<b>Wo liegen die Wurzeln des Familienunternehmens?</b><BR />Ulrich Zuenelli: Das Unternehmen hat unser Großvater Alfons Loacker am 3. April 1925 gegründet. Er hatte zuvor das Konditorhandwerk in der Konditorei Moser in Brixen und dann in der Konditorei Rizzi unter den Bozner Lauben erlernt. Er war aber mit der Qualität, die man dort angeboten hat, nicht zufrieden. Deshalb gründete er seine eigene Backstube in der Rauschertorgasse.<BR /><BR /><b>Warum gerade Waffeln?</b><BR />Zuenelli: Mein Großvater war leidenschaftlicher Sportler und unter anderem Gründungsmitglied der Fußballmannschaft von Bozen. Weil er diese Sportleidenschaft hatte, wollte er – so erzählt man sich – etwas mit einer längeren Haltbarkeit produzieren, damit er unter der Woche produzieren konnte, um am Wochenende Zeit für Sport und Wandern zu haben. So soll er in der zweiten Hälfte der 20er Jahre auf die Waffel gekommen sein.<BR /><BR /><b>Das Unternehmen hat die Kriegsjahre überstanden. Wie ging es danach weiter?</b><BR />Zuenelli: Mein Großvater hatte nach dem Krieg eine zerbombte Hausruine am Dominikanerplatz erworben, wieder aufgebaut und dorthin die Produktion verlegt. In den 60er-Jahren ist die zweite Generation in den Betrieb eingestiegen. Zunächst kam mein Vater Armin Loacker hinzu, der die Manufaktur auf Vordermann gebracht hat. Dann sind auch die anderen Geschwister, Rainer Loacker für den Vertrieb und meine Mutter Christine Zuenelli für die Verwaltung und den Vertrieb, dazugekommen.<BR /><BR /><b>Wie schaffte man den Sprung vom lokalen auf den überregionalen Markt?</b><BR />Zuenelli: Armin Loacker hat 1967 die erste Frischhaltepackung entwickelt – ein Produkt, das für uns heute alltäglich und banal ist. Damals war es aber eine Innovation. Die Produkte wurden vollständig versiegelt und plötzlich hatte man 14 bis 18 Monate Haltbarkeit. Das war die Voraussetzung für eine breitere Distribution. Zudem hatte man auch in den ersten großen industriellen Waffelofen investiert. Und dann kam der Relaunch der Marke Anfang der 80er-Jahre hinzu, mit der Einführung des immer noch gültigen heutigen Markenschriftzuges und der ersten nationalen Werbekampagne mit den „Loacker-Zwergelen“. Mit diesem Schritt schaffte man es, Marktführer in Italien zu werden. Das war das Fundament für die Erschließung der internationalen Märkte.<BR /><BR /><b>Und die kam dann vor allem mit der dritten Generation?</b><BR />Zuenelli: Richtig, zusammen mit Diplomkaufmann Manfred Kunold, der Jahrzehnte für den Vertrieb zuständig war. Wichtig für die Internationalisierung war, sich zu diversifizieren. 1994 haben wir die Loacker „Quadratini“ gelauncht, die mundgerechten Waffelwürfel. Damit sind die Waffeln zu einem Snacking-Produkt geworden, das den Absatz in Südostasien und an der amerikanischen Westküste explodieren ließ. War Anfang der 80er-Jahre der Exportumsatz bei einer halben Million Euro, so war er im Jahr 2000 bei 20 Millionen Euro und heute stehen wir bei 256 Millionen. Wir exportieren heutzutage in 110 Ländern.<BR /><BR /><b>Welche sind die wichtigsten Märkte?</b><BR />Zuenelli: Wenn man die großen Weltregionen außerhalb Italiens betrachtet, so ist für uns der Mittlere Osten die wichtigste Region. <BR /><BR /><b>Ändert sich die Rezeptur von Markt zu Markt?</b><BR />Zuenelli: Nein. Ich denke, das ist ein großer Unterschied zwischen uns und den großen multinationalen Unternehmen, bei denen sich oft die Rezepturen und das Qualitätsniveau je nach Produktionsstandort verändern, um den Preis an die Kaufkraft der durchschnittlichen Konsumenten anzupassen. Wir sind davon überzeugt, dass wir auf den Weltmärkten nur dann Bestand haben, wenn man entweder billig genug ist oder wenn man gut genug ist, und unser Weg ist, gut genug zu sein.<BR /><BR /><b>Was ist eigentlich das erfolgreichste Produkt?</b><BR />Zuenelli: Das ist von Markt zu Markt unterschiedlich. In den USA ist das stärkste Produkt die Loacker „Quadratini“, in Italien die klassische Familienpackung. Global betrachtet sind aber nach wie vor der rote und der blaue Napolitaner mit Haselnusscreme und Schokolade die wichtigsten Produkte.<BR /><BR /><b> Warum eigentlich Napolitaner?</b><BR />Zuenelli: Weil die Haselnüsse in Italien hauptsächlich aus der Gegend von Neapel kommen. Die Anbaugebiete befinden sich bei Avellino.<BR /><BR /><b>Die Kakaopreise sind zuletzt stark angestiegen. Wie wirkt sich das jetzt auf die Preise aus?</b><BR />Zuenelli: Die Kakaobohnenpreise sind explodiert. Die ganze Süßwarenbranche sieht sich mit dieser Preisexplosion konfrontiert. Vor allem die reinen Schokoladenhersteller werden erhebliche Preiserhöhungen machen müssen, weil sie ansonsten bankrottgehen. Wenn die Rohstoffkosten in dem Maße steigen, dann haben sie keine Chance mehr, das durch Effizienzgewinne zu kompensieren. Wir sind weniger stark betroffen, da wir auch viele Produkte ohne Schokolade haben.