Dienstag, 13. September 2016

Paralympics: Zanardi bleibt Rennfahrer trotz Unfall

Alessandro Zanardi war und ist Rennfahrer durch und durch. Seit seinem verheerenden Unfall vor 15 Jahren aber steuert er keine PS-Boliden mehr, sondern ein Handbike. Bei den Paralympics in Rio will der 49-Jährige seine beiden Siege von London 2012 wiederholen. „Ich bin fast 50. Aber ich denke, dass ich wieder gewinnen kann“, sagt der Italiener zuversichtlich.

In der Vorbereitung absolvierte Zanardi 80 bis 100 Kilometer am Tag.
In der Vorbereitung absolvierte Zanardi 80 bis 100 Kilometer am Tag. - Foto: © STOL

Es kommt vor allem auf die Aerodynamik an, und darauf hat sich Zanardi eingestellt. Seit Monaten tüftelt er am Chassis seines Dreirads, sucht die perfekte Sitzposition, um dem Wind nur eine minimale Angriffsfläche zu geben. Dabei kommen ihm seine Erfahrungen aus dem Rennsport zugute.

Im italienischen Team ist Zanardi nur einer von vielen. Ein Star will er nicht sein. Obwohl er seiner Heimat als solcher verehrt wird. Für seine Landsleute ist Zanardi ein Vorbild, weil sie sehen, wie er mit seinem Schicksal umgeht.

Ärzte sprechen von medizinischem Wunder

Sein Leben änderte sich am 15. September 2001 in Sekunden- Bruchteilen: Auf dem Lausitzring bei der Premiere der ChampCar-Serie raste der Kanadier Alex Tagliani mit Tempo 320 in Zanardis querstehenden Wagen. Ihm werden beide Unterschenkel abgetrennt.

Vor dem Abflug in die Berliner Unfallklinik gibt ihm der Rennpastor die letzte Ölung – mit Motoröl. Zanardi verliert drei Viertel seines Blutes, muss im Hubschrauber mehrmals wiederbelebt werden, erhält rund 100 Blutkonserven. Nach 15 Notoperationen verlässt der Vater eines Sohnes 6 Wochen nach dem Unfall die Klinik – mit einem strahlenden Lächeln. Ärzte, mit denen ihn heute eine Freundschaft verbindet, sprechen von einem medizinisches Wunder.

Mit seiner Frau Daniele als großer Rückhalt geht er durch die Reha und lernt, auf Prothesen zu gehen. Das war sein großes Ziel. Im Rollstuhl wollte er nicht enden. „So lange du Träume hast, du Dinge erledigen musst, bist du glücklich. Verändere deine Niederlagen in deine Chancen“ – das ist Zanardis Motto.

dpa

stol