Sonntag, 25. Oktober 2015

Strafe für entnervten Rossi könnte WM entscheiden

Valentino Rossi hat in Malaysia erstmals die Nerven verloren und seinen zehnten WM-Titel damit ernsthaft gefährdet.

Foto: © LaPresse

Beim Motorrad-Weltmeisterschaftslauf in Sepang am Sonntag bugsierte der Italiener den MotoGP-Titelverteidiger Marc Marquez unsanft von der Piste.

Die Strafe folgte auf dem Fuß, er muss beim letzten Rennen in zwei Wochen in Valencia als Letzter starten.

Nach stundenlanger Diskussion einigte sich die Rennleitung darauf, Rossi drei Strafpunkte zu geben.

Da er bereits einen auf seinem Konto hatte, muss er laut Reglement nun im nächsten Rennen ans Ende des Feldes.

Bereits am Donnerstag Provokationen

Das Scharmützel zwischen Rossi und Marquez hatte bereits am Donnerstag bei der offiziellen Pressekonferenz begonnen, als der Italiener seinem jungen Kollegen vorwarf, ihn beim vergangenen Rennen in Australien bewusst blockiert und damit Lorenzo bevorteilt zu haben.

Marquez wies das weit von sich, unabhängige Beobachter hatten es freilich ähnlich gesehen.

Auf der Rennstrecke zeigten beide, dass die angebliche Freundschaft und der große Respekt voreinander wohl doch nicht so stark sind.

Rundenlang duellierten sie sich derart, dass ein Sturz immer wieder kurz bevor stand.

Auslöser war augenscheinlich Marquez, der dem Altmeister immer wieder provozierend knapp vor dessen Motorrad fuhr und anschließend langsamer wurde.

„Er fuhr, nur um mir im Weg zu stehen“

„Er fuhr, nur um mir im Weg zu stehen. Dabei habe ich sehr viel Zeit verloren“, schimpfte Rossi, dem in der siebenten Runde der Geduldsfaden riss.

Er ließ in Kurve 14 Marquez heranfahren, um ihm dann aber die Tür zuzumachen. Der Spanier traf das Knie von Rossi, der ihm zudem noch einen leichten Schubser gab und Marquez damit ins Kiesbett schickte.

„Ich wollte eine etwas andere Linie fahren, um ihn zu verlangsamen. Da ist er mir zu nahe gekommen und gestürzt“, beschrieb Rossi die Situation aus seiner Sicht.

Marquez gab das Rennen auf und verschwand kommentarlos.

Die anschließenden Diskussionen um Schuld und Fairness spalteten die Lager. Fakt ist: Rossi geht als WM-Führender nach Valencia, hat aber nur noch sieben Punkte Vorsprung auf seinen Teamkollegen Jorge Lorenzo, der hinter dessen spanischem Landsmann Daniel Pedrosa Zweiter wurde.

Die Chancen, sich auf spanischem Boden bei dieser Ausgangslage dennoch den zehnten Titel zu holen, sind für Rossi dramatisch gesunken.

Lorenzo zeigte kein Verständnis für die seiner Meinung nach milde Strafe. „Valentino hätte disqualifiziert werden müssen“, betonte er.
apa/dpa

stol