Samstag, 24. September 2016

„Und dann erwarte ich mir eine Entschuldigung“

Wer Alex Schwazer sucht, würde ihn nie in „Verissimo“ vermuten. Die Sendung auf Canale 5 ist bunt, laut, Schauspieler sind zu Gast, Stars und solche, die es gerne wären. Erst singt eine Frau mit kurzen, lila Haaren. Und dann sitzt da plötzlich er. Mit stahlblauen Augen, dem gewohnt festen Blick. „Das hat man mir angehängt“, sagt Alex Schwazer jedem, der es hören möchte.

Er rede nicht gerne über seine Geschichte, sagt Alex Schwazer, und tut es doch immer wieder. Zuletzt bei "Verissimo" auf Canale 5. - Foto: Screenshot
Er rede nicht gerne über seine Geschichte, sagt Alex Schwazer, und tut es doch immer wieder. Zuletzt bei "Verissimo" auf Canale 5. - Foto: Screenshot

Dieses Mal wollte es Silvia Toffanin hören. Toffanin ist eine Frau Mitte/Ende 30 mit langen, braunen Haaren und rotem Kleid. Sie moderiert „Verissimo“ seit 2006. Ihre Stimme klingt jener von Michelle Hunziker verdächtig ähnlich, wenn sie fragt: „Sag mir – warum bist du unschuldig?“ Die „Verissimo“-Sendung mit Alex Schwazer lief am Samstagabend über die Bildschirme.

Schwazer hofft auf den DNA-Test

Alex Schwazer sitzt im Studio wie dorthingebeamt. Jeans und Turnschuhe passen nicht zu den roten High-Heels der Moderatorin. Als Toffanin ihn gleich zu Beginn bittet, auf einer Art Barhocker ihr gegenüber, in der Mitte des Raums Platz zu nehmen, wirkt Schwazer so, als wisse er nicht genau, was ihm heute noch passieren werde, in diesem blauen „Verissimo“-Studio. Aber er weiß, was er sagen möchte. „Das hat man mir mit Sicherheit angehängt“, sagt er also. Nun müsse man klären, wer und wie.

Turnschuh vs. High-Heel: Alex Schwazer im "Verissimo"-Studio mit Silvia Toffanin - Foto: Screenshot

 

Schwazer verweist auf die Bozner Staatsanwaltschaft. Sie werde seine Proben untersuchen (STOL hat berichtet), er selbst rechnet mit den Ergebnissen „in ein paar Wochen“. „Ich bin überzeugt, dass alles herauskommt“, betont er. „Und dann erwarte ich mir eine schöne Entschuldigung.“

„Ich rede nicht gern darüber“

Es stimmt nicht, wenn die „Verissimo“-Macher behaupten, sie hätten das Gespräch mit Alex Schwazer, das angeblich erste des Gehers nach der Verhängung der achtjährigen Sperre, exklusiv. Alex Schwazer hat diesen Sommer unentwegt über seinen Fall gesprochen – unmittelbar nach Bekanntwerden seines positiven Dopingtests Ende Juni, in der Zeit vor Rio, und auch in der Zeit danach.

Er tut es auch dieses Mal: Er redet von den Ärzten, die er belastet habe. Von der russischen Leichtathletin Julia Stepanowa, die Doping in Russland aufgedeckt hatte und dann in Rio nicht starten durfte. Von all seinen Opfern des vergangenen Jahres, die „vergebens waren“. „Ich rede nicht gern darüber“, sagt Alex Schwazer und, wie er da so sitzt, glaubt man es ihm. 

„Schwörst du, dass du nicht mehr gedopt hast, niemals?“, fragt Toffanin. „Nie“, antwortet Schwazer, während die Sendungsverantwortlichen am unteren Bildschirmende „Alex Schwazer: Tutta la verità“ einblenden.

Schwazers privates Glück

Schwazer ist heute 31. Doch seine Zeiten seien auch dann noch gut, wenn er schon 40 sei, prognostiziert er. Mit 40 hätte er seine 8-jährige Sperre abgesessen, könnte wieder an den Start. Daran glauben tut er selbst nicht: „8 Jahre ohne Rennen, das geht nicht. Ich werde mich nun anderen Dingen zuwenden. Zum Glück gibt es etwas anderes außer Sport.“

Privat sei er sehr glücklich, das betont Alex Schwazer öfters in dieser Sendung. Irgendwann fragt Toffanin: „Willst du es ihnen sagen?“ „Ich werde Vater.“ Applaus im Publikum. Eine sehr schöne Sache, meint Schwazer. Ob Mädchen oder Bub, das wisse er noch nicht, aber das sei im Grund auch egal.

Silvia Toffanin entlässt Alex Schwazer aus ihrem Studio nach rund 15 Minuten mit einem Streicheln am Oberarm. „Ich hoffe wirklich, dass du dich nun neuen Dingen zuwenden kannst“, sagt sie und das Publikum applaudiert. „Das verdienst du dir.“

stol/pg

stol