Aber auch die Kastelrutherin Denise Karbon hat sich am linken Knie verletzt. Die 29-Jährige zog sich im Riesentorlauf von Aspen einen Meniskusschaden zu, mit dem sie das Rennen allerdings zu Ende fuhr und Platz neun belegte. Doch drohe Karbon weder eine längere Auszeit noch ein Verzicht auf die Olympia-Bewerbe, wie der italienische Wintersportverband FISI auf seiner Homepage mitteilte. Die nun folgende Behandlung - laut FISI entweder die Entfernung des Miniskus oder dessen Zusammenflicken - werde erst nach weiteren Untersuchungen am Dienstag entschieden.Dagegen hat sich Karbons Cousin, SuperG-Vizeweltmeister Peter Fill, schon im August während des Sommertrainigslagers in Argentinien so schwer verletzt, dass er den gesamten Winter pausieren muss.Lange Liste von VerletztenDamit umfasst die Bilanz verletzter Skirennfahrer schon knapp nach Beginn der Saison 2009/10 eine beachtlich lange Liste. Denn im Spätsommer rieb sich die halbe Schweizer Mannschaft auf, Ende September erwischte es auch noch Jungstar Lara Gut. Die 18-Jährige wird wegen ihrer Hüftluxation noch länger pausieren müssen. Den heftigsten Unfall im Herbst-Training hatte der finnische Slalomfahrer Marcus Sandell. Ihm musste dem nach einem wilden Sturz im Pitztal die Niere entfernt werden. Und nachdem sich noch vor dem Saisonauftakt in Sölden Weltcupsieger Aksel Lund Svindal, der schon vor zwei Jahren in Beaver Creek dem Tod von der Schaufel gesprungen war, eine hartnäckige Sehnenverletzung im Bein zugezogen hatte, kam gleich beim ersten Saison-Riesentorlauf für Österreichs Kristall-Hoffnung Nicole Hosp das Saisonaus wegen eines Kreuzbandrisses.Ähnliches passierte der US-Amerikanerin Resi Stiegler. Gerade von einer langen Verletzungspause zurück, zog sich die Tochter des österreichischen Olympiasiegers Pepi Stiegler kürzlich beim Training in den USA einen Schien- und Wadenbeinbruch zu.„Ausschalten kannst du die Angst vor Verletzungen nicht“An keinem Skifahrer geht so etwas spurlos vorbei. „Ausschalten kannst du die Angst oder Gedanken an Verletzungen nicht. Man muss sich damit konfrontieren und es verarbeiten“, meinte etwa Kathrin Zettel, die selbst wegen ihrer Kniesehnen-Beschwerden das halbe Sommertraining verpasst hatte. Die Österreicherin verzichtete aber auf eine Operation und kuriert die Verletzung konservativ aus.Auch Zettels Teamkollegin Marlies Schild ist von ihrem Sport gezeichnet. Mit 20 hatte die Salzburgerin schon kaputte Knie, aber vor einem Jahr erwischte es Schild beim Training in Sölden mit einem komplizierten Schien- und Wadenbeinbruch wirklich schwer. „Man darf am Start nicht eine Sekunde daran denken, dass man sich verletzen könnte“, ist der Freundin von Benjamin Raich bewusst.Raich ist der vielleicht einzige absolute Topfahrer, der durch sein kluges Herangehen bisher schwerere Verletzungen vermieden hat. Auf der Suche nach den wohl zahlreichen Gründen für die vielen Verletzungen sind sich Raich und Schild einig, dass die breiteren Rennski, mit denen die FIS eigentlich für mehr Sicherheit sorgen wollte, ihren Teil dazu beitragen.Niedrigere Standhöhen, breitere SkiDie FIS hatte vor zwei Jahren die Standhöhen erniedrigt und die Ski verbreitert, die Fahrer hatten diese Maßnahme aber von Beginn an für unnötig und sogar gefährlich gehalten. Trauriger Höhepunkt war der März 2008 gewesen, als der Österreicher Matthias Lanzinger beim Highspeed-Super-G in Norwegen mit dem neuen Material bei Höchsttempo verschnitt und so schwer stürzte, dass er – auch wegen ungenügender Rettungsmaßnahmen – danach ein Bein verlor.„Ich verstehe nicht, warum sie nicht kapieren wollen, dass diese Ski aggressiver und gefährlicher sind“, hatte Raich erst vor den Rennen in Lake Louise wieder kritisiert. Schild: „Mehr Unterschenkelbrüche“Auch sie sei mit den Skiern von vor drei Jahren viel glücklicher gewesen, meinte Schild und ergänzte nachdenklich: „Mir kommt auch vor, das die Zahl der Unterschenkelbrüche seitdem größer geworden ist.“Dass hier bewusst mit der Gesundheit der Athleten gespielt werde, wollte aber Schild so nicht sagen. „Die Absicht der Verbreiterung war ja eine gute, man wollte den Sport damit ja sicherer machen“, ist ihr bewusst. Auswege gebe es nicht wirklich. „Jeder entscheidet für sich selbst, wie er damit umgeht und versucht, das Beste aus der Situation zu machen.“Ein treffendes Beispiel dafür, wie wenig zimperlich die Alpinski-Asse sind, ist nicht nur Schild selbst. Auch Daniel Albrecht, der im vergangenen Januar im Abschlusstraining in Kitzbühel schwer stürzte, ist trotz seines dreiwöchigen Komas schon wieder so stark, dass man jederzeit mit einem Comeback des jungen Schweizers rechnen kann.Humor als ReaktionAuch die junge Französin Anne-Sophie Barthet steht beispielhaft dafür, wie draufgängerisch Skisportler sind und mit wie viel Humor sie auf Verletzungen reagieren. Die 21-Jährige wurde im Aspen-Slalom mit Startnummer 58 Achte. Im Ziel jener Piste, auf der sie sich vor zwei Jahren in der Abfahrt schwer verletzt hatte, tanzte die Barthet zum Jubel der Zuschauer die Choreographie zu Hannah Montana, mit der die Tricolore-Girls auf das humorvolle YouTube-„Michael Jackson Tribute“ der Norweger rund um Svindal reagiert hatten. „Ich hatte nur zwei Möglichkeiten. Ewig eine Wut auf Aspen zu haben oder einfach was Positives daraus zu machen“, erklärte Supertalent Barthet.apa/stol