Montag, 11. Juli 2016

Ronaldos Verletzung ist wohl leichter als befürchtet

Zwölf Jahre nach dem Final-Drama von Lissabon macht Cristiano Ronaldo seinen großen Traum wahr: den EM-Titel mit Portugal. Nach seiner frühen Verletzung leidet der Superstar bis zum letzten Moment an der Seitenlinie mit. Nach dem Schlusspfiff fließen Freudentränen.

12 Jahre nach dem dramatischen Finale von Lissabon weint Ronaldo wieder in einem EM-Finale. Dieses Mal aus Freude.
12 Jahre nach dem dramatischen Finale von Lissabon weint Ronaldo wieder in einem EM-Finale. Dieses Mal aus Freude. - Foto: © APA/AFP

Cristiano Ronaldo wollte den großen Silberpokal gar nicht mehr hergeben. Immer wieder küsste er die Trophäe und posierte stolz für die Fotografen, balancierte den Pokal sogar kurz auf seinem Kopf. Portugals Superstar freute sich über den Gewinn des ersehnten EM-Titels wie ein kleines Kind, warf strahlend Kusshände ins Publikum und schüttelte immer wieder fassungslos den Kopf. „Ich bin sehr glücklich. Das ist einer der schönsten Momente meiner Karriere“, sagte er nach dem 1:0-Sieg im EM-Finale gegen Frankreich.

Wahrscheinlich eine Innenbandzerrung

Fast schon vergessen schienen da die schlimmen Szenen aus den Anfangsminuten der Partie, als Ronaldo sich am Knie verletzte und schließlich unter Tränen mit einer Trage vom Platz gebracht werden musste. „Ich hatte Pech, weil ich mich verletzt habe. Aber ich wusste, dass wir stärker sein werden“, sagte Ronaldo später.

Eine offizielle Diagnose zur Schwere seiner Verletzung gab es zunächst nicht. Die spanische Zeitung „Marca“ berichtete von einer Innenbandzerrung, womit Ronaldo in einigen Wochen wieder fit sein dürfte. Mit einer Manschette um das Knie war er zur Siegerehrung gehumpelt.

Ronaldo mutiert zum Co-Trainer

Noch während der Partie kehrte der ausgewechselte Kapitän an die Seitenlinie zurück, feuerte seine Mannschaft im Stile eines Trainers immer wieder an und humpelte die Seitenlinie auf und ab. „Er war sehr wichtig für uns, in der Kabine und auf dem Platz“, lobte Trainer Fernando Santos. „Er hat immer daran geglaubt, dass heute die Nacht der Nächte, unsere Nacht war.“

Und Abwehrchef Pepe berichtete strahlend: „Wir haben uns geschworen, für ihn zu gewinnen, und wir haben für ihn gewonnen.“

Das Tor als Teil des Teamworks

Gegen den Gastgeber mussten die Portugiesen in 120 Endspiel-Minuten plus Nachspielzeit zahlreiche brenzlige Situationen überstehen. Schließlich traf der eingewechselte Éder in der 109. Minute kurz vor Ende der Verlängerung zum entscheidenden Treffer. „Es ist ein sehr besonderes Tor, es war das Siegtor. Es war ein Teil des Teamworks“, sagte der Final-Held später strahlend.

Portugals erster großer Titel

Der EM-Sieg ist Portugals erster großer Titel. Zwölf Jahre nach dem bitteren 0:1 im Finale der Heim-EM gegen Griechenland nutzte die Seleção ihre zweite Endspiel-Chance. „Ich habe darauf so lange gewartet, seit 2004. Ich habe Gott um eine weitere Chance gebeten, weil ich glaube, dass die Portugiesen das verdienen“, sagte Ronaldo, der schon im Finale vor zwölf Jahren dabei gewesen war.

Um 23.48 Uhr durfte Kapitän Ronaldo endlich den ersehnten Pokal in den Nachthimmel über Paris stimmen. Im silber-rot-blauen Konfettiregen vergoss der Profi von Real Madrid noch einmal die angekündigten Freudentränen. „Portugal hat das verdient, das waren so viele Jahre voller Opfer. Es ist einer der glücklichsten Tage meines Lebens“, sagte er. „Ich wollte unbedingt einen Titel mit Portugal gewinnen, und es hat endlich geklappt. Diesen Triumph werde ich nie vergessen.“

dpa

stol