Der Einspruch kommt von höchster Stelle. Helmut Digel, Councilmitglied im Leichtathletik-Weltverband IAAF, hält einen Start des an beiden Beinen amputierten 400-Meter-Läufers Oscar Pistorius bei den Olympischen Spielen in London für problematisch. „Ich darf auch nicht bei den Behinderten antreten“„Oscar Pistorius ist ein hervorragender Athlet, und das Gericht hat zu seinen Gunsten entschieden. Ich halte den CAS-Spruch jedoch für ein Fehlurteil auf Grundlage falscher Argumente“, sagte der deutsche Sportsoziologe.„Man braucht keine biomechanische, sondern eine sportethische Expertise“, meinte Digel. Behinderte hätten bei den Paralympics ihre Regeln und Nichtbehinderte bei ihren Spielen. „Ich darf auch nicht bei den Behinderten antreten“, meinte er. Außerdem habe die IAAF nach dem Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) ihre Regeln nicht geändert.Kritisch sieht auch der deutsche Leichtathletik-Präsident die Olympia-Zulassung von Pistorius. “Sportlich kann man ihn nur bewundern, aber sein Start ist mit der Grundphilosophie der Leichtathletik nicht vereinbar“, sagte Clemens Prokop. “Leichtathletik ist die Summe von Talent und Training.“ Durch die Prothesen käme die Komponente der technischen Vergleichbarkeit hinzu: “Dies ist problematisch.“Der Südafrikaner Pistorius hatte 2008 gegen das Startverbot durch die IAAF bei seinen Titelkämpfen und den Olympischen Spielen vor dem CAS mit Erfolg geklagt. Die IAAF wollte ihm die Teilnahme an ihren Wettkämpfen in der Annahme verweigern, dass Prothesen einen Vorteil verschaffen würden. “Seit 1996 haben wir die gleichen Prothesen und bisher ist damit keiner unter 50 Sekunden gelaufen“, argumentierte Pistorius am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in London. Er selbst laufe seit 2004 mit den gleichen “Blades“. Digel hält dagegen: “Im Moment haben wir noch die gleichen Bedingungen, aber das kann schnell vergänglich sein.““Es gibt einfach keinen Vorteil“Pistorius wird am Samstag im 400-Meter-Vorlauf an den Start gehen, und er will sich von der Debatte nicht bremsen lassen. “Man unterhält sich immer nur über die Vorteile und nicht über die Nachteile, die ich habe“, meinte der 25-Jährige. Er sei zwar wegen der amputierten Unterschenkel leichter, es fließe aber weniger Blut zur Förderung des Sauerstoffs durch seinen Körper. “Ich trainiere härter als 95 Prozent meiner Konkurrenten“, sagte Pistorius, der für die London-Spiele sein Körpergewicht um 13 Kilogramm reduzierte. “Ich glaube an Fairness. Man hat mich getestet, es gibt einfach keinen Vorteil.“Bei der Weltmeisterschaft 2011 in Daegu/Südkorea war er bis ins Einzel-Halbfinale gekommen und hatte mit der südafrikanischen Staffel Silber gewonnen. “Ich will bei Olympia auch ins Halbfinale laufen, das ist realistisch„, sagte der Langsprinter, dessen Bestzeit über 400 Meter bei 45,07 Sekunden steht. Bei den Paralympics in London, an denen er nach den Sommerspielen ebenfalls teilnehmen will, ist er damit nicht zu schlagen.Seine beste Zeit soll aber erst noch kommen – 2016 bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. “Sprinter haben ihren Leistungshöhepunkt zwischen 27 und 29 Jahren – und ich werde in Rio 29 sein“, betonte Pistorius, den das “Time“-Magazin einst auf die Liste der 100 einflussreichsten Menschen auf der Welt setzte.dpa