Donnerstag, 24. August 2017

100 Prozent Milch aus Südtirol? "Da gibt es keine Scharlatanerie"

"Es ist alles wahr", sagt Mila-Chef Robert Zampieri. Er reagiert dabei auf den STOL-Artikel "Milchprodukte aus Südtirol: Ist auch überall Südtirol drin?" Dabei geht es um die Frage, warum auf gewissen Produkten von Südtiroler Milchhöfen nicht das Qualitätszeichen abgebildet ist, wenn doch Südtiroler Milch darin sein soll. Zampieri erklärt den Grund. Und auch der Milchof Brixen reagiert.

Mila-Chef Robert Zampieri erklärt, warum das Südtiroler Qualitätszeichen gewisse Produkte von Mila nicht ziert.
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Mila-Chef Robert Zampieri erklärt, warum das Südtiroler Qualitätszeichen gewisse Produkte von Mila nicht ziert.

"Ich kann natürlich nur für uns und nicht für die anderen Milchhöfe sprechen, aber es ist alles wahr", sagt Zampieri auf Nachfrage von STOL. Denn nachdem angeblich alle Südtiroler Milchprodukte aus 100 Prozent bester Südtiroler Milch hergestellt werden - wie der Sennereiverband kundtut - müssten auch alle Produkte das Südtiroler Qualitätszeichen aufweisen. So zumindest die Theorie. In der Praxis lassen sich aber heimische Milchprodukte ausfindig machen, bei denen das Zeichen fehlt (STOL hat berichtet). 

Stellt sich die Frage, ob in jenen Produkten (Frischkäse und Mascarpone von Mila, Jogurt und H-Milch des Milchhofs Sterzing sowie Bio-Milchprodukte des Milchhofs Brixen) nicht zu 100 Prozent Südtiroler Milch verarbeitet wird?

Außerhalb Südtirols produziert

"Ich kann reinen Gewissens sagen: Wo Mila draufsteht ist 100 Prozent Milch aus Südtirol drin", sagt Zampieri. Warum das Qualitätszeichen auf dem Frischkäse nicht zu finden ist, hat einen einfachen und auch rechtlich relevanten Grund, "da wir ihn in unserem dritten Werk in Lodi produzieren. Jeden Tag fährt der Tankwagen mit der hiesigen Milch dahin." Sprich der Frischkäse wird in der Nähe von Mailand vom Käseproduzenten Stella Bianca, welcher zu 100 Prozent der Genossenschaft Bergmilch Südtirol gehört, hergestellt. 

Das Reglement des Qualitätszeichens sieht vor, dass dieses nur verwendet werden darf, wenn die Rohmilch ausschließlich aus Südtirol stammt und die Verarbeitung sowie Verpackung im Land erfolgt. 

Milch oder Rahm von außerhalb 

Aufgrund dieses Reglements fehlt auch dem Mila-Mascarpone das Qualitätszeichen. "Der Mascarpone ist unsere Achillesferse, wenn man so will. Zu Weihnachten und Ostern ist die Nachfrage derart hoch, dass wir nicht genügend Rahm für die Produktion haben. An zwei Wochen im Jahr müssen wir das Fett daher zukaufen", erklärt Mila-Chef Zampieri. Daher sei das Qualitätssiegel generell nicht auf dem Produkt, da sich die Verpackung nicht kurzfristig ändern ließe. 

"Da gibt es keine Scharlatanerie", so Zampieri. Die Kontrollen seien streng und durch das Weglassen des Zeichens zeigt sich die Ernsthaftigkeit, mit der die Milchhöfe sich an das Reglement halten würden. Der Milchhof Sterzing hat als erster damit begonnen, da er Nordtiroler Milch mitverarbeitet. "Und es stimmt auch, dass Mila deren H-Milch abfüllt", so Zampieri. 

1000 Prozent Sicherheit

Was dem Kunden in dem Milchdschungel also bleibt, um 100 Prozent Südtiroler Milch zu bekommen ist der Blick auf das Qualitätszeichen. "Da haben ich eine 1000-prozentige Sicherheit", garantiert der Mila-Chef.

Milchhof Brixen: Erwarten Aufstockung um knapp 1 Million Liter Bio-Milch

Auch der Milchof Brixen, Brimi, reagiert am Donnerstagnachmittag. „Tatsächlich wird momentan in Südtirol noch zu wenig Bio-Milch produziert, um die stetig steigende Nachfrage zu decken“, erläutert Brimi-Geschäftsführer Martin Mair. 

Momentan kämen an die 85 Prozent der Milch für die Brimi-Bio-Produkte von Südtiroler Mitglieds-Bauern. Da vor allem Mozzarella aber ein saisonales Produkt sei, müsse der Milchhof Brixen einen geringen Anteil der Milch aus dem nahen Alpenraum zukaufen, um die Nachfrage decken zu können, so Mair. 

Siegel nur, wenn Inhalt stimmt

Um 100 Prozent transparent zu sein und natürlich die strengen Richtlinien des Qualitätssiegels Südtirols einzuhalten, führe Brimi deshalb das Siegel auf der Verpackung nur an, wenn der Milchhof rund ums Jahr den Südtiroler-Bio-Rohstoff garantieren könne.

Zukünftig sollen aber auf allen Brimi-Bio-Produkten das Qualitätssiegel abgebildet sein. Denn, „einige unserer Mitglieder stellen gerade auf Bio um, weswegen wir uns wir für das Jahr 2018 eine Aufstockung der Anlieferung um knapp 1 Million Liter Bio-Milch erwarten, hält Brimi-Obmann Klaus Faller fest. So käme der Milchhof Brixen seinem strategischen Ziel näher, in Zukunft auch auf allen Brimi-Bio-Produkten das Qualitätssiegel abbilden zu können.

Milchhof Sterzing: Teilweise Nordtiroler Milch dabei

Auch beim Milchhof Sterzing ist nicht auf allen Produkten das Qualitätszeichen drauf: bei den großen Joghurtbechern schon, bei den kleinen nicht. „Das hat abfülltechnische Gründe“, erklärt der Geschäftsführer Günther Seidner. Bei der Abfüllung der größeren Becher werde ausschließlich Joghurt aus Südtiroler Milch verwendet, bei der Abfüllung der 125-Gramm-Becher nicht. „Denn seit April 2014 haben wir auch Mitglieder aus Nordtirol, die uns mit Milch beliefern. Und wenn wir Nordtiroler Milch für unsere Produkte verwenden, dürfen wir das Qualitätszeichen Südtirol nicht auf die Verpackung geben.“ 

stol/ker/gam

stol