„Unsere Mitglieder berichten von Ernteausfällen bis zu 100 Prozent. Viele Bauern starten erst gar nicht ihre Mähmaschine. So schlimm wie heuer war es schon lange nicht mehr“, berichtet Bauernbund-Landesobmann Leo Tiefenthaler. Schäden schon passiert – Regen kommt zu spätWährend in den letzten Jahren meist der zweite oder der dritte Schnitt von der Trockenheit betroffen gewesen seien, leide heuer bereits der erste Schnitt unter dem fehlenden Regen. „Und der macht mehr als die Hälfte der gesamten Heuernte aus. Viele Städel werden bis Ende des Jahres wohl nicht einmal bis zur Hälfte gefüllt sein“, befürchtet Tiefenthaler. Auch eventuelle stärkere Niederschläge in den nächsten Tagen und Wochen würden die Heuernte nicht mehr retten können, der Schaden sei schon da. „Für viele Bauern wird 2011 das fünfte Jahr mit Trockenschäden – in den letzten neun Jahren“, betont Tiefenthaler. Auf Reserven aus dem letzten Jahr könnten die Bauern nicht zurückgreifen. „Bereits 2010 war unverhältnismäßig trocken und die Ernte deshalb geringer als sonst“, erklärt Tiefenthaler.Alpung in GefahrViktor Peintner, Landesobmann-Stellvertreter des Südtiroler Bauernbundes, macht sich Sorgen um den Almsommer. „Auf vielen Almen schaut es nicht anders aus als im Tal. Der Regen vom Wochenende könnte die Situation aber verbessern“. hofft Peintner. Ob die Tiere aufgetrieben werden können, hänge von der weiteren Witterung ab. Wenn nicht, würde sich die Situation in den Ställen und beim Futter nochmals verschärfen. Heupreis deutlich angestiegen Erschwerend kommt laut dem Bauernbund hinzu, dass halb Europa unter der Trockenheit leidet und die Heuernten in den großen Ebenen deutlich geringer ausfallen. „Das hat den Preis für Heu nach oben schnellen lassen. Derzeit werden zwischen 20 und 23 Eurocent für ein Kilogramm Heu bezahlt – über 30 Prozent mehr als in einem ‚normalen’ Jahr. Viele Bauern können sich einen Heuzukauf so schlicht nicht leisten“, berichtet Peintner. Sie hätten deshalb bereits Vieh verkaufen müssen, andere würden zumindest mit dem Gedanken spielen. Das habe aber zur Folge, dass die Preise in den letzten Wochen deutlich gesunken seien und sich ein Verkauf eigentlich nicht lohne. „Viele Bauern werden aber gezwungen sein, Vieh herzugeben“, glaubt Peintner. Das bedeute, dass die Milchanlieferung - und damit ein wichtiges Einkommen - zurückgehen werde.Land gefordertDer Südtiroler Bauernbund appelliert an die öffentliche Verwaltung, den Bergbauern unter die Arme zu greifen. „Um die entgangene Ernte zumindest teilweise zu ersetzen, braucht es eine Katastrophenhilfe von Staat und Land“, so Tiefenthaler. Längerfristig fordert der Südtiroler Bauernbund ein funktionierendes Risikomanagement, das vor allem den Bau von Bewässerungsanlagen und Speicherbecken vorsieht. „Das ist günstiger, als jedes Jahr Trockenschäden zu bezahlen“, so Bauernbund-Direktor Siegfried Rinner. Der Bau von Bewässerungsanlagen müsste natürlich entsprechend unterstützt werden. „Kein Viehbauer kann sich heute eine Beregnung aus den eigenen Erlösen leisten. Das Einkommen der Bergbauern liegt bei ca. 800 Euro pro Hektar und Jahr, eine Beregnungsanlage dagegen kostet ein Vielfaches davon. Allein ohne Zuleitung ist mit rund 8000 Euro pro Hektar zu rechnen. Dazu kommen je nach Entfernung der Wasserquelle Tausende Euro für die Zuleitung, ganz zu schweigen von eventuellen Speicherbecken. Daher ist eine Finanzierung von mindestens 75 Prozent notwendig“, fasst Rinner zusammen. Nun sei die Politik gefordert. Durnwalder wiegelt abAm Montag nahm Landeshauptmann Luis Durnwalder nach der Sitzung der Landesregierung kurz Stellung zur Trockenheitsproblematik. „Ich würde das Ende des Jahres für eine Bilanz abwarten“, meinte der Landeshauptmann. Auch in den vergangenen Jahren habe es während des Jahres immer wieder Probleme gegeben. Noch sei man erst beim ersten Heu-Schnitt. Er schlägt den Bauern vor, den zweiten und dritten Schnitt abzuwarten. Unterstützung werde es vom Land jedenfalls keine geben, meinte Durnwalder am Montag.