Das Objekt der Begierde wurde schon präsentiert – anfassen mochte es noch niemand. Doch wenn es nach Schalkes Trainer Ralf Rangnick geht, wird Kapitän Manuel Neuer den DFB-Pokal am Samstagabend (20.00 Uhr/ARD/Sky) nach dem Finale gegen den MSV Duisburg in den Berliner Abendhimmel recken. „Manuel ist total fokussiert, will den Pokal in Empfang nehmen und hochhalten“, sagte Rangnick einen Tag vor dem 68. Endspiel – und stiftete ein wenig Verwirrung um die mutmaßliche Abschiedspartie des Torhüters. „Ob Manuel wirklich sein letztes Spiel macht – da wäre ich mir nicht so sicher“, meinte der Schalke-Coach am Freitag.Neuer selbst schweigt weiter zu dem Thema, auch wenn an seinem Wechsel zu Bayern München in diesem Sommer keine Zweifel mehr bestehen. Der 25-Jährige will sich in seiner Konzentration auf das Highlight nicht stören lassen: „Das ist eine einmalige Chance für uns, und ich bin fest überzeugt, dass wir den Pokal holen.“Rangnick: „Eine besondere Saison die in die Vereinsgeschichte eingeht"Für Schalke geht es darum, die wechselvolle Spielzeit mit dem Pokalsieg zu krönen. Eine Niederlage wäre ein Desaster. „Mit dem Titel könnte die Mannschaft stolz sein auf eine besondere Saison, die in die Vereinsgeschichte eingeht“, meinte Rangnick. Immerhin habe man frühzeitig den Klassenverbleib gesichert und in der Champions League das Halbfinale erreicht. Rangnick sagte: „Nun wollen wir unser drittes Ziel erreichen. Ich gehe davon aus, dass die besondere Atmosphäre im Olympiastadion das Team noch mal beflügelt.“Schalke schwach in LigaIn der Liga enttäuschte Schalke mit Platz 14 auf der ganzen Linie, wie Horst Heldt einräumte. „Da haben wir die Erwartungen in keiner Phase erfüllt“, sagte Schalkes Sportvorstand. Umso wichtiger wäre ein versöhnlicher Abschluss – mit Blick auf die Finanzen und das Prestige. „Es ist ja auch ein Endspiel um die Qualifikation zur Europa League“, betonte Rangnick. Die Partie gegen den MSV gehe man „ohne Angst“, aber mit Respekt an: „Ich bin überzeugt, dass wir gewinnen, wenn wir unsere normale Leistung bringen.“Duisburger PersonalproblemeSo selbstbewusst gab sich MSV-Coach Milan Sasic nicht. Nicht zuletzt wegen der großen Personalprobleme bleibt dem Zweitligisten nur die Außenseiterrolle, in der sich Sasic aber wohl fühlt. „Es ist sicher ein Höhepunkt für uns, den Verein und die Stadt“, meinte der kroatische Coach. Der gesperrte Bruno Soares fehlt ebenso wie die verletzten Srdjan Baljak, Julian Koch und Jürgen Säumel. Ivica Grlic (Zerrung), Stefan Maierhofer und Benjamin Kern sind angeschlagen. Ihr Einsatz entscheidet sich kurzfristig. „Kein Verletzungspech kann größer sein als unser Wille, das Spiel zu gewinnen“, versprach Sasic Einsatz bis zum Umfallen.Wenn Grlic rechtzeitig fit wird, führt er die „Zebras“ als Kapitän auf den Rasen: „Wir können befreit aufspielen, haben nichts zu verlieren. Unsere Chance liegt darin, dass es nur ein Spiel gibt.“75 708 Zuschaer im Berliner OlympiastadionAuch für Raúl wäre „der letzte Schritt“ in Berlin etwas Außergewöhnliches. Schließlich fehlt dem 33-jährigen Spanier, der mit Real Madrid noch nie die „Copa del Rey“ gewann, ein nationaler Cup-Erfolg noch in seiner großen Titelsammlung. Und so freut er sich wie ein Kind auf die Partie im mit 75 708 Zuschauern ausverkauften Olympiastadion.Trotz der zuletzt sechs Pflichtspiel-Pleiten glaubt auch Benedikt Höwedes fest an den fünften Schalker Cup-Sieg nach 1937, 1972, 2001 und 2002. „Das ist ein komplett anderes Spiel. Jeder wird bis in die Fingerspitzen motiviert sein. Der Titel wäre absolut fantastisch“, sagte der Innenverteidiger.MSV bisher in allen Finalspielen unterlegenFür beide Clubs hat sich der Vorstoß in das Finale schon jetzt ausgezahlt. Der Underdog nahm aus der zentralen Vermarktung inklusive Halbfinale schon 4,5 Millionen Euro ein, Schalke kassierte bisher knapp fünf Millionen Euro. Der Endspielsieger kann sich über weitere 2,5 Millionen freuen, dem Unterlegenen bleiben 2,0 Millionen Euro.Bisher trafen Duisburg und Schalke im Pokal erst einmal aufeinander. Im Achtelfinale 1966 setzte sich der MSV mit 6:0 gegen „Königsblau“ durch – bis heute die höchste Schalker Niederlage gegen den „kleinen“ Nachbarn. Den ersten Pokal-Triumph des MSV, der bislang alle drei Finals (1966, 1975, 1998) verlor, will Schalke unbedingt verhindern. „Sonst wäre unsere Saison versaut“, sagte Heldt.dpa