,4 Milliarden Euro übernehmen – 1,2 Milliarden die Stadt und 6,2 Milliarden der Bund. Doch der Bund sträubte sich selbst wenige Tage vor Referendumsschluss, den von Hamburg errechneten Anteil in Höhe von 6,2 Milliarden Euro zu übernehmen.

Nur noch Budapest, Paris, Rom und Los Angeles im Rennen

Nun stehen für das Sportgroßereignis nur noch Budapest, Paris, Rom und Los Angeles als Kandidaten parat. Die Entscheidung über die Ausrichterstadt fällt das Internationale Olympische Komitee (IOC) 2017 in Lima (Peru).

apa/dpa

stol