Mittwoch, 10. März 2021

170 Jahre Handelskammer Bozen zwischen Tradition und Moderne

Die Handelskammer Bozen feiert heute ihr 170-jähriges Bestehen. Am 10. März 1851 nahm sie ihre Tätigkeit im Merkantilgebäude auf, der zuvor Sitz des Merkantilmagistrats gewesen war. Wie damals prägen auch heute vor allem der Transit-, der Personen- und Warenverkehr sowie der Austausch von Ideen und Innovationen Südtirol und Bozen.

Am 10. März 1851 ließ sich die Handels- und Gewerbekammer im Merkantilgebäude, dem ehemaligen Sitz des Magistrats, nieder.
Badge Local
Am 10. März 1851 ließ sich die Handels- und Gewerbekammer im Merkantilgebäude, dem ehemaligen Sitz des Magistrats, nieder. - Foto: © pir
Im Habsburger Reich war die Einführung der damaligen Handels- und Gewerbekammern ein langer Prozess, der unweigerlich mit der Modernisierung des Staates verbunden war. 1848 begannen auch in Österreich wie im restlichen Europa, Aufstände gegen die Herrscher und die zentrale Macht auszubrechen. Auch die Unternehmer- und Produktionsstände erhoben ihre Stimme und forderten eine angemessene Vertretung in den wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen auf institutioneller Ebene. Der Habsburger Staat begann somit, Studien und Anhörungen vorzunehmen, die schließlich zur Errichtung der Handels- und Gewerbekammern führten.

An diesem Prozess beteiligte sich auch das Merkantilmagistrat von Bozen, das die lokalen Handelsinteressen vertrat. Man ersuchte die Regierung in Wien ausdrücklich um die Errichtung einer Kammer. Dem Antrag wurde schließlich auch stattgegeben, sodass in der Verordnung des Handelsministeriums vom 26. März 1850 im Verzeichnis der Städte, in denen eine Kammer entstehen sollte, auch Bozen aufschien.

Am 10. März 1851 ließ sich die Handels- und Gewerbekammer im Merkantilgebäude, dem ehemaligen Sitz des Magistrats, nieder. Franz Anton von Kofler übernahm als letzter Konsul des Magistrats den Vorsitz der neuen Kammer. Als Zeichen der Kontinuität übernahm die Kammer das ursprüngliche Siegel des Merkantilmagistrats als offizielles Wappen. Heute noch ist es mit seinen zahlreichen geschichtsträchtigen Symbolen im Logo der Handelskammer zu sehen.




Bereits Claudia de' Medici hatte in ihrer ersten Messeordnung aus dem Jahr 1635 in einem Kapitel die Elemente des Siegels genannt, welche die Konsuln und Beisitzenden in den Amtsunterlagen auszeichnen sollten: die Weltkugel, die Warenballen und der Spruch „Ex merce pulchrior“. Im Wappen, das seit der Mitte des 17. Jahrhunderts unverändert geblieben ist, ist eine Säule zu sehen, welche die Welt trägt; um den Sockel herum liegen Pakete, Warenballen und Fässer, während im Hintergrund Schiffe über das weite Meer segeln und die Umrisse weit entfernter Länder zu erkennen sind.





Wasser, Meer und Flüsse waren zu der Zeit wichtige Transportwege. Damals war Bozen eine europaweit bekannte Messestadt. Viermal im Jahr kamen Kaufleute aus allen Ländern angereist. Der durchziehende Handel spielte nicht nur für die Wirtschaft der Stadt, sondern für ganz Tirol eine wichtige Rolle.




An der Wende zwischen dem 18. und dem 19. Jahrhundert traten wichtige Änderungen im Handel ein: Der Fortschritt und neue Technologien brachten modernere Transportmittel, neue Wege und somit auch neue Handelsbräuche. Der Flussweg wich allmählich der effizienteren Eisenbahn; am Ende des Jahrhunderts wurde das Wasser langsam für andere Zwecke verwendet, so zum Beispiel für die Erzeugung von Strom und für die neue Industrie.

„Das Logo der Handelskammer erinnert an das alte Siegel und an den Erfolg der Jahresmärkte in der Geschichte Bozens, ist aber auch heute noch ein aussagekräftiges Symbol der Globalisierung: Der Transitverkehr, der Waren- und Personenverkehr, der Austausch von Ideen und Innovation sind heute mehr denn je eine wesentliche Bereicherung für Südtirol„, erklärt Handelskammerpräsident Michl Ebner.



stol