Der Konflikt in Nahost und die Blockade der Straße von Hormus lassen Rohöl auf dem Weltmarkt knapp werden. Profiteure dieses Angebot-Nachfrage-Spiels sind die Ölkonzerne. Seit dem Kriegsausbruch Anfang Februar schnellen ihre Gewinne nach oben. Die acht Branchengrößen – Aramco, BP, Shell, Equinor, TotalEnergies, Chevron, ExxonMobil und Eni – erwirtschafteten im zweiten Quartal zusammen einen Gewinn von 93 Milliarden Dollar (79 Milliarden Euro). Das entspricht 700.000 Dollar pro Minute, wie eine Berechnung des britischen Guardian veranschaulicht. <BR /><BR />Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum haben sich die Profite damit nahezu verdoppelt. Besonders kräftig kassierte der saudische Staatsriese Aramco: Trotz kriegsbedingter Schäden an der eigenen Infrastruktur verbuchte der Konzern ein Plus von 34 Prozent und erwirtschaftete 33 Milliarden Dollar. Shell und ExxonMobil verdoppelten ihre Nettogewinne auf 10,8 bzw. 14,5 Milliarden Dollar. <h3>Sechs EU-Finanzminister fordern Übergewinnsteuer</h3>Die neuen Quartalszahlen beleben die Diskussion um eine Übergewinnsteuer. In einem gemeinsamen Brief fordern die Finanzminister von Italien, Deutschland, Österreich, Polen, Portugal und Spanien die EU zum Handeln auf. Darin heißt es: „Wir müssen das Problem der hohen Energiepreise angehen, indem wir ein EU-weites Rahmenwerk zur Besteuerung von Zufallsgewinnen diskutieren.“<BR /><BR />Die bisherigen Einzelmaßnahmen der Mitgliedstaaten genügten nicht, um die anhaltende Teuerung an den Zapfsäulen abzufedern. „Deshalb brauchen wir ein gemeinsames Vorgehen, das sicherstellt, dass diejenigen, die von der Krise profitieren, ihren Teil dazu beitragen, die Belastung für die breite Bevölkerung zu verringern.“<BR /><BR />Die Forderung soll bei einem Treffen der EU-Wirtschaftsminister Mitte September auf die Tagesordnung kommen. <h3> Portugal prescht bereits vor</h3>Ein EU-Land hat bereits eine Übergewinnsteuer für Energieunternehmen in Bearbeitung. Portugal sieht eine Sonderabgabe von 33 Prozent auf jenen Gewinnanteil vor, der den Jahresdurchschnitt von 2024 und 2025 um mehr als 20 Prozent übersteigt. Ob dieses Modell als Blaupause für die gesamte EU dient, bleibt abzuwarten.