Die Verantwortlichen der Olympischen Spiele der Neuzeit gaben sich - vor allem bei den ersten Spielen - tolerant, kreativ und erfinderisch, wenn es um die Disziplinen ging.SeilziehenIm Jahr 1908 in London traten Mannschaften im Seilziehen gegeneinander an. Qualifikationen gab es keine. Amateur war, wer sich dafür hielt. Gold holte sich eine Londoner Polizeimannschaft, die mit ihren Spike-Stiefeln die USA deklassierte. Deren Team protestierte, nahm aber das Angebot der Gastgeber nicht an, das Ziehen ohne Schuhe zu wiederholen.SeilkletternBei Tarzan-Filmen in Hollywood der 30-er Jahre gehörte das Tauklettern ebenso zum Standardrepertoire wie bei den olympischen Sommerspielen von 1896 bis 1932. Erster Olympiasieger war der Grieche Nikolaus Andriakopoulos. 1896 kamen übrigens nur zwei Kletterer zum oberen Ende des 14 Meter langen Taus. Der letzte Wettkampf im Seilklettern oder Tauhangeln fand bei den Olympischen Spielen 1932 in Los Angeles statt; es gewann Raymond Henry Bass. HindernisschwimmenIm Jahr 1900 in Paris konnten Schwimmer auf der Seine über 200 Meter Gold, Silber oder Bronze holen, wenn sie auf der Strecke Hindernisse - Stangen, Schiffe und Boote - bewältigten. Frederick Lane war in 2:48 Minuten besser als die gesamte Konkurrenz. Der Australier wurde 1969 in die Ruhmeshalle des internationalen Schwimmsports aufgenommen. Der bestehende Weltrekord, aufgestellt von dem Australier Fred Lane, beträgt übrigens 2:38,4 Minuten.StandspringenAnders als beim heutigen Hochsprung musste man beim Standspringen ohne Anlauf springen und hüpfen. Es gab die Bewerbe Standhochsprung, Standweitsprung und Standdreisprung. Sie wurden nur von Männern ausgetragen. Da man keinen Anlauf hat, muss man den Schwung aus den Armen holen. Hierbei werden die Arme geschwenkt, man geht leicht in die Hocke und springt.1900 in Paris holte der US-Amerikaner Ray Ewry bei allen drei Bewerben Gold. Er konnte bei den Olympischen Spielen 1904 in St. Louis alle drei Titel verteidigen. Ewry hält bis heute den Weltrekord. Im Jahr 1904 sprang er 3,476 Meter weit und 1,498 Meter hoch.1906 gab es olympische Zwischenspiele in Athen, bei denen Standdreisprung abgeschafft wurde. 1912 in Stockholm waren Standhochsprung und Standweitsprung das letzte Mal olympisch. SackhüpfenUnglaublich aber wahr: Im Rahmen der Olympischen Spiele 1904 in St. Louis fand ein Wettbewerb im Sackhüpfen statt, der aber vom IOC nicht als olympisch gewertet wird.TaubenschießenBei den Sommerspielen 1900 floss Blut. 300 Tauben waren lebende Ziele im Wettbewerb Taubenschießen. Proteste gab es keine, wenn man den Berichten der Zeit Glauben schenken darf. Gold ging an den Belgier Leon de Lunden: Zwei Fehlschüssen standen 21 Treffer – also 21 tote Tauben – gegenüber. Vom blutrünstigen Bewerb wollte das Internationale Olympische Komitee lange nichts wissen, deshalb taucht er in manchen Ergebnislisten gar nicht auf. Erst 72 Jahre später erkannte das IOC die Medaillen von 1900 offiziell an. 1904 in St. Louis wurden die Tauben dann verschont. MotorbootfahrenAnfang des 20. Jahrhunderts begann der Verbrennungsmotor seinen unaufhaltsamen Siegeszug. Die Begeisterung über die neuen technischen Errungenschaften war wohl so groß, dass Motorbootfahren bei den Olympischen Sommerspielen 1908 in London olympische Disziplin war.Isaac Thomas Thornycroft wurde gemeinsam mit Bernard Redwood und John Field-Richards Olympiasieger im Motorbootsport über 40 Seemeilen.stol