„Es war eigenartig, Michael nicht neben sich auf dem Podest zu haben“, sagte der smarte Sunnyboy Lochte nach der Medaillenzeremonie. „Wann immer Michael geschwommen ist, stand er immer auf dem Podium.“In 4:05,18 Minuten war der Serienweltmeister über 400 Meter Lagen in einer eigenen Liga zu seinem ersten Gold von London und dem vierten insgesamt geschwommen. Dabei hatte er den Superstar von Peking mit einem Vorsprung von 4,10 Sekunden gedemütigt.„Er ist einer der Größten und wird unabhängig von dem, was passiert, auch immer einer der Größten sein“, betonte Lochte über den Teamkollegen, mit dem er eine „großartige Rivalität“ habe.Der „Außerirdische“ ist nicht mehr unschlagbar Fluchtartig hatte Olympia-Gigant Phelps nach Rang vier das Becken des Aquatics Centre verlassen. Erstmals war er bei Sommerspielen seit dem 16. August 2004 geschlagen worden – und wie.„Es ist wirklich frustrierend, so in die Wettbewerbe zu starten“, bekannte der 26-malige Weltmeister.Der einstige „Außerirdische“ ist längst nicht mehr unschlagbar. Bei seinen bis zu sechs weiteren Starts müsste noch dreimal Edelmetall her, um die 18 Olympia-Medaillen der sowjetischen Turnerin Larissa Latynina zu toppen.Lochte genoss dagegen jeden Augenblick seines ersten großen Tages dieser Spiele. „In den letzten vier Jahren habe ich harte Arbeit reingesteckt. Das hat sich letztendlich ausgezahlt. Ich habe mir im Training den Hintern aufgerissen“, berichtete der 27-Jährige und erklärte die Titeljagd für eröffnet.„Es gibt nichts Besseres, als bei diesen Spielen mit Gold zu starten“, frohlockte er nach der ersten seiner maximal sieben Entscheidungen. Was Peking für Phelps war, soll London für Lochte sein.Erst tief in der Nacht war Lochte ins Bett gekommen. Doch auch nach wenigen Stunden Schlaf überzeugte er am Sonntag als Vorlaufzweiter über 200 Meter Freistil. „Ich war wirklich müde“, gestand er, „aber es war nur ein Vorlauf, daher war ich nicht besorgt.“Anders als derzeit etwa Paul Biedermann kann sich Lochte erlauben, auch mit weniger als hundert Prozent weiterzukommen.Kein besonderes Lochte-Erfolgsrezept Besondere Erfolgsrezepte gibt es nicht nach Ansicht Lochtes, der einst sein großes Talent verschenkte. Er habe einfach sein Training und seine Ernährung umgestellt, betonte der Modefreak.Die Hamburger von Peking sind längst Vergangenheit für den langjährigen Fastfood-Anhänger. „Ich war jung“, meinte Lochte über die lebensfreudigen Jahre von einst. „Jeder lebt den Weg, den er leben will.“Dass seine Familie im Aquatics Centre von London zuschaue, gebe ihm Kraft und motiviere ihn, betonte der zwölfmalige Weltmeister. Vater Steven R. Lochte hockte am Sonntag stolz auf der Tribüne und erzählte, dass er dem Sohn gesagt habe, er solle „Spaß haben und sein Land präsentieren“. Das gelingt dem Filius bislang perfekt.dpa