Sonntag, 07. Juni 2015

Wawrinka zerstört Djokovics Paris-Traum – 20. Grand Slam für Williams

Novak Djokovic muss weiter auf seinen persönlichen Grand Slam warten, Serena Williams ist auf der Jagd nach Steffi Grafs Rekord dagegen einen weiteren Schritt weiterkommen. Bevor sich der serbische Weltranglisten-Erste am Sonntag im Finale der French Open dem Schweizer Stan Wawrinka mit 6:4, 4:6, 3:6, 4:6 geschlagen geben musste, feierte die amerikanische Nummer eins der Tennis-Welt am Samstag mit dem 6:3, 5:7, 6:2 gegen die Tschechin Lucie Safarova ihren 20. Titel bei einem Grand-Slam-Turnier.

Stan Wawrinka
Stan Wawrinka - Foto: © APA/EPA

Damit liegt sie nur noch zwei Triumphe hinter der deutschen Tennis-Legende. Graf hat in ihrer Laufbahn insgesamt 22 Major-Events gewonnen.

Djokovic saß nach dem geplatzten Traum von seinem persönlichen Grand Slam gedankenverloren auf seinem Stuhl.

Während der Schweizer Stan Wawrinka seinen zweiten Grand-Slam-Titel mit seiner Familie und seinem Trainerteam in der Spielerbox feierte, starte Djokovic einfach ins Leere. Auch im dritten Paris-Finale konnte sich der Serbe seinen großen Wunsch vom Triumph im Stade Roland Garros nicht erfüllen.

Djokovic verpasste es durch die Niederlage, sich den Status als einer jener Spieler zu sichern, die alle vier Grand-Slam-Turniere gewonnen haben.

In Melbourne, Wimbledon und New York hat er bereits triumphiert. Nur auf der roten Asche in der französischen Hauptstadt will es einfach nicht klappen. Bislang ist dies erst sieben Spielern gelungen, seit Einführung des Profitennis 1968 schafften es sogar erst drei: Andre Agassi (1999), Roger Federer (2009) und Rafael Nadal (2010).

Als die Zuschauer ihn bei der Siegerehrung trotz der bitteren Niederlage mit minutenlangem Applaus feierten, standen dem sonst immer so starken Serben sogar die Tränen in den Augen.

„Es ist nicht einfach für mich, jetzt etwas zu sagen. Glückwunsch an Stan, er ist ein verdienter Champion. Ich habe gegen einen besseren Spieler verloren.“
In ihrem sechsten Grand-Slam-Duell boten Djokovic und Wawrinka den rund 15 000 Zuschauern auf dem ausverkauften Court Philippe Chatrier von Beginn an Sandplatz-Tennis der Extraklasse.

Schon im ersten Aufschlagsspiel schlugen beide die gelbe Filzkugel bei einem Ballwechsel 39 Mal über das Netz. Djokovic trumpfte zunächst groß auf, aber dann übernahm Wawrinka immer mehr das Kommando.

Mit Weltklasse-Schlägen brachte er die Nummer eins der Welt zur Verzweiflung. Mit seinem besten Schlag, der einhändigen Rückhand die Linie entlang, machte er seinen verdienten Triumph perfekt und zählt nun endgültig zu den besten Spielern auf diesem Planeten.

Serena Williams hatte am Tag zuvor ihre skurrilen French Open mit ihrem 20. Grand-Slam-Titel gekrönt.

Zum fünften Mal im Laufe des Turniers musste die Amerikanerin über drei Sätze gehen, fand aber auch gegen Safarova einen Weg, die Partie für sich zu entscheiden. Und das, obwohl sie weiter von einer starken Erkältung geplagt wurde und in den Stunden zwischen Halbfinale und Endspiel die meiste Zeit im Bett gelegen hatte.

Auch nach ihrem 48-stündigen Alptraum mit Happy End wollte Williams nur noch eins: schlafen. „Ich habe einfach keine Energie mehr und will nur noch ins Bett“, sagte die Tennis-Diva aus den USA mit stark belegter Stimme.

Die Schweißperlen auf ihrer Stirn im Scheinwerferlicht des großen Medienraums im Stadion Philippe Chatrier zeugten ebenfalls von der starken Grippe, die sie in den vergangenen Tagen von Paris geplagt hatte und die sie nun, gut drei Stunden nach ihrem dritten Triumph bei den French Open vom „definitiv schwersten“ ihrer nun bereits 20 Grand-Slam-Titel sprechen ließ.

Durch den dritten Grand-Slam-Sieg in Serie nach den Triumphen bei den US Open 2014 und zu Beginn des Jahres in Melbourne ist die 33-Jährige jetzt nur noch zwei Erfolge davon entfernt, mit Rekord-Siegerin Steffi Graf gleichzuziehen.

Deutschlands Tennis-Legende geht längst davon aus, dass die jüngere der beiden Williams-Schwestern sie in naher Zukunft übertrifft.

„Sie hat das Potenzial, weit mehr zu gewinnen“, sagte die 45-Jährige.

„Serena ist eine unglaubliche Athletin. Meiner Meinung nach hat sie Schläge, eigentlich Waffen, die einzigartig sind in der Geschichte dieses Spiels“, sagte Graf der französischen Sportzeitung „L'Équipe.“

dpa

stol