Die Bayern verspielten zweimal eine Führung in diesem November 1994 und kassierten in letzter Sekunde noch das 2:2 – ein Albtraum für einen Defensiv-Fanatiker wie Trapattoni.An diesem Sonntag sehen sich beide bei der Fußball- Europameisterschaft wieder. Bilic ist mittlerweile Nationalcoach von Kroatien, während „Trap“ im stolzen Alter von 73 Jahren nun den Iren erklärt, wie man Gegentore vermeidet. Für beide Teams ist die Partie in Posen (20.45 Uhr) schon eine Art Endspiel, weil es ohne die drei Punkte aus diesem Außenseiter-Duell nur sehr schwer werden dürfte, einen der beiden Gruppenfavoriten Spanien und Italien am Ende hinter sich zu lassen. Ganz nebenbei ist Trapattoni gegen Bilic aber auch eines der interessantesten Trainer-Duelle bei dieser EM.Der Kroate ist nicht nur 30 Jahre jünger, sondern stellt auch noch in einem Maß sein Selbstvertrauen zur Schau, wie es sich der stets im edlen Zwirn gekleidete Gentleman auf der Gegenseite nie erlauben würde. „Es sind nur fünf Spiele bis zum Finale. Wenn wir jedes mit dem richtigen Plan und Motivation angehen, dann können wir bis dahin kommen“, sagte Bilic gleich nach der Ankunft bei der EM.Für den 43-Jährigen beginnt seine Trainerlaufbahn erst richtig nach diesem Turnier, wenn er mit Lokomotive Moskau zum ersten Mal für längere Zeit einen Verein übernehmen will. Jemand wie Trapattoni kann darüber nur lächeln. Er hat schon 1977 den ersten von fünf Europapokal-Titeln geholt und im Laufe seiner Karriere mit fünf verschiedenen Clubs zehn Meisterschaften gewonnen. Das kleine Irland zur EURO geführt zu haben, ist für ihn nur ein Erfolg von vielen.Der älteste Trainer der EM-Geschichte hat im Fußball schon so viel erlebt, dass er selbst in einer Gruppe mit Weltmeister Spanien und seinem Heimatland Italien an eine Chance für sein Team glaubt. „Denken Sie an das Champions-League-Finale in München“, sagte er am Samstag. „90 Prozent der Menschen haben erwartet, dass Bayern gegen Chelsea gewinnt. Das zeigt: Sag niemals nie. Man muss immer daran glauben.“ Trapattoni braucht solche Erfolge nur längst nicht mehr für sein eigenes Renommee. Er sagt stattdessen: „Das sind wir unseren Fans schuldig, die große Opfer bringen, um zur EM zu kommen.“Der Italiener ist in Irland längst mehr als nur ein Fußball- Trainer. Er wird dort ähnlich wie in Deutschland auch als eine Art Klamauk-Figur angesehen, der die Leute regelmäßig mit sprachlichen Kapriolen amüsiert. Vor dem Spiel gegen Kroatien wird aber auch deutlich, wie groß der Respekt vor dem Altmeister in seiner Branche immer noch ist. „Er ist Mister Calcio“, sagte Bilic. „Er hat Clubs wie Juventus und Inter trainiert und überall Erfolg gehabt. Ich bin fasziniert von ihm und habe großen Respekt vor seiner Karriere.“Auch die Italiener erzählen gern, dass sie allein aufgrund der Person Trapattoni mehr Angst vor Irland als vor den Kroaten haben. Dabei sind die spielerisch eigentlich deutlich stärker.Bilic hat vor dem Spiel am Sonntag aber noch eine andere Sorge als „Traps“ reichhaltigen Erfahrungsschatz. Das Verletzungspech seines Teams kostete bereits Ivica Olic, Ivo Ilicevic und Dejan Lovren die EM-Teilnahme. Immerhin ist Verteidiger Vedran Corluka rechtzeitig zum Irland-Spiel wieder fit geworden.dpa