Die Unternehmen wollen eine klare Botschaft an die Öffentlichkeit senden: Es gibt einen Ausweg aus der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Sackgasse der Gegenwart. Das Konzept der „Gemeinwohl- Ökonomie“ sucht Antworten auf die Krise der Gegenwart - Finanzblasen, Arbeitslosigkeit, Armut, Klimawandel, Migration, Globalisierung, Demokratieabbau, Werte- und Sinnverlust.In acht Städten Italiens, Deutschlands und Österreichs haben am Mittwoch weit über 100 Unternehmen diese Bewegung für ein alternatives Wirtschaftsmodell vorgestellt.Laut Christian Felber, dem Initiator der Bewegung, sollen die Systemspielregeln der Wirtschaft von Gewinnstreben und Konkurrenz auf Gemeinwohlstreben und Kooperation umgestellt werden. „In der Gemeinwohl-Ökonomie kooperieren die Betriebe mit dem Ziel des größtmöglichen Gemeinwohls, an Stelle des ehrgeizigen Strebens nach Finanzgewinn in Konkurrenz zueinander“, erklärte Günther Reifer vom Terra Institute, einer der Initiatoren in Südtirol, am Mittwoch auf der Pressekonferenz.In einem solchen alternativen Wirtschaftsmodell solle die Finanzbilanz in den Unternehmen nur mehr eine Nebenrolle spielen. Die Hauptrolle gehöre der Gemeinwohl-Bilanz, so Felber.Sie misst in 18 Kriterien den Beitrag, den jedes Unternehmen an der Erhöhung des Gemeinwohls leistet.Die Gemeinwohl-Bilanz wendet ein Punktesystem an, bei dem maximal 1.000 Punkte erreicht werden können. Je höher die Punktezahl, desto größer der Beitrag zum Gemeinwohl und desto größer die Belohnung des Rechtsystems. „Die Unternehmen erhalten beispielsweiseniedrigere Steuern, geringere Zölle, günstigere Kredite, Vorrang beim öffentlichen Einkauf und bei Forschungsprogrammen“, erklärte der Initiator. Der Markteintritt werde dadurch für ethische Akteure erleichtert und ihre Produkte und Dienstleistungen billiger als unethische, unfaire und unökologische. „Jedes Unternehmen muss sich von Grund auf ändern. Wenn wir so weiter machen, fahren wir den Karren an die Wand“, so Felber.Die Vision der Gruppe sei es, auf wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Ebene den Veränderungshebel anzusetzen.Auf wirtschaftlicher Ebene sollen der Zweck des Wirtschaftens und die Bewertung von Unternehmenserfolg anhand Gemeinwohl-orientierter Werte definiert werden.Auf politischer Ebene wolle die Bewegung rechtliche Veränderung bewirken. „Ziel des Einsatzes ist ein gutes Leben für alle Lebewesen und den Planeten. Menschenwürde, globale Fairness und Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung sind dabei wesentliche Elemente.“ Auf gesellschaftlicher Ebene solle der Wandel hin zu gemeinsamen, wertschätzenden Tun möglichst vieler Menschen gelingen. Derzeit hat die Bewegung laut den Initiatoren 400 unterstützende Unternehmen aus acht Staaten. Im ersten Jahr stehen die Ziele und die Beteiligung am gemeinsamen Prozess im Vordergrund, nicht die zu vergebenden Punkte. „Die Bilanz soll in den nächsten Jahren von mehr Unternehmen weiterentwickelt werden, bevor sie rechtsverbindlich werden soll und ein ‚Wirtschaftskonvent‘ folgen kann“, erklärte Christian Felber. Die 16 Südtiroler UnternehmenAlbatros (Meran; Caosconsult), Bäckerei Profanter (Brixen), Bildungshaus Kloster Neustift (Neustift), Crystal Consult (Meran), Elas (Meran), Engl Werkzeugbau (Bozen), Euroform (Sand in Taufers), Haus der Solidarität (Brixen), Hotel Feldmilla (Sand in Taufers), Loacker Remedia (Blumau), Meraner Weinhaus - Pur Südtirol (Meran), Plattnerbau (Bozen), Terra Eco Fashion GmbH (Brixen), Terra Institute (Brixen), Christian Trebo (St. Vigil), Triade Superbio (Bozen).