Donnerstag, 03. September 2015

0,80 oder 1,40 Euro: Wie viel darf ein Kaffee kosten?

Einen Euro für einen Espresso. Das wäre eine einfach Rechnung. Doch diese Zeiten scheinen auch in Südtirol längst vorbei. Und doch gibt es einzelne Ecken, wo der "Schwarze" für 80 Eurocent zu haben ist. Drei Kaffees dort kosten also weniger, als zwei in einem Betrieb mit 1,30-Euro-Preispolitik. Doch warum diese Unterschiede und wie viel ist Ihnen ein guter Espresso maximal wert?

2,40 Euro für drei Espressi: Das gibt es in Südtirol so gut wie kaum noch - in Bozen schon gar nicht (außer vielleicht in der Serenesigalerie, wie das Bild zeigt).
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2,40 Euro für drei Espressi: Das gibt es in Südtirol so gut wie kaum noch - in Bozen schon gar nicht (außer vielleicht in der Serenesigalerie, wie das Bild zeigt).

"1,10 bis 1,30 Euro ist der mittlerweile gängige Preis, darunter ist im Land kaum ein Espresso zu bekommen" sagt Pietro Perez mit einem scheinbaren Achselzucken. Er ist der Verantwortliche für die Gastronomie im Handels- und Dienstleistungsverband (hds) und weiß um die Preisgestaltung im Kaffeesektor.

"Die Zeiten, wo der Espresso einen Euro oder darunter gekostet hat, sind vorbei", sagt auch er. In den seltensten Fällen werde es noch Angebote von 0,80 Euro geben - höchstens bei einer Bar im Hintertreff und dort direkt am Tresen, beschreibt der hds-Fachmann die Situation. Das sei freie Marktwirtschaft.

Was ist ein angemessener Preis: STIMMEN SIE AB!

  

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Aber warum ist das so? Warum reicht denn nicht ein Euro für einen kurzen Schwarzen?

Die Kosten für die Terrasse miteinkalkulieren

Wie viel ein Barbesitzer schlussendlich für seinen Espresso & Co. haben will, "ist im Grunde eine betriebswirtschaftliche Entscheidung", erklärt Perez. Der Betreiber müsse die Fixkosten, die er hat, in die Preiskalkulation miteinbeziehen. Neben Wasser und Bier gehört Kaffee nämlich vielerorts zur meistverkauften Ware.

Das heißt: Wenn ein Betreiber im Bozner Zentrum einen Teil der öffentlichen Fläche mieten muss, um eine Terrasse zusätzlich zu betreiben, dann wird sich das auf den Preis auswirken. Auch die Lokalmiete selbst wird eingerechnet. Die Preiserhöhung ist dabei also nicht ausschließlich auf einen guten Ausblick zu münzen.

Sprich: Der Walter am Waltherplatz lässt den Kaffee nicht per se teurer werden, sondern die Terrasse, die in seiner Nähe zur Einkehr lädt.

Der Müll trägt eine Mitschuld am Preis

Und gar der Abfall hat seine Finger mit im Spiel. Denn seit in Bozen die Neuregelung in Sachen Müllentsorgung eingeführt wurde, "sehen sich Lebensmittelgeschäfte und Bars mit 300 Prozent höheren Müllgebühren konfrontiert", weiß der hds-Fachmann.

Klar muss auch dies irgendwie wett gemacht werden und verdirbt die Ein-Euro-Kaffee-Rechnung.

Arabica-Kaffee ist 30 Prozent teurer

"Dann gilt es zu bedenken, dass 100-Prozent Arabica-Kaffee im Schnitt 30 Prozent mehr kostet, als etwa gemischte Kaffeesorten", erklärt Perez. Natürlich findet sich auch das irgendwo wieder. Und dann kommen Faktoren, wie Service und auch die Bedienung am Tisch dazu", so Perez. Oftmals ist der Kaffee am Tresen billiger.

 Was ist guter Kaffee?

Stellt sich grundsätzlich die Frage: Was macht einen guten Kaffee aus?  "Ich gewöhne mich an den Geschmack und die Bitterstoffe des Kaffees, in der Bar, in der ich ihn oft trinke", sagt Perez. Somit sei "guter Kaffee" im Grunde eine subjektive Entscheidung.

Für ihn sei Kaffee jedenfalls ein Genussmittel - und jedes Genussmittel habe seinen Preis, den er selbst gern bezahle.

Um beim Kaffeetrinken dennoch zu einem kostengünstigeren Preis zu kommen, hat Perez dennoch einen Tipp. "Es gibt Bonus-Aktionen, bei denen man etwa auf zehn Kaffees einen gratis bekommt", verweist er auf gängige Kunden-bindende Aktionen.

Billiger Süden, teurer Norden, Zwischenland Südtirol

Und natürlich bleibt auch immer noch die Fahrt gen Süden. "Dort ist er nach wie vor billiger, weil Mieten und Fix-Kosten einfach niedriger sind", erklärt der Fachmann. Entgegengesetzt funktioniert das nach Norden nicht. Die Südtiroler könnten sich daher noch glücklich schätzen. In Österreich sei Kaffee per se um rund 40 Prozent teurer.

"Als einige den Espresso oder Cappuccino neben dem klassischen Filterkaffee dort eingeführt haben, haben sie den Preis dafür einfach höher angesetzt - und alle die nachgezogen sind, haben die Preisgestaltung übernommen", argumentiert Perez. Auch so kann Preispolitik im Kaffeesektor aussehen.

Und um an den Anfang des Berichts zurückzukehren: Einen guten Espresso um 0,80 Euro gibt es im Caffé Sasa in der Bozner Serenesigalerie.

stol/ker

stol