Donnerstag, 29. Oktober 2015

Abflug verschoben

Mit seinem Konzept zum Bozner Flughafen rennt der Landeshauptmann bei den Wirtschaftsverbänden offene Türen ein. Nur der Südtiroler Bauernbund, der mehr Mitglieder als Brixen Einwohner zählt, hält sich bisher auffallend bedeckt.

"Es ist alles offen." Leo Tiefenthaler und sein Bauernbund haben sich bisher zu keiner Stellungnahme in Sachen Bozner Flughafen durchgerungen.
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"Es ist alles offen." Leo Tiefenthaler und sein Bauernbund haben sich bisher zu keiner Stellungnahme in Sachen Bozner Flughafen durchgerungen.

Die Standpunkte sind klar definiert. SWR, UVS, HGV und hds sind deutlich: Das neue Konzept zum Bozner Flughafen passt, Ausbau, ja, bitte schnell. Der lvh formuliert seine Zustimmung etwas zurückhaltender, ist dem Flughafen grundsätzlich aber auch nicht abgeneigt.

Bei wohl keiner anderen Interessensgruppe ist sich der Landeshauptmann des Schulterklopfens für seinen Ausbau-Plan des Bozner Flughafens so gewiss wie bei den Wirtschaftstreibenden. Gut so: Immerhin soll die Wirtschaft, gesetzt dem Fall, die Bürger entscheiden sich im Sommer 2016 für einen Ausbau des Bozner Flughafens, 50 Prozent der Betriebskosten übernehmen. Soll heißen: Die Handelskammer zahlt ab diesem Zeitpunkt 2,5 Millionen Euro jährlich, 2,5 Millionen kommen vom Land.

Ein Verband hält sich bisher allerdings auffallend zurück: Es sind die Bauern, die in Sachen Flughafen in der Zwickmühle sitzen.

Die Zwickmühle der Bauern

Zum einen, sind Überetscher und Unterlandler Landwirte die ersten die mit der Einflugschneise über Südtirols Süden zu leben hätten. „Der Flughafen betrifft landwirtschaftlichen Grund“, weiß Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler. Zudem kann gemutmaßt werden, dass Flugreisende aus Russland und den nordischen Ländern wohl nicht die klassischen Urlaub-auf-dem-Bauernhof-Gäste sind.

Zum anderen allerdings, werden auch die Bauern ihren Beitrag zu den 2,5 Millionen Euro der Handelskammer leisten müssen. Und Schuler gibt zu bedenken: „Auch die Bauern exportieren Waren in alle Welt. Der Flughafen spielt so eine gewichtige Rolle.“

Wie steht der Bauernbund also zu den Airport-Plänen des Landeshauptmanns? Ist es ein gutes Konzept? Wird man am Ende gar eine Wahlempfehlung aussprechen – und wie lautet die?

Erst zum Landeshauptmann, dann in die Öffentlichkeit

Wer diese Fragen dieser Tage an Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler stellt, bekommt ausweichende Antworten. Er sagt: „Es ist alles offen.“ Bereits bei der Sitzung im Kammerausschuss der Handelskammer – als über die Co-Finanzierung abgestimmt wurde – war vom Bauernbund kein „Ja“ oder „Nein“ zum Flughafen zu bekommen. SBB-Vertreterin Monika Brigl enthielt sich Medienberichten zufolge der Stimme, der Obmann selbst nahm an der Sitzung nicht teil.

Zu Wochenbeginn meinte er zu STOL: „Ich kann derzeit wirklich nichts sagen.“ Nur so viel: Am vergangenen Freitag habe man sich im Landesbauernrat – nach der Landesversammlung das höchste Gremium im SBB – mit dem Thema Flughafen befasst. Und dabei habe man beschlossen, dass man zuerst die Aussprache mit höchster Stelle suchen werde, bevor man sich öffentlich äußere.

Die Bauernvertreter, mit den kooptierten Mitgliedern Arnold Schuler („Bin überzeugt, dass der Flughafen mit diesem Konzept funktionieren kann.“) und den Abgeordneten Hochgruber Kuenzer, Wurzer und Noggler, suchen das Gespräch mit Landeshauptmann Arno Kompatscher. Dann wolle man mit den Leuten in den Bezirken beraten und erst am Ende eine Meinung öffentlich machen.

SBB zählt zu den einflussreichsten Verbänden im Land

Ob diese Meinung gar in einer Wahlempfehlung für die Volksabstimmung gipfelt, kann Tiefenthaler derzeit nicht sagen. Fest steht allerdings: Eine Stellungnahme des SBBs in die eine oder andere Richtung könnte für die Flughafen-Abstimmung entscheidend werden. Der Bauernbund zählt mit seinen über 21.000 Mitgliedern zu den einflussreichsten Interessensverbänden des Landes.

stol

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